Anzeige
Warum der Wechsel nach Münster? Wie soll das zusätzlich zur Deutschen Bischofskonferenz klappen? Münsters neuer Bischof antwortet.
Trockener Humor und Schlüsselloch-Einblicke: Äußerlich gelöst und immer wieder fein lächelnd hat sich Heiner Wilmer, der neue Bischof von Münster, Fragen von Journalistinnen und Journalisten im Foyer des Bischofshauses in Münster gestellt.
Den entscheidenden Brief unterschrieben habe er vor genau einer Woche, am Donnerstag, dem 19. März, um sechs Uhr früh. Von seiner Wahl habe er „seit Dienstagnacht“ gewusst.
Warum Wilmer nach Münster wechselt
Was hat ihn bewogen, zu wechseln? „Wenn ich nicht Ja gesagt hätte, hätte ich meine Aufgabe in Hildesheim nicht gut weiterführen können“, findet Wilmer. Er bitte als Bischof ja auch andere Seelsorgende, sich versetzen zu lassen. Bei einer Absage hätte er ein schlechtes Gewissen bekommen: „Ich muss in den Spiegel schauen können.“
Nun ist Wilmer seit einem Monat auch neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Hat er nie überlegt, ob er zusätzlich die Leitung des mitgliederstärksten Bistums Münster packt? „Doch, darüber habe ich nachgedacht.“
Bischofskonferenz und Bistum – wie geht das?
Er habe „das Domkapitel und die vielen Frauen und Männer“ nicht enttäuschen wollen, die ihn ausgewählt hätten. Und Papst Leo XIV. habe ihn „in vollem Bewusstsein um die andere Aufgabe“ auf der Kandidatenliste für Münster belassen.
Und, wie soll das gehen – zwei unbekannte Herausforderungen, bundesweit und im neuen Bistum Münster? „Das weiß ich noch nicht“, bekennt Wilmer. „Zwei große, wuchtige Aufgaben“, findet er. Aber er sei „ein Teamplayer“ und setze „zuversichtlich“ auf die Hilfe der Mitarbeitenden im Bistum Münster und im Sekretariat der Bischofskonferenz in Bonn.
Der Generalvikar kocht
Wie fühlt es sich an, nach Münster zu ziehen? „Ganz gut.“ Mehr sagt der neue Bischof nicht, lächelt. Auf Nachfrage erzählt er, er habe vergangene Nacht schon im Bischofshaus geschlafen: „Wie ein Stein.“ Wenn auch nur bis vier Uhr heute früh, berichtet Wilmer.
Am Vorabend sei er bei Klaus Winterkamp zum Essen gewesen; der frühere Generalvikar könne hervorragend kochen. Die Frage zum Menü bleibt unbeantwortet. Womöglich soll dem Ständigen Vertreter des Diözesan-Administrators ein Gästeansturm erspart bleiben. „Ich kann nicht kochen“, sagt der neue Bischof von sich. „Aber Eier kriege ich hin.“
Als Kind ins Bistum Münster „exportiert“
Bei Erwähnung seines bisherigen Bistums Hildesheim und der Menschen dort war Wilmer bei der Ansprache im Dom kurz die Stimme gebrochen, das fasst ihn offenkundig an. Nun wird er gefragt, ob er Bezüge zum Bistum Münster habe. „Ganz viele Verwandte und Freunde“ lebten hier, bestätigt Wilmer. Münster, Sprakel, Rheine, Mesum, Greven, Hopsten, Dreierwalde – es sprudeln so viele Ortsnamen, dass man womöglich am Ende doch nicht alle gehört hat.
Die wenigen Kilometer nach Hopsten, also nach Nordrhein-Westfalen und ins Bistum Münster, sei der Emsländer Wilmer als Kind „exportiert“ worden, erzählt er. In seinem Heimatdorf Schapen habe es damals keinen Kindergarten gegeben.
Im Kindergarten Hochdeutsch gelernt
„Der Junge kommt bald in die Schule, da soll er Hochdeutsch lernen“, fanden die Eltern. Den Kindheits-Berufswunsch „Bauer“ hatte Wilmer, der als ältester Sohn auf einem Hof aufwuchs, zuvor noch auf Plattdeutsch verraten. Und dass er – wie auf nicht wenigen Bauernhöfen Tradition – nach seinem Vater Heinrich und dem Großvater Theodor benannt ist.
Er sei großer Sport- und Fußball-Fan, berichtet der neue Bischof. „Preußen Münster hoffentlich“, wirft jemand ein. Einen längeren Moment lang macht sich angespannte Stille breit: Ein Emsländer, aufgewachsen unweit der neben Münster anderen Stadt des Westfälischen Friedens – da könnte jetzt eine richtig unbeliebte Antwort kommen.
Der Fußball-Lieblingsverein
„FC 27 Schapen.“ Die Erleichterung unter den Anwesenden wirkt greifbar. Währenddessen gibt Wilmer zu, seine Fußballkarriere sei versandet, als er etwa in der fünften Schulklasse war. Von „traumatischen Eigentoren“ ist gar die Rede. Tischtennis aber habe er bis zum Abitur mit Leidenschaft gespielt.
Er sei „bewegt vom unglaublich warmherzigen Empfang“ heute in Münster, hatte der künftige Bischof eingangs gesagt. Die Wetter-Wärme hat sich zwischenzeitlich allerdings verabschiedet – Wilmer muss die Medien-Menschen in einen gerade niedergehenden Schneeschauer entlassen. „Ist etwas usselig draußen“, bedauert er.