Offene Debatte um priesterliches Leben beim Synodalen Weg

Bischof Bode: Priester sollen Zölibat frei wählen

Die Synodalversammlung der katholischen Kirche hat sich am Samstagvormittag mit der Frage der priesterlichen Lebensform befasst. Das Thema ist neben Macht, Sexualmoral und Frauen eines von vieren, die im Mittelpunkt des Dialogprozesses stehen. Ein zentrales Thema war dabei der Zölibat für Priester und damit verbundene Schwierigkeiten.

Ausgangspunkt waren Überlegungen einer Arbeitsgruppe, die der Münsteraner Bischof Felix Genn und Stephan Buttgereit geleitet hatten. Die Gruppe hatte unter anderem eine Auseinandersetzung mit der Frage der Einsamkeit von Priestern angeregt. Ferner warf sie die Frage auf, ob es neben unverheirateten auch verheiratete Priester geben könne.

Zuschriften: Nur knappe Mehrheit für verheiratete Priester

Weiter wurden Ergebnisse der mehr als 5.000 Eingaben vorgetragen, die Katholiken aus ganz Deutschland in den vergangenen Wochen an den Synodalen Weg gemailt hatten. Nur eine knappe Mehrheit der Zuschriften hatte die Zulassung verheirateter Priester gefordert. Sehr viele Katholiken hatten betont, dass sie Priester vermissen, die als Seelsorger erfahrbar seien und sich nicht in Verwaltungsaufgaben und Gremienarbeit aufreiben sollten. Die Themen sexueller Missbrauch und Frauenordination kamen in den Zuschriften nur sehr selten vor.

In der anschließenden Debatte nannte der Erfurter Theologieprofessor Eberhard Tiefensee die oft krisenhafte priesterliche Existenz eine „schwärende Wunde“, die sehr genau angeschaut werden müsse, um zu einer Heilung zu kommen. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sprach sich dafür aus, künftig den Priestern freizustellen, ob sie ein zölibatäres Leben führen wollten oder nicht.

Neher: Priester, die nicht homosexuell sind und keine Affäre haben, gelten als sonderbar

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Peter Neher, sprach über die gesellschaftliche Außenwahrnehmung von Priestern. Je nach persönlichem Umfeld müssten sie damit leben, dass ihnen eine Affäre zugeschrieben werde oder sie als homosexuell angesehen würden. Träfe beides nicht zu, würden sie als sonderbar beschrieben.