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Welche Ämter hat Heiner Wilmer im Bistum Münster und der Bischofskonferenz inne? Was sind zentrale Positionen? Kirche+Leben gibt Antworten.
Heiner Wilmer ist Bischof von Münster und damit Leiter des katholischen Bistums Münster. Zuvor war Wilmer Bischof von Hildesheim und in mehreren Leitungspositionen des Ordens der Herz-Jesu-Priester tätig. Diesem gehört er seit 1980 an.
Seit dem 24. Februar 2026 ist Wilmer zudem gewählter Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Auch wenn er den katholischen Bischöfen keine Weisungen geben kann, wird der Vorsitzende als ihr Sprecher verstanden und gilt – wegen der bischöflich-hierarchischen Struktur der Kirche – damit als eine der wichtigsten katholischen Stimmen in Deutschland.
Woher stammt Heiner Wilmer?
Heiner Wilmer wurde am 9. April 1961 als erster Sohn einer Landwirtsfamilie in Schapen – heute Teil der Samtgemeinde Spelle – im Emsland in Niedersachsen geboren. Er selbst sagt, als Kind habe er Bauer werden wollen.
Wilmer besuchte den katholischen St.-Georg-Kindergarten im nahen Hopsten im westfälischen Kreis Steinfurt und von 1967 bis 1971 die Ludgerus-Grundschule in Schapen. Danach wechselte er auf das Gymnasium Leoninum in Handrup. Der Ort gehört zur Samtgemeinde Lengerich im Kreis Emsland. Die Schule wird von der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester getragen, die Wilmer auf diese Weise genauer kennenlernte. Das Abitur legte er 1980 ab.
Welchem Orden gehört Heiner Wilmer an?
Heiner Wilmer gehört der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester (SCJ) an. Der Orden wird nach seinem Gründer, dem französischen Priester Leon Dehon (1843-1925), auch „Dehonianer“ genannt. Nach dem Abitur trat Wilmer im August 1980 in den Orden ein, durchlief das zweijährige Noviziat in Freiburg im Breisgau und legte 1985 seine Ewige Ordensprofess ab.
Wo und was hat Heiner Wilmer studiert?
Zwischen 1981 und 1986 studierte Heiner Wilmer Theologie in Freiburg und Romanistik in Paris. Die pastoraltheologische Ausbildung schloss sich im Priesterseminar St. Peter im Schwarzwald an, sodass er am 31. Mai 1987 in Freiburg vom damaligen dortigen Erzbischof Oskar Saier zum Ordenspriester geweiht wurde.
Wilmer studierte danach bis 1989 französische Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1991 promovierte er in Fundamentaltheologie in Freiburg mit einer Arbeit zur Mystik des französischen christlichen Philosophen Maurice Blondel.
Parallel nahm Wilmer ein Lehramtsstudium für Geschichte an der Universität Freiburg auf. An dessen Ende legte er 1993 das Erste Staatsexamen für das Lehramt in Theologie und Geschichte ab.
An welchen Schulen hat Heiner Wilmer als Lehrer gearbeitet?
Seine Referendarzeit führte Heiner Wilmer 1993 zurück in seine emsländische Heimat: Nach zwei Jahren am Windthorst-Gymnasium in Meppen, das vom Landkreis Emsland getragen wird, legte er das Zweite Staatsexamen für das Lehramt ab.
Von 1995 bis 1997 unterrichtete er katholische Religion, Geschichte und Politik an der Liebfrauenschule in Vechta im Oldenburger Land, einem Mädchengymnasium in Trägerschaft der katholischen Kirche im niedersächsischen Teil des Bistums Münster. An der Liebfrauenschule war Wilmer zugleich Schulseelsorger.
Das Schuljahr 1997/98 verbrachte er als Lehrer für Deutsch und Geschichte an der Fordham Preparatory School, einer High School in Trägerschaft des Jesuitenordens im Stadtteil Bronx der US-Metropole New York.
Von 1998 bis 2007 leitete Heiner Wilmer das Gymnasium Leoninum in Handrup, das er als Schüler selbst besucht hatte.
Welche Ämter hatte Heiner Wilmer in seinem Orden inne?
Von 2007 bis 2015 war Heiner Wilmer Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester mit Sitz in Bonn.
Am 25. Mai 2015 wählte das Generalkapitel der Herz-Jesu-Priester in Rom Heiner Wilmer zum Generaloberen. Damit rückte er an die weltweite Spitze seiner Ordensgemeinschaft. Dort folgte er auf den Portugiesen José Ornelas Carvalho. Eigentlich sollte Wilmer sechs Jahre amtieren, er wurde aber zwischenzeitlich zum Bischof gewählt.
