Anzeige
Komm in den Login KLup
___STEADY_PAYWALL___

Vorsitzender der Bischofskonferenz empört über Hilflosigkeit in Afghanistan

Bischof Georg Bätzing fordert Evakuierungen von gefährdeten Afghanen

  • Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, fordert Aufnahmeprogramme für gefährdete Afghanen.
  • Dazu gehören Evakuierungen von Ortskräften und von Personal von Hilfsorganisationen.
  • Nachbarländer müssten auf Flüchtlingswellen vorbereitet werden.
Anzeige

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat an die westlichen Regierungen appelliert, gefährdeten Afghanen großzügige Aufnahmeangebote zu machen. In der jetzigen Lage müsse das Naheliegende getan werden, um die schlimmsten Folgen zu verhindern, sagte Bätzing laut Mitteilung der Bischofskonferenz am Dienstag.

Dazu gehöre die Evakuierung der sogenannten Ortskräfte und des Personals der internationalen Hilfsorganisationen. Großzügige Aufnahmeangebote sollten aber auch jenen gemacht werden, die in besonderer Weise gefährdet seien, Opfer des neuen Taliban-Regimes zu werden, weil sie sich in den zurückliegenden Jahren für eine Neuorientierung der afghanischen Gesellschaft exponiert hätten.

 

Bätzing befürchtet neue Flüchtlingswelle

 

Der Limburger Bischof forderte, dass die Nachbarländer Afghanistans in die Lage versetzt werden müssten, Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen. Manche, vielleicht viele Menschen würden sich auch auf den Weg nach Europa machen. Daher müsse die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union dringend vertieft und verbessert werden, damit diejenigen, die ein Recht dazu hätten, in Europa Aufnahme finden können.

Bätzing sagte, ihn empörten das "um sich greifende Leid und die Hilflosigkeit derer, denen gerade die Zukunft entrissen werde". Die jetzt eingetretene Lage zehre das politische Vertrauenskapital der westlichen Länder auf und werde von vielen in aller Welt als "moralischer Bankrott" verstanden, sagte er.

 

Unverständnis über abruptes Ende des Einsatzes

 

Der Bischof betonte, wie immer man vor 20 Jahren nach der Entscheidung für die Invasion Afghanistans Partei ergriffen habe, das abrupte Ende des Einsatzes sei nur schwer zu begründen, wenn die katastrophalen Folgen doch absehbar gewesen seien. "Man gibt kein Land an eine erwiesenermaßen brutale archaisch-radikalislamistische Bewegung preis, wenn man die Zivilbevölkerung zuvor jahrelang angespornt hat, einem entgegengesetzten zivilisatorischen Kurs zu folgen!", mahnte er.

Seit Sonntag sind die Taliban in Afghanistan wieder an der Macht, nachdem die militanten Islamisten die Hauptstadt Kabul eingenommen hatten und der vormalige Präsident des Landes, Aschraf Ghani, ins Ausland geflüchtet war. Derzeit versuchen westliche Truppen, eigene Staatsangehörige und Ortskräfte mit Militärmaschinen vom Flughafen Kabul auszufliegen. Auf dem Flughafengelände kam es am Montag zu dramatischen Szenen, als verzweifelte Menschen versuchten, zu fliehen und sich an US-Militärbombern festzuhalten.

Appell der Hilfswerke: Oliver Müller, Leiter von Caritas international, forderte eine umgehende Evakuierung von Mitarbeitenden von Nichtregierungsorganisationen, die sich für Freiheit und Menschenrechte eingesetzt haben. Notwendig sei das schnelle Aufsetzen eines humanitären Aufnahmeprogramms für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus Afghanistan in den Nachbarstaaten, unterstrich die Caritas. Zudem brauche es unbürokratische Lösungen, um den Zugang zu deutschen Auslandsvertretungen für Afghanen weiterhin zu ermöglichen. Auch Diakonie, Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe forderten eine unbürokratische Aufnahme besonders gefährdeter Personen. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie erklärte, angesichts des Unrechtsregimes der Taliban stehe eine neue Fluchtbewegung bevor. Anrainerstaaten wie die Türkei, Pakistan und der Iran brauchten Unterstützung, um diese Menschen aufzunehmen. "Perspektivisch müssen Resettlement-Programme zur Aufnahme in der gesamten EU und natürlich auch in Deutschland entstehen." (KNA)

Drucken
Anzeige