Neuer Pfarrer von Bakum über Politik und die Zukunft der Gemeinden

Bernd Holtkamp warnt vor Verlust-Angst in der Kirche

Die zweite Frage hat Bernd Holtkamp noch genau im Ohr. Beim Kennenlerngespräch mit Pfarreirat und Kirchenausschuss wurde der neue Pfarrer gefragt, ob er Gottesdienste streichen wolle. Die Menschen in St. Johannes Bakum kannten ihren neuen Pastor ja noch nicht. Und der kannte die Gemeinde nicht, mit dem Hauptort und den drei kleineren Orten Vestrup, Lüsche und Carum.

„Ich bin selbst in so einem kleinen Ort groß geworden“, stellt Bernd Holtkamp im Gespräch klar, in Evenkamp bei Löningen. Aber in einer neuen Gemeinde gelte für den Pastor anderes: die Gemeinde, wie sie lebe und wer sie trage, zunächst einmal kennenlernen, in ihr heimisch werden. „Ich muss mir die Wirklichkeit hier erschließen und nicht einfach Gottesdienste streichen.“

Auch in Bakum keine großen Zahlen

Die Wirklichkeit heute. Denn Holtkamp hält grundsätzlich nichts davon, auf die Kirche von früher zu schauen. Eine Kirche, die mit großen Zahlen habe aufwarten können. Aber was helfe die Formulierung, nicht alles sei verloren? „Noch“ verzeichne man etwa viele Firmlinge oder viele besondere Gottesdienste?

Kopfschütteln. „Wir müssen auf die Wirklichkeit schauen.“ Und er berichtet von einem Besuch in Dresden bei Bischof Heinrich Timmerevers. Dort lernte er Gemeindeleben kennen, hörte auch von 70 Erwachsenentaufen im vergangenen Jahr. „Bewegend, wie die Menschen dort in ihrer Kirche das Jetzt gestalten, wie sie sich über die Wirklichkeit freuen – trotz aller kleinen Zahlen.“ Der Besuch in Dresden habe ihn sehr beeindruckt.

Dresden als Vorbild für Bakum?

Dresden als Vorbild für Bakum? Pfarrer Holtkamp lacht. Aber sagt dann ernst: „Wir können von den Christen im Bistum Dresden etwas lernen: Keine Angst haben, etwas zu verlieren – seien es nun Gottesdienste oder Strukturen.“ Christ zu sein, das gehe nun wirklich viel tiefer. Und Angst sei immer der falsche Ratgeber.

Holtkamp stellt sich mit diesem Selbstvertrauen und diesem Blick für die Wirklichkeit auch einer zweiten Aufgabe: Neben dem Amt als Pfarrer von Bakum arbeitet er künftig auch als Jugendseelsorger für das Oldenburger Land. Wie und wo er das tun wird, ist für Holtkamp noch nicht restlos geklärt. Nur eines steht fest: Präses der Verbandsjugend, des BDKJ, werde er nicht. Die beiden Aufgaben waren bisher automatisch verbunden.

Jugend muss politisch sein

Seelsorge für die Jugend – neben den Erfahrungen aus zehn Jahren Gemeindearbeit kennt Holtkamp die auch so: als Seelsorger der oldenburgischen Malteserjugend. Spannend fand er, wie dort über politische Themen gesprochen wurde. „Klarer Fall“, sagt Holtkamp: Als Hilfsorganisation seien die Malteser nicht parteipolitisch. „Aber sicher politisch“, betont er.

Ein katholischer Verband bekenne sich nämlich zu christlichen Werten, er habe die Aufgabe, auf dieser Grundlage das Gewissen der Mitglieder zu bilden. Dann könnten sie auch als Christen politisch sprechen.

Pfarrer bezieht politisch Position

Holtkamp selbst scheut nicht davor zurück, öffentlich Position zu beziehen in politischen Fragen – etwa bei der Diskussion um Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Unterlassene Hilfeleistung sei nach deutschem Recht eine Straftat, daran habe er in einer Predigt erinnert. Und gefragt, ob man Menschen jenseits der deutschen Grenzen einfach ertrinken lassen dürfe.

„Es war eine Frage in der Predigt, ob man Hilfe anordnen kann“, sagt Holtkamp. „Das kann man sicher nicht. Aber ich wollte zum Nachdenken über unser Handeln als Christen anregen. Deshalb war das sicher auch politische Verkündigung – nur eben nicht parteipolitisch.“