Osnabrücker Bischof 25 Jahre im Amt – Großes Interview

Bischof Bode, wie realistisch sind die Forderungen nach Reformen?

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Die Einführung von Franz-Josef Bode als Bischof von Osnabrück jährt sich am 26. November zum 25. Mal. Deutschlands dienstältester Diözesanbischof spricht über Folgen der Corona-Pandemie für die Kirche, über römische Kritik am deutschen Reformweg – und über Pläne für die Zukunft.

Herr Bischof Bode, die Corona-Pandemie wird wohl zu einer Epoche. Wie verändert sie die Kirche?

Sie wird die Kirche wahrscheinlich grundlegend verändern. Es wird vieles beschleunigt, was wir für die kommenden zehn Jahre erwartet haben – der Rückgang der Kirchensteuer, der Rückgang der Kirchenmitgliedszahlen. Gleichzeitig aber gibt es durch die Krise Entschleunigung. Wenn zum Beispiel der geschäftige Rummel an Weihnachten wegfällt, könnte das zu einem intensiveren Erleben des Festes führen. Viele Christen haben erkannt, dass sie selbst Gottesdienste feiern können, die nicht an die Eucharistie und an Priester gebunden sind. Es gibt aber weiter eine große Sehnsucht nach der Eucharistie. So sind auch neue Formen von Gottesdiensten entstanden, gestreamte Feiern aus Gemeinden, aber auch solche vor leeren Bänken. Die Menschen können sie einzeln etwa am Krankenbett verfolgen. Und das nicht nur live, sondern auch noch Tage danach.

Die Missbrauchsfälle haben zu massivem Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche geführt. Wie lässt sich Vertrauen wiedergewinnen?

Ich glaube, das gelingt nur, wenn wir ganz und gar transparent mit der Aufarbeitung umgehen und in allen Bereichen so glaubwürdig wie möglich sind. Wir Geistliche sollten auch in unserem Lebensstil, in der Beziehung zu den Menschen demütiger werden. Die Menschen müssen merken: Die stehen zu ihren Fehlern. Nur so werden wir Schritt für Schritt Vertrauen neu gewinnen. Was mich freut, ist der weiterhin große Zulauf an unseren Schulen. Man vertraut nach wie vor junge Menschen der Kirche an. Aber auch die karitative Beratung und Begleitung genießt hohes Vertrauen. Schon deshalb dürfen wir uns aus diesen Bereichen nicht zurückziehen.

Sie gelten als Reformer und machen Frauen immer wieder Mut in Bezug auf ein Weiheamt. Ist das überhaupt realistisch?

Ich weiß, dass das nicht in Kürze realisiert werden kann. Ich halte allerdings eine Diakonenweihe für realistischer als die Priesterweihe. Wir brauchen Visionen. Es hätte wohl niemals Veränderungen in der Kirche gegeben, wenn Menschen sich nicht für etwas eingesetzt hätten, dessen Ziel sie selbst vielleicht gar nicht mehr erreichen. Viele aktuelle Themen haben schon das Zweite Vatikanische Konzil beschäftigt und begleiten die Kirche seither. Aber wir haben sie noch nie in dieser Offenheit und Konkretheit besprochen wie jetzt.

Rom mahnt die deutsche Kirche immer wieder, im Reformprozess nicht die Weltkirche aus den Augen zu verlieren. Eine berechtigte Kritik?

Wenn es nicht als „Totschlagargument“ gebraucht wird, ist es durchaus konstruktive Kritik. In anderen Regionen der Welt sehen die Menschen ganz anders auf Kirche und auf Fragen von Gleichberechtigung, Beziehung oder Sexualität. Papst Franziskus spricht immer von Inkulturation, von der Berücksichtigung der jeweiligen Eigenart einer Kultur. Die braucht es aber auch bei uns mit unseren Werten von Freiheit und Gleichberechtigung. Und Themen wie „Kirche der Beteiligung“, das Verhältnis von Laien und Priestern, von Männern und Frauen oder das Zölibat sind in allen Teilen der Welt an der Tagesordnung, besonders bei den jungen Menschen. Dass der Priestermangel uns alle herausfordert, über das Priesteramt nachzudenken, gehört dazu.

Sie haben mindestens weitere fünf Jahre im Amt vor sich. Sind Sie bereit?

Ja, ich bin bereit. Ich wusste, dass es bis 75 Jahre geht. Und ich möchte das auch gern annehmen. Nach der Corona-Krise wird eine gewisse Kontinuität wichtig sein. Ich möchte meine Erfahrungen aus 25 Jahren hinüberbringen über diesen epochalen Einschnitt und gemeinsam mit dem Bistum ein neues Zukunftsgespräch führen. Dabei soll diskutiert werden, wie wir Christen in einer säkularen Welt leben wollen und was finanziell künftig für die Kirche noch möglich ist. Ich möchte eine Grundlage schaffen, auf der ein neuer Bischof aufbauen kann. Zudem schaue ich auf zwei Großereignisse in Osnabrück: 2022 die Eröffnung der bundesweiten „Woche der Brüderlichkeit“ der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und 2023 die Feiern zu 375 Jahren Westfälischer Friede.

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