Beginn der Vollversammlung am 11. März

Bischöfe beraten in Lingen über Themen Missbrauch und Frauen

Die katholischen deutschen Bischöfe kommen vom 11. bis 14. März zu ihrer Frühjahrsvollversammlung im niedersächsischen Lingen zusammen. Dabei befassen sie sich wie schon im Herbst mit der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche - auch mit Blick auf den Anti-Missbrauchsgipfel im Februar im Vatikan. Bei einem Studientag unter der Überschrift „Die Frage nach der Zäsur“ geht es um aktuelle übergreifende Fragen, die auch klassische Streitthemen wie den Umgang mit Macht, den Zölibat oder die kathlische Sexualmoral betreffen. Zudem wollen sich die Bischöfe zum Thema Frauen in kirchlichen Leitungspositionen äußern.

Die derzeit 67 Konferenzmitglieder sind Gäste des Bistums Osnabrück, das seit 1995 von Bischof Franz-Josef Bode (68) geleitet wird. Er ist auch stellvertretender Konferenz-Vorsitzender; Vorsitzender ist der Münchner Kardinal Reinhard Marx.

Keine Vertuschung mehr: Aktenführung soll weiter verbessert werden

Zwei ganz unterschiedliche Hausaufgaben stehen an: Die eine betrifft Verbesserungen bei Bekämpfung und Prävention, die andere wird unter dem Schlagwort „Auseinandersetzung mit den systemischen Ursachen des Missbrauchs“ zusammengefasst. Dazu zählen Begegnungen mit Betroffenen, die Aufarbeitung der Fälle mit externen Fachleuten und eine neue Herangehensweise an das Thema „Entschädigungszahlungen“, deren bisherige Höhe von generell 5.000 Euro von manchen Betroffenen als schierer Hohn aufgefasst wird. Aber auch so Unspektakuläres wie die „Verbesserung der kirchlichen Personalaktenführung gemäß dem Standard staatlicher Stellen“ und ein „überdiözesanes Monitoring für die Bereiche Prävention und Intervention“ gehört dazu.

Diese Aufgaben, für die sich vor allem der Trierer Bischof Stephan Ackermann stark macht, sind undankbar, weil sie in der medialen Wahrnehmung häufig durchs Raster fallen. Die aber immer dann, wenn sie nicht funktionieren, zu großen Skandalen führen - etwa, wenn Akten verschwinden, eben weil die Aktenführung schlampig ist.

Weiteres Thema Zölibat

Mehr Beifall in den Medien bekommen jene, die sich „systemischen Fragen“ widmen. Dazu zählen laut Bischofskonferenz „die für die katholische Kirche spezifischen Herausforderungen wie die Fragen nach der zölibatären Lebensform der Priester und nach verschiedenen Aspekten der katholischen Sexualmoral“. Daraus ist in der Öffentlichkeit längst die Forderung nach einer „Abschaffung des Pflichtzölibats“ und einer liberalen Sexualmoral geworden.


Vorsitzender der Konferenz ist Kardinal Reinhard Marx (links). | Archiv-Foto: Michael Bönte

Europas größte Boulevardzeitung unterstrich dies in der vergangenen Woche mit einem „Thesenanschlag“ an die Adresse des Papstes. Von den 12 Thesen der „Bild-Zeitung“ liefen vier darauf hinaus, dass sich die katholische Kirche endlich der evangelischen anpassen müsse - etwa durch eine Abschaffung des Zölibats und der Glaubenskongregation oder die Demokratisierung der Kirche.

Lautes Nachdenken über Frauenpriestertum

Ein solcher Vorstoß eines Massenmediums wäre noch vor wenigen Jahren in Deutschland undenkbar gewesen. Auch im Inneren der Bischofskonferenz hat sich das Diskussionsklima verändert. Immer mehr Bischöfe denken laut über Veränderungen beim Zölibat, in der Sexualmoral und beim Frauenpriestertum nach. Zu den treibenden Kräften zählen der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode und sein Hildesheimer Nachbar Heiner Wilmer. Aber auch die Bischöfe von Magdeburg, Limburg und Essen sowie mit Abstrichen die von Berlin, Mainz, Münster und Freiburg haben sich in den turbulenten Debatten der vergangenen Monate als Reformer positioniert.

Mittlerweile scheint knapp die Hälfte der deutschen Diözesanbischöfe dafür offen, über Veränderungen zu debattieren, die noch vor wenigen Jahren nur eine kleine Minderheit für diskussionswürdig gehalten hätte. Ihnen gegenüber stehen jene, die davor warnen, die „Kirche neu zu erfinden“ und an den Auftrag zur Weitergabe der überlieferten Lehre erinnern. Sie scharen sich um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Die unentschiedene Mitte scheint hingegen kleiner zu werden.

Marx: Rolle als Moderator

Für den Münchner Kardinal Reinhard Marx als Konferenz-Vorsitzenden ergibt sich eine neue Rolle. Sah er sich bis vor kurzem oft in der Rolle des „Motors“, der eine wenig reformwillige Konferenz voranzubringen versuchte, kommt ihm nun eher die Rolle des „Moderators“ zu, der zwischen einem ungestümen Reformflügel und einer konservativen Richtung vermittelt.