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Steinschlag an „St. Horten“ – Netze schützen jetzt Passanten

Betonstücke platzen von Fassade der Josefskirche in Cloppenburg

  • Die Betonwaben-Fassade der Cloppenburger St.-Josef-Jugendkirche bröckelt. Zur Sicherheit  wurden für 11.000 Euro Sicherheitsnetze gespannt.
  • Die Fassade ähnelt einer Kaufhausfassade. Vorbild beim Bau 1968 war aber eher die Berliner Gedächtniskirche. Damals galt Beton als Baustoff der Zukunft.
  • Der Betrieb kann weitergehen. Die Gemeinde lässt derzeit eine umfassende Sanierung prüfen. Niemand weiß bisher, wie teuer das wird.
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Insgesamt 11.220 graue Betonwaben haben der Cloppenburger Kirche einen ihrer Spitznamen verpasst: „St. Horten“. Weil ihr Äußeres den Fassaden der mittlerweile vom Markt verschwundenen Kaufhauskette sehr ähnlich sieht. Das 1968 fertiggestellte Gotteshaus aus Beton diente zunächst als Pfarrkirche der St.-Josef-Gemeinde. Mittlerweile ist es so umgebaut und modernisiert, dass es seit 2018 als Jugendkirche genutzt werden kann. Rund 350.000 Euro hat das gekostet. Und von innen ist die Kirche auch bestens in Schuss.

Die Außenhaut des Gebäudes jedoch macht den Verantwortlichen derzeit Sorgen. Denn von der Fassade platzen immer wieder Betonbrocken ab. Als Grund vermuten Experten: Wasser und Frost haben das Material korrodieren lassen. Bis vor kurzem reichten weiß-rote Absperrbänder um die Kirche als Sicherung aus. Nachdem jetzt faustgroße Brocken vor der Kirche gefunden wurden, hat die Pfarrei die betroffene West- und Südseite mit Netzen gesichert, provisorisch.

Kirche kann weiter genutzt werden

Rund 11.000 Euro habe die Netzbespannung gekostet, erklärte der Cloppenburger Kirchenausschuss-Vorsitzende Hermann Schröer auf Nachfrage von „kirche-und-leben.de“. Die Kirche könne damit auch weiterhin gefahrlos genutzt werden. Eine Dauerlösung solle das zwar nicht sein. Hermann Schröer rechnet aber damit, dass frühestens im Sommer dieses Jahres mit Sanierungsarbeiten an der Kirche begonnen werden kann.

Das Problem ist die Suche nach einer geeigneten Fachfirma. „Wir sind gerade dabei, ein Unternehmen zu finden, das sich traut, die Betonsanierung durchzuführen“, sagte Hermann Schröer. „Da gibt es nicht ganz so viele Firmen, die das können.“ Ein Architekt sei gerade dabei, ein Konzept dafür zu erarbeiten. „Das wird ja keine kleinere Sache.“ Auch finanziell nicht. Abschätzen ließen sich die Kosten aber noch nicht. Hermann Schröer: „Das wäre alles Spekulation.“

Vorbild: Gedächtniskirche

Neu ist das Problem nicht. Manfred Groneick hatte als Vorsitzender des Bauausschusses der Pfarrei bereits im August 2019 auf erhebliche Schäden durch Putzabplatzungen hingewiesen und dringenden Handlungsbedarf angemahnt: Strenge Winter und viel Nässe würden die Schäden noch verschärfen. Auch Groneick, der selbst Maurer gelernt und später Architektur studiert hat, geht davon aus, dass das Ganze ein aufwendiges und teures Unterfangen sein wird.

Die Außenhaut der Josefskirche erinnert an eine Kaufhausfassade, aber eigentlich hat sie ein anderes Vorbild: die Gedächtniskirche in Berlin. Auch die hat eine Betonwaben-Fassade. Und auch die Berliner hatten in den vergangenen Jahren mit Korrosion und Abplatzungen zu kämpfen. Hermann Schröer: „Vor 50 Jahren war die Korrosionsproblematik eben noch nicht so bekannt.“

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