Im Interview verrät der Bischof, warum Münster sich beworben hat

Bischof Felix Genn, was erwarten Sie vom Katholikentag?

Was erwartet Bischof Felix Genn vom Katholikentag? Warum hat Münster sich eigentlich um die Austragung beworben? Das verrät er uns im Interview – und hat trotz der Finanz-Querelen ein Lob für die Gastgeberstadt parat.

Bischof Felix, was erwarten Sie vom Katholikentag in Münster?

Zunächst einmal ein großes Fest der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Gemeinden und unterschiedlicher Regionen. Dann erwarte ich eine innere Freude und Zuversicht für unser Bistum. Einmal, weil die Menschen erleben: Wir können so ein Treffen gestalten. Trotz der Schwierigkeiten, die es im Vorfeld wegen der Finanzierung gab, hat die Stadt Münster ihr bestes Gesicht gezeigt.

Woran machen Sie das fest?

Bei der Werbung für die Helferinnen und Helfer wie auch bei der Betten-Kampagne haben sich so schnell Menschen gemeldet, dass man nur staunen kann. Dafür kann ich wirklich dankbar sein. Und ich merke, wie vor Ort das Thema „Suche Frieden“ in seinen unterschiedlichen Facetten beleuchtet wird. Wenn man den Leuten zutraut, dass sie kreativ sind, dann sind sie es auch. Das habe ich so ähnlich 1996 bei der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier erlebt.

Was erwarten Sie noch vom Katholikentag?

Nachhaltigkeit. Das ist schwer, weil wir in einer Zeit leben, in der die Dinge sehr schnell wieder vorbei sind und das Nächste kommt. Wir leben gerade in einer weltpolitischen Situation, in der Politiker der führenden Nationen Unsicherheit verbreiten. Das zeigt die Sorge um Korea, das zeigt das Vorgehen der Regierungen in Russland, China, in den USA und der Türkei. In dieser Zeit ist es notwendig, dass der Frieden eine Größe ist, die nachhaltig wirkt – natürlich auch im eigenen Herzen, im eigenen Umkreis, in der eigenen Familie. Aber auch so, dass die Leute innerlich sensibilisiert sind und in die Lage versetzt werden, Politiker an ihre Verantwortung zu erinnern. Man kann zum Beispiel auch in Deutschland gegen den Syrien-Krieg demonstrieren.

Es gibt Kritiker, die behaupten, der Katholikentag sei zu politisch.

Diese Kritik berührt mich überhaupt nicht. Das freut mich eher. Ob der Katholikentag zu politisch ist, wage ich zu bezweifeln, weil ich an die vielen geistlichen und spirituell geprägten Veranstaltungen und Orte denke: an die zwei Anbetungskirchen, an die Möglichkeit zur Beichte, an viele Gottesdienste. Ich möchte mal wissen, wer behauptet, der Katholikentag sei zu politisch.

Das kommt zum Beispiel aus Kreisen der AfD.

Diese Behauptung könnte auch politisch motiviert sein, weil man dadurch Leute beruhigen oder sagen will: „Kirche, besinn dich mal auf deinen Auftrag.“ Nein, das ist nicht so! Wer vom Evangelium berührt ist, legt die Finger in die Wunden der Gesellschaft.

„Suche Frieden“ heißt das Leitwort des Katholikentags. Ist das ausschließlich politisch zu verstehen?

Nein, das ist allumfassend. Ich denke daran, dass viele Menschen mit sich selber im Unfrieden sind, weil sie zum Beispiel mit bestimmten Lebenssituationen nicht fertig werden, weil sie enttäuscht sind angesichts von Lebensplanungen, die nicht erfüllt sind. Ich denke an den Streit, die Konflikte und ungeheilten Risse in Familien. Aber „Suche Frieden“ ist auch global zu verstehen.

Wie werden Sie sich persönlich am Katholikentag beteiligen?

Ich habe ein volles Programm, sodass ich heute schon daran denken muss: „Gönn dir auch Zeiten der Ruhe, des Gebetes und des Abschaltens.“ Natürlich bin ich bei den großen Gottesdiensten dabei. Aber ich will auch bewusst unterwegs sein, um möglichst vielen Leuten zu begegnen.

Haben Sie schon viele Katholikentage besucht?

Ja. Einen Katholikentag habe ich immer dann positiv erlebt, wenn ich vielen Leuten begegnen konnte. Oft habe ich vor überfüllten Hallen gestanden, wo der Einlass nicht mehr möglich war. Dann habe ich trotzdem nicht Frust erlebt, sondern bin weitergegangen. Schon traf ich die ersten Bekannten.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken bei der Vorbereitung erlebt?

Es hat zwar immer auch konfliktive Situationen gegeben, aber letzten Endes war die Zusammenarbeit konstruktiv. Wir haben sozusagen das Leitwort des Katholikentages „Suche Frieden“ schon mal durchexerziert – mit positivem Ergebnis.

Was würden Sie einem Gast von außerhalb als das Besondere am Bistum und an der Stadt Münster nennen?

Besonders ist die Gastfreundlichkeit der Stadt. Dazu wird hoffentlich auch das Wetter beitragen. Und ein Besucher kann beim Katholikentag zu Fuß fast alles erreichen, was er erleben will. Nur für die Halle Münsterland muss er einen etwas weiteren Weg auf sich nehmen. Diese Nähe der Veranstaltungsorte ist positiv. Was bin ich bei früheren Katholikentagen schon für Kilometer gelaufen, um an bestimmte Orte zu gelangen! Einmal habe ich das Jugendzentrum gesucht und nie gefunden. Dann denke ich daran, dass alle Kirchen der Münsteraner Innenstadt Orte anbieten, wo man sich zurückziehen kann.

Generell sind immer weniger Bistümer bereit, einen Katholikentag auszurichten. Warum hat sich Münster vor einigen Jahren dennoch dafür entschieden?

Da hat man mich auch ein bisschen geschoben, das sage ich ganz ehrlich. Das Domkapitel hat gemeint, es wäre an der Zeit, dass auch mal Münster dran ist. Wir haben uns nach einem sehr guten, konstruktiven Gespräch im Domkapitel dazu entschlossen, uns als Gastgeber anzubieten. Dann haben wir im Bischöflichen Rat und im Diözesanrat darüber gesprochen – und alle waren dafür.