Sozialer Wohnungsbau, Rentensystem, Wiedereingliederung von Arbeitslosen

Bischöfe und Hilfswerke fordern mehr Einsatz gegen Armut

Zum „Welttag der Armen“ fordern katholische Hilfswerke und die deutschen Bischöfe mehr Einsatz gegen Armut und für Bildung und Gerechtigkeit in aller Welt. „Die weltweite Armut bleibt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, erklärte Wolfgang Huber, Präsident von „Missio“ München und aktueller Sprecher des Zusammenschlusses der Hilfswerke „Misereor“, „Adveniat“, „Renovabis“, „Missio“ Aachen und München, „Caritas international“ und „Kindermissionswerk Die Sternsinger“ (MARMICK), am Mittwoch. Zwar sinkes die Zahl der Armen weltweit, zugleich steige jedoch die Zahl derer, die an Hunger litten.

Die deutschen katholischen Bischöfe rufen zu mehr Begegnungen mit Menschen am Rand auf. „Das kann ganz konkret die Mithilfe in einer Suppenküche, einer Bahnhofsmission oder Notunterkunft sein“, sagte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sinnvoll sei auch „der Besuch von Menschen in der Nachbarschaft und Umgebung, die weniger haben als wir, die allein sind oder Hilfe in ihrem Alltag benötigen“.

Burger ruft Politik zum Kampf gegen Armut auf

Die Botschaft von Papst Franziskus zum „Welttag der Armen“ lesen Sie auf der Seite der Deutschen Bischofskonferenz.

Burger leitet in der Bischofskonferenz sowohl die Kommission für caritative Fragen und Caritas als auch die Unterkommission für Entwicklungsfragen und das weltgrößte katholische Entwicklungshilfswerk „Misereor“. Am 18. November begeht die katholische Kirche weltweit zum zweiten Mal den „Welttag der Armen“, den Papst Franziskus ausgerufen hat.

Erzbischof Burger rief die Politik zugleich zum entschiedeneren Kampf gegen Armut in aller Welt auf. Viel mehr als bisher müssten dabei „die konkreten Menschen gesehen werden und nicht Armut abstrakt als zu behebendes Problem.“ Er wünsche sich, „dass der Mensch wieder mehr in den Fokus gerät und nicht Statistiken, Zahlen, Ober- und Untergrenzen die Debatten über Armut beherrschen“.

Bischof fordert Konzepte für Zukunft des Rentensystems

Um Armut wirksam bekämpfen zu können, müsse zunächst alles getan werden, um Kriege zu beenden, ergänzte Burger. Ähnlich wichtig sei der Einsatz für fairen Handel, Umwelt- und Klimaschutz: „Solange wir die Ausbeutung der Erde in anderen Teilen der Welt zu Hungerlöhnen akzeptieren, um selbst Fleisch und Obst besonders billig kaufen zu können, wird weiterhin Ungleichheit produziert, die Natur und damit Lebensraum zerstört und Armut von Menschen manifestiert.“

In Deutschland muss es aus Burgers Sicht mehr sozialen Wohnungsbau geben sowie tragfähige Konzepte für die Zukunft des Rentensystems. Zudem brauche es bessere Angebote, um arbeitslose Menschen wieder in die Arbeitswelt zu integrieren.

Weltweit jeder Zehnte in extremer Armut

Huber verwies darauf, dass immer noch jeder zehnte Mensch auf der Welt in extremer Armut ums Überleben kämpfen müsse. Hauptursachen seien fehlende Bildungschancen, eine ungerechte Verteilung von Landbesitz und Lebensmitteln sowie Korruption. Lokale Akteure und auch die kirchlichen Strukturen vor Ort müssten noch stärker einbezogen werden, um die Armut wirksam und zielgenau bekämpfen zu können.