Das Thema Reformen prägt die Predigten zum Jahreswechsel

Bischöfe schauen zu Silvester auf anstehenden Synodalen Weg

Die meisten katholischen Bischöfe haben zum Silvestertag die Reformdebatte zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland in den Blick genommen.

Kardinal Marx: Alte Schablonen beiseitelassen!

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, hat ein neues Denken in Kirche und Gesellschaft gefordert. Dazu müssten „alte Schablonen und Besitzstanddenken“ beiseitegelassen werden, sagte er Kardinal in seiner Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. „Wenn die Kirche, wenn Europa und die ganze Welt im neuen Jahr einen Weg gehen wollen, dann nicht in einer Verteidigungshaltung, sondern in der Zuversicht, dass Gott uns neue Möglichkeiten erschließt - ohne Angst, ohne Enge, sondern mit großem Mut und mit großer Lust, Neues zu denken.“

Bischof Overbeck: Verschiedene Standpunkte aushalten!

So rief Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck zu einer breiten Beteiligung am Synodalen Weg auf. Auch wenn sich manche eine schnellere Debatte wünschten, gelte es in der „Zeitenwende“ beieinander zu bleiben und verschiedene Standpunkte auszuhalten, so der Bischof in seiner Neujahrsbotschaft.

Kardinal Woelki: Warnung vor Alleingang und "sogenannten Reformen"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat von einem Alleingang der katholischen Kirche in Deutschland bei der angekündigten Reformdebatte abgeraten. Die Kirche in Deutschland wolle sich „auf einen sogenannten Synodalen Weg begeben und dabei auch sogenannte Reformen anstoßen“, sagte er am Silvesterabend im Kölner Dom. Mancher erhoffe sich dabei „einen Bruch mit der bisher gültigen Lehre und dem Glauben der Kirche“. Papst Franziskus aber habe deutlich gemacht, „dass wir niemals als einzelner Christ, als einzeln Isolierte oder gar als Nationalkirche voranschreiten können, sondern immer nur in Gemeinschaft der weltweiten Kirche“, sagte der Kardinal. Dabei stünden für ihn im Zentrum nicht „irgendwelche kirchenpolitischen Fragen“, sondern einzig der Primat der Evangelisierung. Alles kirchliche Handeln könne für ihn nur unter diesem Aspekt gesehen werden.

Bischof Kohlgraf: Keine Schwarzmalerei!

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf warnte vor Schwarzmalerei. „Ja, die Kirche verändert sich, und es ist nicht leicht zu akzeptieren, dass wir nicht wissen, welche Form am Ende steht“, sagte Kohlgraf. Wer nach den Zeichen der Zeit frage, sei „kein Opportunist“ und hechele nicht dem Zeitgeist hinterher, betonte er.

Bischof Genn: Reformen ein Chance geben!

Münsters Bischof Felix Genn appellierte an die Gläubigen, der Reformdebatte der Kirche eine echte Chance zu geben. Für den Synodalen Weg brauche es zwei Grundhaltungen - die des Hörens und die der Unterscheidung. Der Augsburger Diözesanadministrator Bertram Meier nannte den Synodalen Weg - trotz aller kritischen Anfragen - alternativlos.

Erzbischof Heße: Veränderungen aktiv mitgestalten!

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße plädierte dafür, Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Kirche aktiv mitzugestalten. Als Beispiele nannte er Globalisierung, Digitalisierung, die weltweite Migration sowie Reformprozesse innerhalb der Kirche. Papst Franziskus etwa ermuntere die Gläubigen immer wieder dazu, Prozesse in Gang zu setzen. „Unsere Kirche ist zuallererst eine Bewegung, keine Institution.“

Bischof Gerber: Kritisch überprüfen!

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber mahnte, keine Macher-Mentalität an den Tag zu legen. „Nicht wir machen Kirche“, betonte er. Vielmehr müsse man sich als Kirche dem Wirken Gottes „zur Verfügung“ stellen. Das habe nichts mit Rückzug in die Passivität zu tun. Bei den anstehenden Prozessen, ob auf Bistumsebene oder beim Reformdialog des Synodalen Weges, werde eine entscheidende Frage sein: „In welcher Haltung bin ich unterwegs? Etwa in der des 'Machers', der eine politische Mehrheit für eine bestimmte Option sucht und geschickt für das eigene Anliegen wirbt?“ Oder als Anwalt einer Haltung, die danach frage, welchen Weg Gott mit der Kirche gehen wolle, so Gerber. Diese kritische Überprüfung sei eine „Hilfe vor der Selbstüberforderung, die mit einer bloßen Mach-Mentalität einhergeht“.

