Entscheidung nach Predigt-Eklat um emeritierten Pfarrer in Münster

Bischof Genn untersagt Zurkuhlen priesterliche Tätigkeit

Bischof Felix Genn hat dem emeritierten Pfarrer Ulrich Zurkuhlen die Ausübung seines priesterlichen Dienstes untersagt. Das teilte der Bischof soeben vor Medienvertretern in Münster mit. Zurkuhlen ist es demnach verboten, sich weiterhin in dieser Sache zu äußern. Zudem ist ihm mit dem heutigen Tag jeglicher Dienst als Seelsorger untersagt, öffentlich Gottesdienste zu feiern und zu predigen. Auch die Beichtvollmacht wurde ihm entzogen. "Wenn einer meiner Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen solche Thesen vertritt, kann er nicht weiterhin im Dienst bleiben."

Zudem erwartet der Bischof eine "glaubhafte schriftliche Entschuldigung gegenüber den Betroffenen, gegenüber der Gemeinde, den Kolleginnen und Kollegen, gegenüber all den Menschen, die er verletzt hat". Zudem sei Zurkuhlen in den Ruhestand versetzt und seine Bezüge gekürzt worden, sagte Bischof Genn. Dies sei dem Pfarrer am Vormittag mitgeteilt worden.

Genn: Schlag ins Gesicht der Opfer

Die Stellungnahme von Bischof Felix Genn zu Pfarrer Zurkuhlen finden Sie hier im Wortlaut.

Genn zeigte sich sichtlich entsetzt über die Aussagen des Pfarrers: "Dass ein Priester bei alldem, was wir inzwischen über sexuellen Missbrauch, gerade auch durch Kleriker, über Täterstrategien und das Leid der Opfer wissen, hingeht und solche Äußerungen tätigt, ist unfassbar." Mit diesen Äußerungen verhöhne der Priester die Betroffenen – er schlage ihnen mitten ins Gesicht. "Wenn mich diese Äußerungen schon derart fassungslos machen, wie muss es dann erst für die von sexuellem Missbrauch Betroffenen sein?"

Mit Blick auf die Forderung Zurkuhlens, man müsse Priestern vergeben, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben, sagte Genn entschieden: "Es geht jetzt nicht um Vergebung für die Täter, sondern um Gerechtigkeit – soweit das überhaupt und ansatzweise möglich ist – für die Opfer. Nulltoleranz gegenüber dem Verbrechen sexuellen Missbrauchs heißt für mich auch Nulltoleranz gegenüber solchen unsäglichen Äußerungen, wie sie der Priester getätigt hat."

Genn betonte, dass in einer Predigt zwar das Thema Vergebung aufgegriffen werden könne. „Entscheidend ist aber, wie man das macht.“ Man könne und dürfe von Opfern nie Vergebung verlangen. Sie sei ein Geschenk, auf das es kein Anrecht gebe.

Der Hintergrund

Eine Predigt des 79-jährigen Pfarrers in der Heilig-Geist-Kirche in Münster vor anderthalb Wochen hatte für Empörung und Entsetzen gesorgt – zunächst bei Gottesdiensteilnehmern, die den Gottesdienst daraufhin verließen, später nach Medienberichten sogar bundesweit. Zurkuhlen hatte darin gefordert, des Missbrauchs schuldig gewordenen Priestern zu vergeben. Bischof Genn hatte ihn daraufhin zunächst gebeten, künftig nicht mehr zu predigen.

Am vergangenen Montag hatte Zurkuhlen seine Predigt in einem Interview und auf seiner Homepage erneut verteidigt und sich darüber beklagt, von Protestlern niedergeschrien worden zu sein. Bei einer Gesprächsveranstaltung der Gemeinde am Abend desselben Tags wiesen Teilnehmer diese Darstellung zurück – von Geschrei könne keine Rede sein. Zurkuhlen war nach Angaben des Leitenden Pfarrers Stefan Rau zu dem Gespräch eingeladen, habe aber abgesagt.

Zurkuhlen hatte Predigt mehrfach verteidigt

Tags darauf bekräftigte der emeritierte Pfarrer in einem WDR-Interview erneut seine Position. Er wolle das Leid der Opfer keineswegs herunterspielen, sei aber verwundert darüber, warum sich viele Missbrauchsopfer erst so spät gemeldet hätten. Auch verstehe er nicht, warum Kinder, wenn sie so etwas Schreckliches erlebt hätten, immer wieder zu dem Priester gegangen seien.

Darauf distanzierte sich der Pfarreirat der zuständigen Gemeinde St. Joseph von Zurkuhlen. In einer Erklärung vom Dienstagabend forderten sie Bischof Felix Genn auf, „Herrn Zurkuhlen von allen priesterlichen Funktionen zu entbinden“.

Pfarrer Rau zeigte sich bei der Bekanntgabe der Konsequenzen für Pfarrer Zurkuhlen dankbar für die Entscheidung. "Viele haben uns gefragt: Passiert denn jetzt etwas? Jetzt kann ich sagen: Ja, es passiert etwas."