„Da kann man leicht zu wenig von bekommen“

Bischof Felix Genn sprach über Wein und seinen Glauben in Coesfeld

Was haben Wein und Glauben gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht nichts. Aber es ist nicht schwer, vom Rebsaft auf den Glauben zu sprechen zu kommen. Das erlebten die jungen Erwachsenen, die zur Weinprobe mit Bischof Felix Genn am Freitagabend in die Schmiede in Coesfeld gekommen waren.  Eingeladen hatte Pastoralreferent Daniel Gewand vom Projekt freiraum.coesfeld.

Es wurde ein ebenso fröhlicher wie auch nachdenklicher Abend, den die Runde in stimmungsvoller Atmosphäre miteinander verbrachte. Bei Kerzenschein, Käse und Brot erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie ein Wein richtig probiert wird. „Zuerst schaut man sich die Farbe an, dann kommt der Duft und schließlich nimmt man einen kleinen Schluck. Mit der Zungenspitze tapeziert man damit den Gaumen. Und dann erst wird geschluckt“, weihte der Bischof die jungen Erwachsenen in die Kunst der Weinverkostung ein. Genn ist ein bekennender Weinliebhaber. Im Gepäck hatte der Gast aus Münster zwei junge Weißweine (feinherb und trocken), einen trockenen Rotwein und zum Abschluss eine liebliche Auslese.

Genn: Gott hat etwas erschaffen, um Menschen zu erfreuen

An diesem Abend ließ er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an seinem Wissen rund um die Rebensäfte, aber auch an seinem persönlichen Glauben teilhaben. „Mich fasziniert es, dass Menschen so kreativ sind und die Trauben nicht einfach ernten, um sie zu essen, sondern um etwas daraus zu machen. So ist der Genuss von Wein für mich auch eine Schöpfungserfahrung. Gott hat etwas geschaffen, um das Herz des Menschen zu erfreuen“, sagte der Bischof und nippte genussvoll an seinem Glas.

„Da kann man leicht zu wenig von bekommen“, fügte er lächelnd hinzu. Wie der junge Wein halte ihn auch der Glaube jung. „Er hat mich in die Weite geführt. Er hält mich lebendig. Denn ich entdecke immer etwas Neues“, berichtete Genn. Aber so, wie es trockene Weine gebe, sei es mit dem Glauben auch nicht immer leicht. Natürlich habe er auch Trockenzeiten in seinem Leben mit Gott erlebt, seien Zweifel aufgekommen. Doch er habe sie ausgehalten und irgendwann gespürt, dass es richtig gewesen sei. „Persönliche Erlebnisse haben mir geholfen, aus der Selbstverständlichkeit herauszukommen und meinen Glauben zu reflektieren. Ich bin im Glauben erwachsenen geworden. Dafür bin ich dankbar“, sagte Genn.

Gewand: Glaube kommt nicht nur süffig und soft daher

Weinprobe mit Bischof Genn.
Gemütlich, aber auch nachdenklich war die Stimmung bei der Weinprobe in Coesfeld. | Foto: Michaela Kiepe (pbm)

Diese Gefühle konnten die Teilnehmer bestätigen. Gerade junge Erwachsene erlebten, dass der Glaube nicht nur süffig und soft daherkomme. „Das Leben verändert sich. Wir werden mit existentiellen Themen konfrontiert. Das ist eine besondere Phase“, betonte auch Gewand. Der Glaube sei nichts Celbstverständliches. „Und ich kann auch Menschen verstehen, die nicht glauben“, meinte der Bischof. Für sie sei es gut, wenn sie Glaubenden begegnen und spüren, dass diese „normal“ seien und der Glaube etwas Lebendiges sei. „Schön, dass ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe, die das immer wieder bezeugen“, sagte Genn mit Blick auf Pastoralreferentin Christiane Mussinghoff und Gewand.

Genn: Es ist gut einmal selbst dabei zu sein

Er habe für diesen Abend nicht nur zugesagt, weil er die Idee kreativ gefunden hätte, sondern auch, um die Arbeit des Projektes freiraum zu bekräftigen und wertzuschätzen. „Deshalb ist es gut, auch selbst einmal dabei zu sein“, erklärte Genn. Gemeinsam beschloss die Runde den Abend mit einem süßen Wein, einer intensiven Auslese. „Wie der Wein, so reift auch der Glaube. Er gibt mir in meinem Alter Hoffnung, und ich freue mich auf die Begegnung mit Jesus“, sagte Genn. Dann fasste er für die jungen Erwachsenen seinen Glauben in einem Satz zusammen: „Alles, was aus Liebe geschieht, wird niemals verloren sein.“