Wann war Heiner Wilmer Bischof von Hildesheim?
Wie im Bistum Münster wird auch im Bistum Hildesheim der Bischof vom Domkapitel gewählt, einer Gruppe von Priestern. Das sogenannte Preußenkonkordat, ein Vertrag des Vatikans mit dem früheren deutschen Teilstaat Preußen, sieht dieses Verfahren vor. Das Konkordat gilt heute unter anderem in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen weiter.
Die Domkapitulare wählen aus einer Liste von drei Namen, die nach einem mehrstufigen Verfahren schließlich im Vatikan zusammengestellt wird. Nach der Wahl durch das Domkapitel ernannte Papst Franziskus Heiner Wilmer am 6. April 2018 zum 71. Bischof von Hildesheim.
Er wurde am 1. September 2018 zum Bischof geweiht und ins Amt eingeführt. Die Weihe nahm der Hamburger Erzbischof Stefan Heße vor. Das Bistum Hildesheim ist Teil der Kirchenprovinz Hamburg. In Hildesheim folgte Wilmer auf Bischof Norbert Trelle, der mit Erreichen der bischöflichen Altersgrenze von 75 Jahren emeritiert worden war.
Seit wann ist Heiner Wilmer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz?
Am 24. Februar 2026 wählten die katholischen Diözesan- und Weihbischöfe Heiner Wilmer zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Seine Amtszeit beträgt sechs Jahre, eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Wilmer folgte auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der sich nach sechs Jahren nicht erneut zur Wahl gestellt hatte.
In der Deutschen Bischofskonferenz leitet Heiner Wilmer seit 2021 die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Er vertritt die Deutsche Bischofskonferenz auch in der COMECE. In diese Kommission entsenden die nationalen katholischen Bischofskonferenzen der einzelnen EU-Mitgliedstaaten jeweils einen Vertreter.
Seit wann ist Heiner Wilmer Bischof von Münster?
Nach der Wahl durch das Domkapitel von Münster, an deren Vorbereitung erstmals auch 16 Laien beteiligt waren, ernannte Papst Leo XIV. Heiner Wilmer am 26. März 2026 zum Bischof von Münster. Am 26. März gedenkt die katholische Kirche des heiligen Liudger, des ersten Bischofs von Münster. Heiner Wilmer ist dessen 76. Nachfolger und der insgesamt 77. Bischof von Münster. Ins Amt eingeführt wurde er bei einem Festgottesdienst am 21. Juni 2026.
Was sind zentrale Positionen von Bischof Heiner Wilmer?
Bischof Heiner Wilmer gilt als reformoffen. Beim mehrjährigen Reformprozess Synodaler Weg, den die deutschen Bischöfe und die katholischen Laien gemeinsam beschritten, unterstützte er in den namentlichen Abstimmungen sämtliche Beschlüsse. Dazu gehören unter anderem Forderungen nach einer stärkeren Beteiligung von Frauen in der Kirche, nach einer Überprüfung des Pflichtzölibats für Priester und nach Segensfeiern für homosexuelle Paare.
Wie steht Heiner Wilmer zu kirchlichen Reformthemen?
Zur Frage, ob Frauen zu katholischen Priesterinnen geweiht werden sollten, sagte Wilmer 2019, er finde nicht, das sei ein Thema, „über das man nicht reden darf“. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ ergänzte er im selben Jahr, Frauen müssten dringend in Leitung und Verantwortung kommen: „Wir können nicht mehr einfach sagen: Die Frage, ob Frauen zu den Weiheämtern zugelassen werden, ist erledigt. Da vertraue ich auf den Heiligen Geist.“
Nach seiner Wahl an die Spitze der Bischofskonferenz 2026 sagte Wilmer mit Blick auf eine mögliche Weihe von Frauen, er habe Respekt vor der langen katholischen Tradition. Zugleich sei ihre Beständigkeit aber auch der Wandel.
Zur Ehelosigkeit katholischer Priester sagte Wilmer bereits vor Jahren, es brauche „ein Gespräch darüber, inwieweit der Pflichtzölibat angebracht ist“. Er beobachte, dass viele Priester, die allein leben, vereinsamen würden, so der Bischof.
Für sich selbst stellte Heiner Wilmer im SZ-Interview von 2019 fest, er sei „leidenschaftlich gerne zölibatärer Ordensmann“. Die priesterliche Ehelosigkeit könne aber noch mehr zum Leuchten gebracht werden, wenn sie nicht verpflichtend sei.