Bischof Neymeyr: Hoffnungen und Befürchtungen!

Die Zukunft der katholischen Kirche ist nach Worten von Bischof Ulrich Neymeyr ungewiss. Ein engagierter Thüringer Katholik habe ihm vor kurzem gesagt, „das derzeitige Verhalten der Bischöfe erinnere ihn an das Verhalten des Politbüros in den letzten Monaten der DDR“, berichtete der Erfurter Bischof. An den beginnenden bundesweiten katholischen Reformprozess knüpften sich „große Hoffnungen, aber auch große Befürchtungen“.

Bischof Bätzing: Anliegen der Frauen ernst nehmen!

Der Limburger Bischof Georg Bätzing äußerte sich zudem kritisch dazu, dass Frauen in der katholischen Kirche von Weiheämtern ausgeschlossen sind. Er müsse „als Bischof ernst nehmen, dass der Ausschluss der Frauen von Weiheämtern als grundlegend ungerecht und unangemessen wahrgenommen wird in einer gesellschaftlichen Umgebung, die Frauen und Männer lange schon in ihren Rechten gleichstellt“, sagte Bätzing.

Bischof Bode: Zurück zu den Ursprüngen!

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode wünscht sich eine Umkehr der katholischen Kirche in Deutschland zurück zu den Ursprüngen. Dabei könne er sich auch eine stärkere Beteiligung von Frauen und Priester mit Familie vorstellen. Die Kirche müsse wieder stärker dorthin gehen, wo die Menschen leben, lieben und leiden.

Bischof Ackermann: Wucht trifft jeden engagierten Christen

Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Stephan Ackermann sieht die katholische Kirche in einem grundlegenden Umbruch. Die „Umbruchsituation“ treffe „mit spürbarer Wucht jeden engagierten Katholiken in seinem alltäglichen Kirchenerleben“. Die Kirche sei stärker zu einer „Freiwilligkeitsgemeinschaft“ geworden, die auf „die Initiative ihrer einzelnen Glieder angewiesen“ sei.

Erzbischof Burger: Auf Gottes-Beziehung besinnen!

Laut dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger sollten sich die Menschen zur Lösung von Problemen in Kirche, Umwelt und Gesellschaft stärker auf die Beziehung zu Gott besinnen: Die „Unordnung der Schöpfung“ zeige sich in „der Gottvergessenheit, in der Gottferne, im Gewähren lassen des Bösen, in der Zustimmung zum Bösen“.

Bischof Dieser: Sprengstoff für Gesellschaft

Nach Worten des Aachener Bischofs Helmut Dieser fühlten sich viele Menschen derzeit übersehen und übergangen. „Darin liegt Sprengstoff für eine Gesellschaft.“ Er rief dazu auf, gemeinsam die Zukunft zu gestalten und dabei niemanden auszugrenzen.

Erzbischof Schick: Welt ist gewaltbelastet

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick erinnert unterdessen zu Silvester daran, dass Frieden nicht vom Himmel falle. Er werde geschenkt und sei eine Gnade, die auf der Erde immer wieder neu ausgebreitet und bewahrt werden müsse. Die Welt sei indes gewaltbelastet. „Weltweit nehmen Kriege und Bürgerkriege zu, besonders das Gewaltpotenzial von islamistischen Gruppen“, so der Erzbischof. Menschenleben spielten dabei oft keine Rolle mehr.

Erzbischof Koch: Silvester in Dankbarkeit feiern!

Berlins Erzbischof Heiner Koch forderte dazu auf, Silvester als Nacht der Dankbarkeit zu feiern. „Gerade im Rückblick erkennt der Mensch, dass er vieles, was geschehen ist, nicht erklären kann, dass das Leben erstaunlich bleibt.“ Der Mensch habe sein Leben nicht gemacht, er verdanke es „seinen Eltern und immer wieder so vielen Menschen, die ihn aufrichten, begleiten und stärken“.

UPDATE 01.01.2020, 15:30: Statements Kardinal Marx, Kardinal Woelki