Münsters Bischof zieht erste Bilanz seiner Lateinamerika-Reise

Bischof Felix Genn: Die Armut in Peru hat mich fast zerrissen

Erschüttert von der „unvorstellbaren Armut“ und „unglaublichen sozialen Spannungen“ hat sich Bischof Felix Genn angesichts seiner Erfahrungen während einer Pastoralreise nach Peru geäußert. „Das hat mich fast zerrissen“, sagte Genn in einem resümierenden Interview mit seinem Pressesprecher Stephan Kronenburg.

Als Vorbild auch für die katholische Kirche in Deutschland sieht Genn die intensive Einbeziehung von ehrenamtlichen Laien in die Seelsorge. So werde trotz des Priestermangels auch in Peru sichergestellt, dass der Glaube weitergegeben werden kann. Der Bischof betonte, dabei werde die „Frage nach der Macht gar nicht gestellt“: „Der Priester muss nicht der sein, der das Sagen hat, sondern er kann auch der sein, der einfach mitarbeitet.“ Im Mittelpunkt stehe immer das Miteinander.

Eine Schule in der Wüste für 700 Kinder

Beeindruckt zeigte sich Genn vom Glaubenszeugnis der Menschen in den sozialen Projekten, die er besuchte: eine Schule, die Ordensschwestern in der Wüste für 700 Kindern aus ärmsten Verhältnissen aufgebaut haben, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung und die ambulante Klinik des Bistums Choisica, das von dem aus dem Münsterland stammenden Bischof Norbert Strotmann geleitet wird.

Zudem konnte Genn mit vielen Priestern sprechen. Auf seine Frage, was sie froh mache, hätten sie stets geantwortet: „Die Menschen, der Kontakt mit den Menschen und das Gefühl, von den Menschen gebraucht zu werden.“

Gemeinsam mit dem bischöflichen Kaplan Jörg Niemeier und Pressesprecher Kronenburg reiste der Bischof weiter nach Brasilien. Von dort geht es am 30. März zurück nach Deutschland.