Heiner Wilmer mahnt auch eine Reform der katholischen Sexuallehre an. Dass Diskriminierung im Sinne Jesu sei, hält er für unvorstellbar. Er befürwortet eine Erlaubnis zur Segnung homosexueller Paare – ausdrücklich, ohne das Sakrament der Ehe von Frau und Mann damit in Frage zu stellen oder Grenzen zu verwischen.
Zugleich betont Wilmer immer wieder die Bedeutung der Einheit mit der Weltkirche. Reformen müssten sich im Rahmen des Kirchenrechts bewegen und mit dem Vatikan abgestimmt werden. Seine Erfahrung als Leiter eines weltweiten Ordens mit Sitz in Rom dürfte zu dieser Sicht beitragen.
Wie steht Heiner Wilmer zu politischen Fragen?
Als Vorsitzender der Sozialkommission der Bischofskonferenz trat Wilmer mehrfach für ein entschiedenes Vorgehen gegen Armut – insbesondere von Kindern – in Deutschland ein.
Bei einem Geistlichen Themenabend im Dom in Münster bezog Heiner Wilmer 2024 Stellung zu Klimawandel und Migration: „Es kann doch nicht sein, zu sagen, Papst Franziskus und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler spinnen, wenn sie meinen, es gibt einen Zusammenhang zwischen der Ausbeutung des Klimas, der Schöpfung und den großen Fluchtbewegungen, den Migrationsströmen. Natürlich gibt es einen Zusammenhang.“
Bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischofskonferenz 2025 nannte Wilmer den Klimaschutz „das größte Marktversagen in unserer Menschheitsgeschichte“. Weltweite Klima-Abkommen drohten, „zur Farce zu verkommen“.
2024 in Münster wandte sich Heiner Wilmer gegen Pläne vor allem rechtspopulistischer und rechtsextremer Kreise, Migration zu begrenzen und Zugewanderte sogar des Landes zu verweisen: „Es kann doch nicht sein, dass wir ernsthaft meinen, die Frau mit dem Kopftuch, die sich um unsere älter gewordenen Menschen in den Alten- und Seniorenheimen kümmert, soll weg. Es kann doch nicht sein, dass die wunderbaren Kindergärtnerinnen, die aus anderen Kulturen stammen, und unsere Kinder, Neffen, Nichten, Enkelkinder so wunderbar miterziehen, dass wir denen sagen: Weg!“
Die Abgrenzung der katholischen Kirche gegen Links- und Rechtsextremisten verteidigte er. Mit Blick auf die AfD sagte er im Mai 2026, die Kirche stehe für Schwächere, Bedrängte und Menschen in Not ein: „Es kann nicht darum gehen, Menschen auszugrenzen.“ Öffentlich geäußerte Parolen wie „Deutsches Blut auf deutschem Boden“ könnten nicht geduldet werden: „Das erinnert uns an die dunkelste Vergangenheit.“
2024 hatten die katholischen Bischöfe eine Erklärung gegen völkischen Nationalismus und Rechtsextremismus verabschiedet. Sie nennt ausdrücklich die AfD und bezeichnet sie als für Christen nicht wählbar. Im Juni 2026 mahnte Wilmer mit Blick auf die von der Partei verwendete Farbe, die Menschen sollten überlegt und „nicht einfach ins Blaue hinein“ wählen.
Im Deutschlandfunk-Interview zu Ostern 2026 betonte Wilmer, Kirche sei nicht parteipolitisch, aber müsse politisch sein, vor allem wenn es um die Frage des Friedens, der Gerechtigkeit und der Würde aller Menschen gehe. Das Evangelium Jesu sei Politik pur.
Was denkt Heiner Wilmer über Macht in der Kirche?
Für Aufsehen sorgte Heiner Wilmer 2018 mit der Aussage in einem Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“, der Missbrauch von Macht stecke „in der DNA“ der katholischen Kirche. Wilmer urteilte auch mit Blick auf systemische Gründe, die sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche begünstigen – etwa die hierarchische, oft priesterzentrierte Struktur. Solche Faktoren haben unabhängige Wissenschaftler in mehreren Aufarbeitungsstudien zu sexualisierter Gewalt in katholischen Bistümern benannt.
Trotz einiger Kritik an seiner DNA-Aussage nahm Wilmer sie nicht zurück, sondern verteidigte und wiederholte sie bis heute mehrfach. Ebenso mahnte er Gewaltenteilung und Machtkontrolle in der Kirche an.
Stand: 22. Juni 2026