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Porträts zur Diskussion um Priesterinnen in der katholischen Kirche

Berufene Frauen – Anne-Marie Eising aus Laer

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Viel wird zurzeit darüber gesprochen, ob Frauen auch Diakoninnen und Priesterinnen werden können. Wenig ist von den Frauen selber zu lesen, die sich berufen fühlen - zu Priesterlichem, zu Priesterinnen, auch wenn das lehramtlich weiterhin ausgeschlossen wird. "Kirche-und-Leben.de" stellt einige Frauen vor. Zum Beispiel Anne-Marie Eising aus Laer.

„Berufung - das ist so ein großes Wort.“ Anne-Marie Eising wirkt nachdenklich, sucht nach Worten: „Im Grunde bin ich überzeugt, dass jeder Mensch dazu berufen ist, der Mensch zu werden, als der er oder sie von Gott gedacht ist. Jeder ist einzigartig, und diese Einzigartigkeit gilt es zu entdecken und zu leben. Berufung hat also für mich etwas mit Selbstwerdung und  Persönlichkeitsentfaltung zu tun“, sagt die Pastoralreferentin, die seit 2018 in der Gemeinde Heilige Brüder Ewaldi in Laer lebt und arbeitet.

Das möchte sie aber nicht im egoistischen Sinn verstanden wissen, ist ihr wichtig zu ergänzen: „Es geht eher darum, zu Aufgaben berufen zu sein, die dem jeweiligen Menschen entsprechen.“ Dazu passe für sie der Psalm 139 „Herr, du kennst mich, du weißt um mich.“

Auch aus dieser Überzeugung heraus hat sich Anne-Marie Eising vor einigen Jahren entschieden, ihren gelernten Beruf zu wechseln. Glaube war in ihrer Familie immer präsent, mit regelmäßigen Kirchgängen in ihrer Geburtsstadt Hamm, doch ohne direkte Berufsvorbilder. Fast 13 Jahre hat sie als Sozialversicherungsfachangestellte gearbeitet. Ein Suchen, ein Hauch von Zweifel begleitete sie von Anfang an. „Irgendwann habe ich mich gefragt: Möchtest du bis an dein Lebensende Krankengeld berechnen?‘“

 

„Ich wollte wissen, was ich glaube“

 

Hier geht es zum Blog „glauben probieren“ von Anne-Marie Eising.

Im Fernstudium an der Domschule Würzburg konnte sie ihren theologischen und spirituellen Wissensdurst vorerst stillen: „Ich wollte wissen, was ich glaube“, bringt sie ihre Motivation auf den Punkt. Geprägt hatte sie auch eine Veranstaltung auf dem Mainzer Katholikentag Ende der Neunzigerjahre. „Wir alle sind Berufene“ hieß es dort. Durch den Würzburger Fernkurs hatte sie auch das Institut für pastorale Dienst im Bistum Münster kennengelernt.

„Mein Ziel ist, Erwachsenenkatechese und Spiritualität in Verbindung zu bringen, also mit Erwachsenen gemeinsam zu erschließen, welche Bedeutung Glaube für ihr Leben haben kann“, fasst Anne-Marie Eising zusammen. Zu dieser Berufung kam sie vor allem über ihren Einsatz in der Pfarrei St. Otger in Stadtlohn, in der sie bis 2018 tätig war: „Dort habe ich regelmäßig die Erstkommunionvorbereitung geleitet, oft mit 200 Kindern und mehr. Das habe ich immer auch als Chance gesehen, Eltern und Katecheten anzubieten, sich mit ihrem Glauben auseinander zu setzen.“ Die Inhalte und Gespräche mit Suchenden hat sie zu Impulsen in ihrem Blog „Glauben - Probieren geht über Studieren“ verarbeitet. In kurzen Kapiteln geht sie Fragen über den Glauben im Alltag nach, der Sehnsucht nach Gott und wie Beten eigentlich geht.

 

Berufung hat mit Vollmachten zu tun

 

Pastoralreferentin, geistliche Begleiterin, Bloggerin – aber auch Priesterin? „Stimmig wird eine Berufung dann, wenn ein Mensch dazu auch den passenden Beruf findet, und ihm die nötigen Vollmachten übertragen werden, damit diese Berufung enfaltet werden kann“, ergänzt sie ihre Überlegungen.

„Insofern können die Strukturen der Kirche natürlich auch manchmal verhindern, dass Berufungen gelebt werden“, sagt sie und verweist dazu auf das gerade erschienene Buch von Schwester Philippa Rath, die Berufungsgeschichten von über 150 Frauen aus ganz Deutschland gesammelt hat. „Fast schon eine Pflichtlektüre“, findet Anne-Marie Eising.

 

"Das muss ich irgendwie aushalten"

 

Zu diesen Vollmachten gehöre zum Beispiel, die Sakramente zu spenden. Die meisten dieser Zeichen der Nähe Gottes sind an die Priesterweihe gebunden. Eising darf sie nicht spenden, trotz fundierter theologischer Ausbildung. Wie geht sie damit um? „Daran leide ich, das muss ich irgendwie aushalten. Wenn ich versuche, Menschen den Sinn der Eucharistie zu erschließen, dann sitze ich im Gottesdienst daneben und fühle mich innerlich zerrissen, wenn nichts von dem erfahrbar wird, wofür ich versucht habe zu werben.“ Sie erlebe viel zu selten eine Feier, die ihr selbst Quelle und Nahrung für ihren eigenen Glauben ist.

Gerade für die Menschen, die sie geistlich begleitet, ist ihr die Frage wichtig: „Wird im Gottesdienst ein Erfahrungsraum eröffnet, wo ich Gott begegnen kann? Kann dafür eine Atmosphäre entstehen, zum Beispiel durch Stille, sodass nichts zerredet wird?", fragt sie. „Das sind ja manchmal nur so Kleinigkeiten. Ich weiß nicht mal, ob ich es besser machen könnte, aber ich leide daran, dass mir die Hände gebunden sind.“

Pragmatischer gehe sie mit dem Predigtdienst um. „Da sehe ich nach 20 Jahren im Beruf manches anders als zu Beginn.“ Denn immer öfter predigen auch Laien, Männer wie Frauen, auch in der Messe. Aber an der richtigen Stelle, nämlich nach dem Evangelium, ist es ihnen nicht erlaubt. Darum hofft Anne-Marie Eising sehr, dass am Ende des Synodalen Weges Laien, und damit auch Frauen, offiziell die Vollmacht dazu übertragen wird.

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