Pfarrer Gregor Kauling verliest Schreiben in Kevelaer / Bistum Münster räumt Versäumnisse ein

Betroffene berichtet in Brief von sexuellem Missbrauch

In einem persönlich an Gregor Kauling, den leitenden Pfarrer von St. Marien Kevelaer, gerichteten Brief berichtet eine Frau davon, dass sie Mitte der 1980er-Jahre als Kind von einem heute noch lebenden, damals dort tätigen Kaplan G.H. über einen längeren  Zeitraum sexuell missbraucht worden ist. Das meldet die Bischöfliche Pressestelle im Bistum Münster. Die Missbrauchs-Handlungen hätten im Rahmen der Beichte stattgefunden, heißt es. Der Brief wurde in Absprache mit der Betroffenen am 2. und 3. November von Pfarrer Kauling in Gottesdiensten der Pfarrei St. Marien verlesen. 

Wie die Pressestelle mitteilt, sei der Vorgang dem Bistum Münster seit 2010 bekannt gewesen. Die betroffene Frau habe damals jedoch ausdrücklich verlangt, dass der Sachverhalt nicht öffentlich gemacht werde und auch, dass die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet werden dürfe. Das Bistum habe den Sachverhalt nach Rom an die Glaubenskongregation gemeldet. Nach Abschluss der dortigen Prüfungen seien dem Geistlichen in einem Dekret seelsorgliche und priesterliche Tätigkeiten nur in einem vom Bistum zugewiesenen Bereich gestattet worden.

Trotz Auflagen weiterhin Gottesdienste gefeiert

Die Betroffene habe sich dann Ende 2016/Anfang 2017 erneut beim Bistum gemeldet, weil der Geistliche – trotz entsprechender Auflagen – weiterhin öffentlich Gottesdienste feierte. Im Anschluss an diesen Hinweis habe der Bischof von Münster, Felix Genn, den Geistlichen schriftlich darauf hingewiesen, dass eine Zelebration nur eine Ausnahme sein dürfe und ihm nur erlaubt sei, wenn nicht mit einer großen Öffentlichkeit zu rechnen sei.

Pfarrer Kauling wurde dem Bericht der Pressestelle zufolge an Weihnachten 2018 von der betroffenen Frau über den erlittenen sexuellen Missbrauch in Kenntnis gesetzt. Im Laufe des Jahres 2019 habe die Betroffene verschiedene Gespräche geführt, unter anderem mit Pfarrer Kauling und mit Peter Frings, dem Interventionsbeauftragten des Bistums Münster.

Schritt in die Öffentlichkeit

Im Anschluss an eine Beratung durch eine Rechtsanwältin und in Absprache mit dieser habe die Betroffene nun den Schritt in die Öffentlichkeit gemacht, schreibt die Pressestelle: "Es geht ihr vor allem darum, durch diesen Schritt mit dazu beizutragen, dass sich möglicherweise weitere Betroffene melden. Auch möchte sie deutlich machen, dass auch Frauen Opfer sexueller Übergriffe/Misshandlungen in der Kirche waren."

Das Bistum Münster räume ein, "dass man es nach den ersten Hinweisen auf öffentliche Zelebration durch den Geistlichen versäumt hat, diesen mit der entsprechenden Konsequenz nachzugehen". Mittlerweile sei dem Priester vollständig untersagt worden, in der Öffentlichkeit Gottesdienste zu feiern. Bischof Genn habe gegenüber der Frau in einem persönlichen Schreiben bedauert, dass die seitens des Bistums ausgesprochenen Auflagen nicht konsequent eingehalten wurden.

Bisher keine weiteren Hinweise Betroffener

Der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, betont, dass man den Aussagen der Betroffenen, die auch durch entsprechende Hinweise in der ‚Missbrauchsakte‘ des Geistlichen bestätigt würden, glaubt. Außer dem nun öffentlich gewordenen Fall seien dem Bistum bisher keine weiteren Hinweise oder Meldungen bekannt. Frings bittet darum, dass sich möglicherweise andere Betroffene bei den Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs melden: Bernadette Böcker-Kock: 0151-63404738; Bardo Schaffner: 0151-43816695.

Gespräch über Missbrauch am 6. November in Kevelaer

Die Pfarrei St. Marien Kevelaer lädt zu einem Gesprächsabend ein, bei dem es um das Thema des sexuellen Missbrauchs und des Umgangs damit gehen soll. Dieser findet statt am Mittwoch, 6. November, um 19.30 Uhr im Petrus-Canisius-Haus Kevelaer, Luxemburger Platz 1. Gesprächsteilnehmer werden unter anderem sein: Pfarrer Gregor Kauling, Bernadette Baldeau, Präventionsfachkraft der Pfarrei St. Marien, und Peter Frings, Interventionsbeauftragter im Bistum Münster.

Pfarrer G.H., dessen Namen die Pressestelle abgekürzt veröffentlicht, war an folgenden Orten in folgenden Funktionen tätig: 1977 Aushilfe in Selm (Bork) St. Stephanus; 1977 Kaplan in Damme St. Viktor; 1981 Kaplan in Kevelaer Basilika St. Marien; 1988 Pfarrer in Lippstadt (Bad Waldliesborn) St. Josef; 1994 Leiter des Pfarrverbandes Wadersloh; 1998 erneut Leiter des Pfarrverbandes Wadersloh; 2001 Dechant im Dekanat Beckum; 2004 zusätzlich Pfarrverwalter in Langenberg (Benteler) St. Antonius; 2005 zusätzlich Pfarrverwalter in Wadersloh (Liesborn) Ss. Cosmas und Damianus; 2007 erneut Dechant im Dekanat Beckum; 2010 emeritierter Pfarrer in Wadersloh (Bad Waldliesborn) St. Josef.