Nach sechs Jahren im Diözesanvorstand macht sie „Platz für die Jugend“

BDKJ-Vorsitzende Kerstin Stegemann kandidiert nicht mehr

„Es funktioniert immer noch“, sagt Kerstin Stegemann. „Daran glaube ich total.“ Was sie meint, ist die Arbeit der katholischen Jugendverbände. Die soziale Kompetenz, die sie vermitteln. Das demokratische Grundverständnis, das junge Menschen dort erlernen. Das politische Engagement, zu dem sie animiert werden.

Sie sagt das, weil sie es selbst erlebt hat. Mit 14 Jahren trat sie der Christlicher Arbeiterjugend (CAJ) in Steinbeck bei Recke bei. „Mit 400 Mitgliedern die weltweit größte CAJ-Gruppe“, sagte sie stolz. In der Tat sind dort fast ein Viertel aller CAJ-Verbandsmitglieder des Bistums Münster organisiert. „Wer in Steinbeck mitmischen will, ist dort aktiv.“

Fürs Leben gelernt

Mitglied, Gruppenleiterin, Vorsitzende der Ortsgruppe, Diözesanvorsitzende – ihre Stationen wurden begleitet von einer wachsenden Auseinandersetzung mit Inhalten, von steigenden Organisationsaufgaben und von größer werdender Verantwortung. „Ich habe dabei enorm viel für mein Leben gelernt.“ Stegemann spricht von ihrem Zutrauen in die eigenen Möglichkeiten. Von ihrer Fähigkeit, Stellung zu beziehen. Von ihrer Begeisterungsfähigkeit für Inhalte.

Auf ihrem Weg waren das entscheidende Kompetenzen. Nach ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Arbeitsförderung bei der Agentur für Arbeit holte sie ihr Abitur nach. Sie ging zum Politikstudium nach Bielefeld und Osnabrück. Nach ihrem Abschluss als Master wurde sie im Juli 2012 Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Münster. „Ohne CAJ wäre das sicher alles anders gelaufen.“

Neue Lebensphase beginnt

Wenn sie sich am kommenden Sonntag auf der Diözesankonferenz nicht zur Wiederwahl stellt, geschieht dies also nicht aus politischen Gründen. „Ich muss ehrlich auf die eigene Lebensphase schauen“, sagt Stegemann. „Jugendverbandsarbeit muss von jungen Menschen für junge Menschen gemacht werden.“ Dazu zählt sie sich mit ihren 32 Jahren langsam nicht mehr. „Im Verband sind neue Themen dran – und neue Ideen.“

Sie geht mit der Gewissheit, dass es genau diese neuen Impulse geben wird. Auch wenn sie auf der anderen Seite die Anfragen kennt, die an die Jugendverbandsarbeit immer wieder gestellt werden: „Gibt es noch ausreichend Interesse der Jugend? Leidet ihr unter Mitgliederschwund? Was macht euch eigentlich noch katholisch?“

Kritik ist ihr wichtig

An Antworten fehlt es ihr nicht. „Die Jugendlichen geben immer noch die Rückmeldung, wie sehr ihnen die Erfahrungen aus dem Verband in ihrem Leben helfen.“ Schwankende Mitgliederzahlen habe es in der Vergangenheit immer gegeben. „Und natürlich bewegen wir uns mit unseren Angeboten immer auf der Basis unseres Glaubens.“

Kritik kommt in Stegemanns Augen häufig durch fehlendes Wissen über die Arbeit des BDKJ. „Weil die Lebenswelt junger Menschen eine andere ist als die von Christen in anderen Lebenssituationen.“ Deswegen müssten aber auch Angebote speziell für Jugendliche möglich sein. „Es ist das Recht der Jugend, neu zu denken und zu handeln.“

Angstfreie und freche Jugend

Die Mitgliedsverbände des BKDJ seien dabei nur ein Teil eines Angebots-Spektrums. „Eine Möglichkeit von vielen, sich mit dem Glauben auseinander zu setzen.“
Unbesorgt, angstfrei, manchmal auch etwas frech – so beschreibt Stegemann die besondere Chance der Jugend, gesellschaftliche Themen aus christlicher Sicht zu bearbeiten. Dass das nicht immer jedem in der Kirche gefällt, ist für sie logisch. „Muss aber auch so sein, sonst wird ja keine Veränderung angestoßen.“ Ein wichtige Wirkung nach innen also, um zu zeigen, welche Themen auf der Agenda junger Menschen stehen. Und wie sie damit umgehen. „Nicht losgelöst vom christlichen Hintergrund, aber sicher liberaler als in anderen Bereichen der Kirche.“

Welche Themen sind das? „Oft die, mit denen sich andere in der Kirche etwas zeitverzögert befassen.“ So liege der Umgang mit Homosexualität schon seit vielen Jahren auf dem Tisch des BDKJ, lange bevor die Frage der Segnung homosexueller Partnerschaften jetzt an Aufmerksamkeit gewonnen habe. „Und Projekte zur Integration von Migranten haben unsere Mitgliedsverbände bereits gemacht, als der große Flüchtlingsstrom noch nicht begonnen hatte, geschweige denn Geld für solches Engagement floss.“

Lob vom Bischof

Es gibt dafür viel Anerkennung. Besonders von Bischof Felix Genn, sagt Stegemann. „Er betont immer, wie wichtig ihm unsere Arbeit ist.“ Kritische Anfragen von anderen Seiten sieht sie aber als genau so wichtig an wie ein solches Lob. „Das zeigt, dass wir Neues angestoßen haben – eben etwas, das diskutabel ist.“ Und da steigt die katholische Jugend immer gern ins Gespräch ein – unbesorgt, angstfrei und manchmal auch ein wenig frech. „Das wird auch in Zukunft funktionieren.“