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Evangelischer Pfarrer war Täter in ihrem Fall - er wurde nur versetzt

Betroffene Kerstin Claus neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung

  • Kerstin Claus (52), selbst Missbrauchs-Betroffene, ist neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung.
  • Am Mittwoch stimmte diese der Ernennung zu.
  • Claus folgt auf Johannes-Wilhelm Rörig, der sein Amt Ende Februar niedergelegt hatte.
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Kerstin Claus (52), selbst Missbrauchs-Betroffene, ist neue Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung. Am Mittwoch stimmte diese der Ernennung zu. Claus folgt auf Johannes-Wilhelm Rörig, der sein Amt Ende Februar niedergelegt hatte.

Claus hatte als Journalistin ihren eigenen Missbrauchsfall öffentlich gemacht; der Täter, ein evangelischer Pfarrer, wurde nicht strafrechtlich verfolgt, sondern lediglich versetzt. Die 52-Jährige war in den vergangenen Jahren auch Mitglied im Betroffenenrat, der den Missbrauchsbeauftragten berät. Sie tritt ihr Amt am 1. April an.

Claus sprach als erste Betroffene auf einer EKD-Synode

Die Bundesregierung richtete das Amt eines Missbrauchsbeauftragten nach dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle unter anderem in den Kirchen im Jahr 2010 ein. Erste Beauftragte war die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), die sich weiter in der bundesweit tätigen Aufarbeitungskommission gegen Missbrauch engagiert. Ab 2011 hatte Rörig das Amt inne, der als politischer Beamter in das Familienministerium zurückkehrt. Rörig initiierte die unabhängige Aufarbeitungskommission und richtete den Betroffenenrat ein.

Claus hatte 2018 als erste Betroffene bei einer Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland gesprochen und die Kirche zu mehr Aufarbeitung und Hinwendung zu den Opfern aufgefordert. Die neue Beauftragte ist Mitglied der Grünen und kandidierte bei der vergangenen Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, verpasste aber den Einzug in den Landtag.

Claus: Keine lohnendere Arbeit vorstellbar als ihr neues Amt

Claus sagte, sie könne sich mit Blick auf den Kampf gegen sexualisierte Gewalt "keine bessere, keine wichtigere und keine lohnendere Arbeit" vorstellen. Ihre Aufgabe sei es, den Verantwortlichen "immer wieder vor Augen zu führen, was getan werden kann, was verbessert werden muss". Sexualisierte Gewalt sei in der Gesellschaft "fest verankert". Das müsse politisch und gesellschaftlich wahrgenommen werden.

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) bezeichnete Claus als "Kämpferin und wichtige Verbündete" im Kampf gegen Missbrauch. Sie betonte, zusammen mit Claus noch in diesem Jahr eine Informations- und Sensibilisierungskampagne starten zu wollen.

Auch der Betroffenenrat begrüßte die Neubesetzung. "Wir alle kennen Kerstin Claus als leidenschaftliche Mitstreiterin - immer parteiisch für die Bedürfnisse und Belange von Betroffenen", so das Gremium. Mit dieser Entscheidung würden die jahrelange Arbeit von Betroffenen sowie ihre vielfältigen Kompetenzen noch sichtbarer.

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