Genn: Absage wegen Missbrauchsdebatte würde Chance nehmen

Bischöfe setzen große Hoffnungen in Jugendsynode im Vatikan

Die katholischen Bischöfe in Deutschland setzen große Hoffnung in die Synode in Rom zum Thema Jugend und Berufung. Sie lehnten am Mittwoch in Fulda Forderungen ab, das kommende Woche beginnende Treffen wegen der Missbrauchskrise abzusagen.

Der katholische Jugendbischof Stefan Oster betonte, er sehe deutliche Überschneidungen zwischen der Missbrauchsdebatte und den Themen der Jugendsynode. Dazu gehöre etwa die kritische Anfrage an die Kirche, ob sie gegenüber jungen Menschen noch sprachfähig sei - „etwa wenn es um für Jugendliche so wichtige Fragen der Sexualität, Homosexualität und Partnerschaft geht“. Hier neigten viele Bischöfe seit Jahrzehnten dazu, von oben herab zu reden, räumte Oster selbstkritisch ein.

Oster: Jugendliche suchen glaubwürdige Kirche

Die Jugendlichen signalisierten ihm außerdem immer wieder, dass sie „auf der Suche nach einer glaubwürdigen und authentischen Kirche sind, die im Leben steht, an die Ränder geht – und die auch Frauen mehr Raum gibt“, sagte der Passauer Bischof. Diese Themen seien mitentscheidend dafür, ob es die Kirche schaffe, das infolge der Missbrauchsfälle verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

Oster betonte: „Es gibt keine bessere Gelegenheit, als jetzt das Thema Missbrauch auch dort anzusprechen, wo es ja gerade um die jungen Menschen in der Kirche geht“. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Bischöfe aus aller Welt gefordert, die Jugendsynode abzusagen.

Genn: Thema Missbrauch bei Synode offen diskutieren

Auch aus der Sicht von Münsters Bischof Felix Genn kann die Synode die Gelegenheit bieten, das Thema Missbrauch an einer entscheidenden Stelle der Weltkirche offen zu diskutieren. Eine Absage würde diese Chance zunichte machen. Der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe ergänzte, seine zahlreichen Gespräche mit jungen Menschen hätten ihm gezeigt, wie groß bei vielen die Hoffnung sei, dass wichtige und auch strittige Themen offen diskutiert werden.

Oster, Genn und Wübbe nehmen als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz an der Jugendsynode vom 3. bis 28. Oktober im Vatikan teil. Außerdem ist der Konferenz-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, als von Papst Franziskus direkt berufener Teilnehmer dabei. Das Weltbischofstreffen steht unter dem Motto „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“.

Genn: Berufung auch für Ehe und Familie

Genn sagte, in Deutschland müsse der Begriff der Berufung neu gedacht werden. Auch die Begleitung junger Menschen auf dem Weg ihrer Berufung müsse sich ändern. Berufung dürfe dabei nicht verengt werden auf die „Rekrutierung“ neuer Geistlicher, sie betreffe auch die Entscheidung für ein Leben in Ehe und Familie, betonte der Münsteraner Bischof.

Wübbe erklärte, noch nie zuvor seien in den Vorbereitungsprozess einer katholischen Bischofssynode die Stimmen so vieler junger Menschen eingeflossen. Er erinnerte daran, dass der Vatikan einen Online-Fragebogen verschickt hatte und dass es ein Jugend-Hearing in Deutschland im Juli 2017 und eines in Rom im September 2017 gab. Auch an der römischen Vorsynode im März 2018 seien junge Menschen beteiligt gewesen. Bei der Synode selbst könnten sie sich unter anderem mit eigenen Beiträgen in den Arbeitsgruppen einbringen.