Nach Gespräch nur mit Gemeindegremien weiterer Austausch am 3. Dezember

Bischof Genn will mit Gemeinde in Wadersloh über Missbrauch sprechen

Bischof Felix Genn hat sich in einem Fall sexuellen Missbrauchs am Donnerstagabend dem Gespräch mit Gemeindegremien in Bad Waldliesborn gestellt. „Ich bitte noch einmal um Entschuldigung für alle Fehler, die ich gemacht habe“, sagte Genn vor Mitgliedern des Pfarreirates, des Kirchenvorstandes und des Seelsorgeteams der Pfarrei St. Margareta Wadersloh.

Anlass für das Gespräch war auch der Umgang der Bistumsleitung mit dem Missbrauchsfall. Die Gremien hatten Bischof Genn in der vergangenen Woche in einem kritischen Brief hierzu um eine „direkte Gesprächsmöglichkeit“ gebeten. Am Dienstag kommender Woche (3. Dezember) soll es um 19 Uhr in der Pfarrkirche St. Margareta in Wadersloh einen Austausch des Bischofs mit der gesamten Pfarrei geben. Das berichtet die Bischöfliche Pressestelle. Gemeindemitglieder, die nicht zu den genannten Gremien gehören, und Vertreter der Presse konnten an dem Gespräch nicht teilnehmen.

Genn zu Gremien: Sie trifft keine Schuld

Bischof Genn hat den Angaben zufolge in dem Gespräch noch einmal deutlich gemacht, dass er das Verbot sehr viel deutlicher hätte formulieren müssen. Er habe dem Priester zu sehr vertraut. Insbesondere sei es ein Fehler gewesen, dass der Pfarrer, das Seelsorgeteam und die Gremienmitglieder in Wadersloh nicht über die Hintergründe des Sachverhaltes informiert worden seien.

Eine Information sei angesichts des Wunsches der Betroffenen, die Öffentlichkeit nicht zu informieren, zwar nicht einfach gewesen. Es hätte aber ein Weg gesucht werden müssen, der diesen Wunsch respektiert hätte, aber zugleich die Menschen in der Pfarrei nicht im Unklaren gelassen hätte. „Sie haben Recht, wenn Sie in Ihrem Schreiben kritisieren, dass Sie aufgrund Ihrer Unkenntnis keine Möglichkeit konkreten Handelns hatten. Wir hätten Sie klarer informieren müssen. Von daher haben Sie auch überhaupt nichts falsch gemacht und haben keine Schuld“, stellte der Bischof klar.

Pfarreirat: Schlag ins Kontor der Gemeinde

Er kündigte den Angaben zufolge an, dass es noch in diesem Jahr ein Dekret geben werde, das die Zukunft des Priesters eindeutig regelt. Zudem werde es für die Pfarrei eine seelsorgliche Begleitung durch speziell geschulte Mitarbeiter des Bistums geben. Bischof Genn betonte, dass es mit ihm keine Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs gebe: „Es wird alles aufgedeckt. Dabei passieren sicherlich auch wieder Fehler, aus denen wir dann immer wieder neu lernen müssen. Diese schwierige Thematik aus Furcht vor möglichen weiteren Fehlern gar nicht anzugehen, ist keine Alternative.“

Mitglieder des Seelsorgeteams und die Gremienvertreter kritisierten im Gespräch vor allem die in der Vergangenheit ausgebliebene Information durch das Bistum. Die Vorsitzende des Pfarreirates, Tanja Schalkamp, erklärte, dass die Basis vor Ort erschüttert sei. Viel Vertrauen sei zerstört worden, was ein „Schlag ins Kontor der zusammenwachsenden Pfarrei“ sei. „Als Christen an der Basis fühlen wir uns aktuell belastet, durch Unwissenheit der von Missbrauch betroffenen Frau weiter Leid zugefügt zu haben, indem wir in den vergangenen neun Jahren für öffentliches Auftreten des Priesters im Bereich unserer Pfarrei eingetreten sind“, erneuerte sie einen Vorwurf aus dem Schreiben an Bischof Genn. Der Schmerz in der Pfarrei sei groß.

Frings: Es gibt eine dritte betroffene Person

Der stellvertretene Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Hans Berkemeier, kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Darstellung des Sachverhaltes des Missbrauchs als „unstrittig“, ohne Information darüber zu erteilen, wie man seitens des Bistums zu dieser Erkenntnis gelangt sei. Daher sei der Pfarrei auch, nachdem das Bistum an die Öffentlichkeit gegangen sei, nicht klar gewesen, ob es sich bei dem Priester ‚nur’ um einen Beschuldigten oder erwiesenermaßen um einen Missbrauchstäter handele.

Der Interventionsbeauftragte Peter Frings klärte laut Bericht der Pressestelle auf: „In einem Brief an die Betroffene hat der Priester seine Schuld eingestanden.“ Fälle aus Bad Waldliesborn oder aus anderen Gemeinden der Pfarrei seien dem Bistum nicht bekannt. Am Mittwoch habe sich allerdings eine dritte betroffene Person gemeldet. Hierbei handele es sich zwar nicht um sexuellen Missbrauch, aber um eine besonders verwerfliche Form des geistlichen Missbrauchs. Mehr dürfe er in Absprache mit der Betroffenen dazu nicht sagen. Auch dieser Missbrauch habe nicht in der Pfarrei St. Margareta in Wadersloh stattgefunden.

Bischof Genn dankte am Ende des Gesprächs für den „offenen, kritischen und respektvollen Austausch“. Pfarrer Martin Klüsener sprach laut Meldung von einem „wichtigen Schritt nach vorne in einer für die Pfarrei schwierigen Situation“.

Um diesen Fall geht es in Wadersloh-Bad Waldliesborn
In dem Fall, um den es geht, hatte sich eine Frau 2010 ans Bistum Münster gewandt und angegeben, Mitte der 1980er Jahre als Kind von einem Priester missbraucht worden zu sein. Sie verlangte, dass der Sachverhalt nicht öffentlich gemacht wird und auch, dass die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet werden darf. Dem Beschuldigten, der 2010 als Pfarrer in St. Josef in Bald Waldliesborn emeritiert wurde, wurden nach der Einschaltung der Glaubenskongregation seelsorgliche und priesterliche Tätigkeiten nur in einem vom Bistum zugewiesenen Bereich gestattet. Der Geistliche feierte aber trotz Verbots weiterhin öffentlich Gottesdienste. Bischof Genn hatte ihn nach einem Hinweis der Betroffenen 2016/17 schriftlich darauf hingewiesen, dass eine Zelebration nur eine Ausnahme sein dürfe und ihm nur erlaubt sei, wenn nicht mit einer großen Öffentlichkeit zu rechnen sei. Vor einigen Wochen hatte das Bistum den Sachverhalt in Absprache mit der Betroffenen öffentlich gemacht. Danach gab es deutliche Kritik aus der Pfarrei am Vorgehen des Bischofs und des Bistums in diesem Fall. | Stephan Kronenburg (pbm)