Bischof soll im Finanzskandal Pflichten verletzt haben

Bischof Hanke angezeigt – Streit um Kirchenfinanzen wird schärfer

Beim Thema Finanzen wird in der deutschen katholischen Kirche der Umgang rauer. Der Münchner Generalvikar Peter Beer knüpft die Fortsetzung des Finanzausgleichs zwischen den Bistümern an strikte Bedingungen. Derweil wurde im Eichstätter Finanzskandal Bischof Gregor Maria Hanke beim Vatikan angezeigt.

Generalvikar Beer verlangte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ und dem WDR, Bistümer müssten untereinander offenlegen, was sie besäßen, und dabei den höchsten Standard verwenden – die Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) für Kapitalgesellschaften. Ohne Vergleichbarkeit und Offenlegung könne es keinen Finanzausgleich geben.

Beer: „Pi mal Daumen“ reicht nicht

Dabei gebe es „noch einige Luft nach oben“, merkte Beer an und verwies auf stille Reserven, andere Rechtsträger wie Stiftungen oder Etats der Bischöflichen Stühle. „Pi mal Daumen“ und eine in vielen Bistümern praktizierte „Orientierung“ oder „Anlehnung“ an das HGB reichten nicht aus.

Das Erzbistum München und Freising zählt zu den reichsten Bistümern Deutschlands. Seit 2016 legt es HGB-konforme Bilanzen vor. Vom Finanzausgleich der Bistümer profitieren seit rund 25 Jahren vor allem die ärmeren Bistümer im Osten.

Laien: Vatikan soll Fall Eichstätt untersuchen

Derweil haben mehrere Katholiken den Eichstätter Bischof beim Präfekten der Kleruskongregation im Vatikan, Kardinal Beniamino Stella, angezeigt. Sie werfen Bischof Hanke mit Blick auf den Finanzskandal der Diözese eine „schwerwiegende Verletzung der Sorgfaltspflicht“ vor. Der Vatikan solle eine „eigene, unabhängige Untersuchung“ wie im Fall Limburg anstellen.

Erstunterzeichner des Briefs ist Walter Hürter von der Eichstätter Diözesangruppe von „Wir sind Kirche“. Er sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), weitere 17 Katholiken aus dem Bistum hätten den Brief unterschrieben.

Anzeige stützt sich auf Papst-Dekret

Hanke habe nach ihrer Überzeugung seine Amtspflichten verletzt bei der Ernennung des Finanzdirektors, der die umstrittenen Immobiliendarlehen mitunterschrieben habe. Der Bischof habe ferner bei der Besetzung der Verwaltungs- und Aufsichtsgremien nicht genügend auf Ämtertrennung geachtet.

Die Absender berufen sich in ihrer Anzeige auf ein Dekret von Papst Franziskus vom 5. September 2016. Es schafft die Möglichkeit von Dienstaufsichtsverfahren auch für Bischöfe, an deren Ende eine Amtsenthebung stehen kann. Dabei wird geprüft, ob durch schlechte Amtsführung „physisch, moralisch, geistlich oder wirtschaftlich“ Schaden entstanden sei.

Bei dem Skandal geht es um die Investition von rund 50 Millionen Euro aus dem Anlagevermögen des Bistums in großteils ungesicherte Darlehen für Immobilienprojekte in den USA. Die Diözese rechnet damit, dass der Betrag weitgehend verloren ist. Bischof Hanke hatte eingeräumt möglicherweise nicht frühzeitig und entschieden genug durchgegriffen zu haben.