Experte: Nachhaltige Hilfe könnte auch Fluchtursachen beheben

Beim Weltfriedenstreffen „Marshall-Plan“ für Afrika gefordert

Der Moderator der Waldenser-Tafel in Italien, Eugenio Bernardini, hat einen „Marshall-Plan“ für Afrika gefordert. Dieser dürfe aber „kein Alibi sein, um die Mauern der Festung Europa zu erhöhen“, sagte Bernardini am Montagnachmittag bei einem Podium des Weltfriedenstreffens zum Thema „Migranten retten, aufnehmen und integrieren“ im Rathausfestsaal in Münster.

„Wer Flüchtlingen zu Hause helfen will, muss eine Vorstellung davon haben, wie dieses Zuhause aussieht.“ Kurzfristige humanitäre Hilfe und langfristige strategische Entwicklung müssten Hand in Hand gehen. „Wir brauchen nachhaltige Mechanismen für die Aufbauhilfe und einen glaubwürdigen Plan der wirtschaftlichen Stabilisierung für die Krisengebiete“, ergänzte der Waldenser. Alles andere seien fromme Wünsche.

„Der Flüchtling ist kein Problem, er hat ein Problem“

Die Koordinatorin der Flüchtlingshilfe der Gemeinschaft Sant'Egidio in Deutschland, Ursula Kalb, erinnerte an die „Willkommenskultur“ bei der Ankunft zigtausender Flüchtlinge in Deutschland vor zwei Jahren. „Heute brauchen wir eine neue Sichtwiese, die von dem Menschen ausgeht, der gezwungen ist, zu fliehen“, erläuterte sie. „Der Flüchtling ist kein Problem, sondern er hat ein Problem.“

Menschen zu retten sei eine humanitäre Pflicht, sie aufzunehmen bedeute Bereicherung. Kalb kritisierte, dass die Flüchtlingsdebatte oft emotional und polemisch geführt werde. „Wir hier in Europa brauchen junge Leute, und von der Integration profitieren wir alle“, unterstrich die Vertreterin von Sant'Egidio. „Die Migranten sind Pioniere der Zukunft.“ Auch der Generaldirektor der Islamic Foundation in Bangladesch, Shamim Mohammad Afzal, rief die Religionen dazu auf, Flüchtlingen zu helfen.