Jahrestagung katholischer Religionslehrer auf der Jugendburg Gemen

Bischof Felix Genn warnt vor hohen Erwartungen an den Synodalen Weg

„Kreuz – Kohle – Kanzleramt. Alles nur ein (Ohn-)Machtspiel?“ lautete das Thema der Jahrestagung des Verbandes katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien und Gesamtschulen (VKRM). Dabei ging es für die 140 Teilnehmer auch um wirtschaftliche Mächte und politische Gewalten, die, so der Verband, zuweilen außer Kontrolle zu geraten scheinen. Die Tagung fand in Kooperation mit dem Bistum Münster und dem Institut für Lehrerfortbildung (IfL) statt.

Menschliches Leben zu schützen – besonders in den schwächsten Phasen, am Anfang und am Ende, dazu rief Münsters Bischof Felix Genn bei der Jahrestagung der katholischen Religionslehrkräfte an Gymnasien und Gesamtschulen im Bistum auf der Jugendburg Gemen in Borken auf. Der Bischof reagierte in seiner Predigt damit auf das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe, wonach jeder das Recht hat, selbstbestimmt zu sterben, auch mit Hilfe freiwilliger Dritter. Er wolle die Entscheidung der Karlsruher Richter nicht kritisieren, erklärte Genn: „Wir müssen diese annehmen und uns der Auseinandersetzung damit stellen.“

Grümme: Religionsunterricht wichtig für politische Zusammenhänge

Neben einem Gottesdienst und dem anschließenden Austausch mit Bischof Genn gehörten an den drei Tagen Workshops sowie Vorträge unter anderem von Professor Bernhard Grümme aus Bochum zum Programm. Mit den mehr als 140 Religionslehrern ging er in seinem Beitrag der Frage nach: „Religionsunterricht for future? Religiöse Bildung zwischen Moralisierung und politischer Dimension“. Grümme betonte die Bedeutung des Politischen für den Religionsunterricht: „Es geht immer auch um gesellschaftliche Zusammenhänge.“ Als Beispiel nannte der Professor Terroranschläge, die im Religionsunterricht thematisiert würden. Der Glaube selbst habe eine mystisch-politische Dimension, hinter der der Religionsunterricht nicht zurückfallen dürfe.

Religionslehrer ermutigten Bischof Genn im Einsatz für den Synodalen Weg

Die Religionslehrer ermutigten Bischof Felix Genn, sich weiter für den Synodalen Weg einzusetzen. Für ihn sei dieser Weg eine „große Chance“, fasste Genn seine Eindrücke nach der ersten Versammlung Ende Januar zusammen. Den Austausch mit anderen Frauen und Männern erlebe er als eine große Bereicherung: „Der Prozess des Hörens verändert das Klima.“ Der Bischof zeigte sich zuversichtlich, dass es zu einer Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland kommen werde. Allerdings warnte der Bischof vor zu großen Erwartungen bei den Themen Abschaffung des Pflichtzölibates und Einführung des Frauenpriestertums: „Wir sollten dem Heiligen Geist Raum geben.“

Aus dem Plenum der Religionslehrerinnen und -lehrer nahm der Bischof die Bitte mit, die Schülerinnen und Schüler an den Gesamtschulen nicht aus dem Blick zu verlieren: „Wir sind eine bürgerlich-akademische Kirche der Mittelschicht geworden, in der es für weniger gebildete Kreise kaum noch Raum gibt“, beschrieb ein Gesamtschullehrer seine Erfahrungen. Das spiegele sich auch in den Gremien der Pfarreien wider.