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Der Mensch sei mehr als ein Datensatz, erklärte Münsters Bischof Heiner Wilmer bei der Prozession. Was er damit genau meint.
„Der Mensch steht wieder auf dem Spiel.“ Mit dieser Mahnung hat Münsters Bischof Heiner Wilmer bei der Großen Prozession in Münster dazu aufgerufen, den Menschen auch in Zeiten rasanter technischer Entwicklungen und globaler Krisen in den Mittelpunkt zu stellen. Viele hunderte Gläubige zogen am Sonntag, 5. Juli, gemeinsam durch die Innenstadt der Domstadt und setzten damit eine mehr als 640 Jahre alte Tradition fort. Dies berichtet die Bischöfliche Pressestelle.
Die traditionsreiche Große Prozession begann mit einem Stationsgottesdienst in der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti. Danach zogen die Gläubigen – darunter neben dem Domkapitel Vertreter der Stadt und des Rates, der Behörden, der Studentenverbindungen, der Gemeinden anderer Sprachen und Riten sowie der Ordens- und Glaubensgemeinschaften – über die Salzstraße, Klosterstraße, Verspoel, Ludgeristraße und Prinzipalmarkt zum Dom.
Was die Große Prozession bedeutet
Dort erinnerte Bischof Wilmer in seiner Predigt daran, dass die Große Prozession seit 1382 Ausdruck des Vertrauens auf Gott sei. Damals seien die Menschen nach Pest und verheerendem Stadtbrand nicht vor den Herausforderungen ihrer Zeit geflohen, sondern gemeinsam auf die Straßen gegangen – im Gebet, in der Bitte um Gottes Beistand und im Bewusstsein, dass Menschen aufeinander und auf Gott angewiesen seien.
„Die Gläubigen hier sind rausgegangen auf die Straße, in die Welt hinein – mit Gott“, sagte der Bischof. Damals wie heute gelte: „Wir kommen nur durch, wenn wir als Trostgemeinschaft zusammenhalten.“
Wilmer: Mensch ist mehr als ein Datensatz
Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen nannte der Bischof den Wunsch nach Frieden, die zunehmende Erschöpfung vieler Menschen und die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz als große Herausforderungen. Technischer Fortschritt biete große Chancen, etwa in der Medizin oder der Kommunikation. Zugleich dürfe der Mensch niemals auf einen Datensatz oder einen Algorithmus reduziert werden.
„Der Mensch ist mehr als ein Datensatz“, betonte Wilmer. Entscheidungen über Leben und Tod sowie ethische Fragen müssten immer vom Menschen verantwortet werden. Deshalb brauche es „nicht nur ein Invest in noch mehr Algorithmen, sondern ein Invest in noch mehr Urteilsfähigkeit und Gewissenskraft als Menschen“.