LATEINAMERIKA

Solidarität: Kardinal aus Guatemala besucht zum neunten Mal Recklinghausen

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Seit Langem verbindet das nördliche Ruhrgebiet eine Partnerschaft mit dem Land. Wen Álvaro Ramazzini traf, wie die Zukunft der Verbindung aussieht.

Was macht eine echte Partnerschaft aus? Für Maria Voß und Jörg Schürmann von der Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Gruppen in Recklinghausen sowie Kardinal Álvaro Ramazzini aus Guatemala lautet die Antwort: Vertrauen, persönliche Begegnungen und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Seit mehr als 20 Jahren verbindet Voß und Ramazzini eine Freundschaft, die aus der Eine-Welt-Arbeit entstanden ist und bis heute trägt. Beim inzwischen neunten Besuch des Kardinals in Recklinghausen, zu dem auch ein Rundgang durch den „Garten der Religionen“ gehörte, wurde deutlich, warum solche Partnerschaften gerade in einer zunehmend von Eigeninteressen geprägten Welt wichtiger denn je sind.

Die ersten Begegnungen entstanden über das kirchliche Hilfswerk Adveniat. Aus den offiziellen Kontakten entwickelte sich jedoch weit mehr als eine Projektpartnerschaft: eine persönliche Freundschaft. Maria Voß reiste zweimal nach Guatemala und lernte dort die Lebensrealität der Menschen kennen. Eine weitere Brücke zwischen den Welten schlug Pastoralreferentin Rabea Kuhlmann. Dank eines Freiwilligen Sozialen Jahres 2016 in Mexiko spricht sie Spanisch und übersetzte die Gespräche mit dem Kardinal. So wurde eine direkte Begegnung ermöglicht, die vom persönlichen Austausch lebt.

„Für mich ist wichtig, voneinander zu lernen, zu begreifen, dass in anderen Teilen der Welt Menschen leben, die genauso sind wie wir – nur eben in einer anderen Lebensrealität. Und auch die christliche Botschaft hört nicht an den Grenzen auf, sondern der Glaube verbindet über Sprache und Kultur hinweg“, sagt Voß. „Ich habe viel mehr gelernt als wahrscheinlich unsere Partner.“

Mehr als finanzielle Hilfe

Dass die Beziehung weit über finanzielle Unterstützung hinausgeht, betonte auch Kardinal Ramazzini. Die Verbindung zwischen Recklinghausen und Guatemala sei weder von politischen noch von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Entscheidend seien der gemeinsame Glaube und die Freundschaft zwischen Menschen.

Gerade darin liegt für die Beteiligten die besondere Bedeutung einer Partnerschaft. Während internationale Beziehungen heute häufig von wirtschaftlichen oder strategischen Interessen bestimmt würden, stehe hier etwas anderes im Mittelpunkt: die Solidarität. Ramazzini beschrieb sie als „die gelebte Praxis der Liebe“, wie Jesus Christus sie vorgelebt habe. Partnerschaften wie diese machten sichtbar, dass Menschen weltweit miteinander verbunden seien. „Am Ende sind wir alle Schwestern und Brüder“, sagte er.

Schwierigere Rahmenbedingungen

Für die Arbeitsgemeinschaft der Eine-Welt-Gruppen ist dies seit Jahrzehnten Leitgedanke ihrer Arbeit. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. „Es wird immer schwieriger, Menschen für weltweite Solidarität zu begeistern“, berichtete Jörg Schürmann. Viele konzentrierten sich verständlicherweise zunächst auf die Herausforderungen im eigenen Land. Gleichzeitig sei es wichtig, den Blick über den Tellerrand nicht zu verlieren.

Eine besondere Herausforderung sehen Voß und Schürmann darin, junge Menschen für die Eine-Welt-Arbeit zu gewinnen. Kirchliche Strukturen, über die früher viele Jugendliche erreicht wurden, hätten deutlich an Bindungskraft verloren. Dennoch gebe es Hoffnung: Beim Gottesdienst am in der St.-Antonius-Kirche mit dem Kardinal erklärten sich drei junge Menschen bereit, aktiv mitzuwirken. Für die beiden Aktiven ein kleines, aber ermutigendes Zeichen.

Gegenseitiges Lernen

Anders als in Deutschland bilden Jugendliche in Guatemala die größte Gruppe innerhalb der katholischen Kirche, berichtete Ramazzini. Doch auch dort stehe die Kirche vor der Aufgabe, junge Menschen dafür zu gewinnen, ihren Glauben mit gesellschaftlichem Engagement und dem Einsatz für soziale Veränderungen zu verbinden.

Zum Abschluss formulierte der Kardinal einen Wunsch für die Menschen in Recklinghausen: Sie sollten sich das bewahren, was die Partnerschaft seit mehr als zwei Jahrzehnten trägt – Menschlichkeit und Solidarität. Unabhängig von Religion, Kultur oder Herkunft sei es die Aufgabe aller Menschen, füreinander einzustehen.

Der Besuch des Kardinals machte einmal mehr deutlich: Eine-Welt-Arbeit bedeutet nicht nur Hilfe für andere. Sie lebt vom gegenseitigen Lernen, vom Austausch auf Augenhöhe und von Freundschaften, die Grenzen überwinden. Oder, wie Maria Voß es formulierte: „Die Brücke weiter bestehen zu lassen.“

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