Beim Thema Erwachsenwerden erinnert sich auch der Bischof

Bischof Genn feiert Jugendgebetsabend mit 320 Jugendlichen

Bischof Felix Genn hat mit 320 Jugendlichen, darunter Firmlinge aus Herten, Kalkar, Wettringen, Neuenkirchen, Ahaus, Ascheberg, Alverskirchen, Willen, Wessum, Laer-Holthausen Beerlage, Dülmen, Borken und Münster über das Erwachsenwerden gesprochen. Beim Jugendgebetsabend in Münster erinnerte er sich auch an seine eigene Jugendzeit, schreibt die bischöfliche Pressestelle Münster.

„Als ich von dem Thema erfuhr, habe ich mich erst einmal gefragt, was das eigentlich mit mir zu tun hat“, wandte sich Bischof Genn direkt an die Jugendlichen. „Und schnell kamen mir Bilder in den Sinn von dem, was ich erlebt habe, als ich so alt war wie ihr. Es war die schönste Zeit meines Lebens.“ Drei Dinge gehörten für jeden auf dem Weg des Erwachsenwerdens dazu, zeigte sich Genn überzeugt: „Die Abnabelung von den Eltern, das Entdecken der eigenen Sexualität und die Erfahrung des eigenen Willens.“

Persönliche Eindrücke des Bischofs

Bei der näheren Erläuterung gab er persönliche Einblicke in sein Leben. „Es ist spannend zu erleben, dass der Wunsch aufkommt: ich will ich selber sein, frei sein, selbstbestimmt.“ Diese Erkenntnis sorge aber auch für „Zoff daheim“, wenn die Eltern andere Vorstellungen davon hätten, was gut für ihr Kind sei. „Die Beziehung zu euren Eltern ändert sich. Und ich hoffe, dass ihr mit euren Eltern streiten könnt. Diese Erfahrung der Auseinandersetzung ist wichtig, um euch auszuprobieren, aber auch um zu lernen, dass jede Freiheit ihre Grenzen hat.“ Auch er habe in jener Zeit die Worte seiner Eltern oft „blöd“ gefunden. „Aber jetzt mit knapp 70 Jahren kommen mir ihre Worte ab und an wieder in den Sinn. Und ich muss zugeben, die Eltern hatten auch mal recht“, gab er zu.

Beim Thema Sexualität betonte der Bischof ihren großen Wert. „Die Sexualität ist eine wertvolle Gabe, die Gott uns gegeben hat.“ Und es sei wichtig, Menschen zu haben, mit denen man über das Thema sprechen könne, „über die Fragen, die sich euch stellen. Auch ich habe und brauche Menschen, mit denen ich vertrauensvoll sprechen kann“, berichtete er.

Konfliktpotential bei der Sinnsuche

Zudem befänden sich die Jugendlichen in einer Phase des Lebens, in der ihre Stimme des Gewissens erwache. Ganz tief in ihnen rege sich etwas und plötzlich wüssten sie: „Das ist es, was ich machen will.“ Auch das berge Konfliktpotential in sich. Vor allem dann, wenn die Eltern eine andere Vorstellung beispielsweise von der Berufswahl hätten. „Mein Vater wollte, dass ich Landwirt werde. Ich wollte aber Priester werden“, plauderte Genn aus dem Nähkästchen und betonte: „ Bleib bei dir. Hör auf das, was in dir ist.“

Dass der Bischof mit seinen Worten den Nerv der Jugendlichen getroffen hatte, zeigte sich beim anschließenden Lied „Ich glaube an dich“, das die effata-Band anstimmte. Mit lautem Klatschen sangen die Firmlinge begeistert mit. „Das nenne ich mal lebendig beten“, freute sich der Bischof über diese Begeisterung.