Fünfeinhalbjähriger Umbau für 1500 Exponate

Bibelmuseum in Münster eröffnet nach langer Renovierungszeit

Das Bibelmuseum an der Pferdegasse in Münster wird am 13. Dezember nach fünfeinhalb Jahren Renovierungsarbeit wieder eröffnet. Der Umbau war notwendig geworden, da durch die Schenkung eines Privatsammlers zusätzlich 650 altsprachliche Exponate ihren Platz finden sollten. Die Räume des Museums mussten zudem neuen Techniken in der Konservierung als auch modernen Präsentationsmöglichkeiten angepasst werden.

Die lange Umbauphase war vor allem durch bautechnische Probleme entstanden. Zudem habe es mit der neuen Klimaanlage Probleme gegeben, sagt der Direktor des Museums, Professor Holger Strutwolf. „Die Schwierigkeit war, in den Vitrinen gleichmäßige Luftfeuchtigkeit und Temperatur ohne Luft-Verwirbelungen zu erzeugen.“ Jetzt aber seien die beiden drei Meter hohen und 13 Meter langen Ausstellungsflächen hinter Glas optimal auf die kunsthistorisch oft wertvollen Exponate eingestellt.

Aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus

Zu sehen sind 1500 Bibeln, Handschriften und Schriftfragmente, die bis in das zweite Jahrtausend vor Christus zurückgehen. Darunter eine Vielzahl von herausragenden Stücken, wie der Kustos der Ausstellung, Jan Graefe, sagt: „Da fällt es mir schwer, einzelne Exponate hervorzuheben.“ Immerhin ist ein Stein des Turms zu Babel mit einer Inschrift des damaligen Königs von Babylon Nebukadnezar aus dem 6. Jahrhundert vor Christus zu bestaunen.

Auch eine Lutherbibel aus dem Jahr 1546 mit einer persönlichen Widmung, die er kurz vor seinem Tod schrieb, und ein Buch des Reformators mit seinen 95 Thesen aus dem Jahr 1517 gehören dazu. Zu sehen sind Schriften aus den unterschiedlichen Materialien der einzelnen Epoche, etwa auf Ton, Papyrus und Pergament. 103 von ihnen werden aufgeschlagen präsentiert, der Rest ist wie in einer Bibliothek aufgereiht. Sie sollen der wissenschaftlichen Arbeit des benachbarten Instituts für Neutestamentliche Textforschung der Westfälischen Wilhelms-Universität zur Verfügung stehen.

Digitale Präsentation

Neu sind zudem die Möglichkeiten, sich mit einem Tablet durch die Ausstellung führen zu lassen oder Erklärungen über eine digitale Brille zu erhalten. Die Ausstellung soll immer wieder neue thematische Schwerpunkte setzen, etwa zu katholische Hochfesten. Dann werden zum Beispiel an Ostern die passenden Textstellen aufgeschlagen oder entsprechende Illustrationen gezeigt. Auch Kooperationen mit münsterschen Schulen sind geplant.

Am Tag der Wiedereröffnung erwarten die Verantwortlichen einen Ansturm von Besuchern, auch weil das Museum so lange geschlossen war. Von 19.30 Uhr bis 22 Uhr werden dann Kurzführungen angeboten. Auf einer nachgebauten Druckpresse aus der Zeit Gutenbergs besteht zudem die Möglichkeit, sich einen Bibelvers verewigen zu lassen.