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Beim Abschied des Dresdner Bischofs rief Heiner Wilmer zum Überwinden von Spaltungen auf. Das werde Populisten verdrängen.
Heinrich Timmerevers (74) ist als Bischof des Bistums Dresden-Meißen verabschiedet worden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Münsters Bischof Heiner Wilmer, dankte ihm bei einem Gottesdienst am Samstag in der Dresdner Hofkirche für seinen Dienst. Zugleich rief er Christen auf, sich in der Gesellschaft für Versöhnung zu engagieren.
Timmerevers habe vielen Menschen Räume eröffnet, Gott zu entdecken. Der aus dem Oldenburger Land im Bistum Münster stammende Geistliche habe sich nach seinem Wechsel nach Sachsen "gut inkulturiert", wie manche sagen würden, so Wilmer: "Du hast viel in deiner neuen Heimat zugehört und bist inzwischen zu ihrem Botschafter geworden."
Wilmer: Wer versöhnt, verdrängt Pöbler und Populisten
Wilmer rief in seiner Predigt zu Versöhnungswillen auf, um Polarisierungen zu überwinden. "Wir brauchen kein verhärtetes Ost gegen West, kein Rechts gegen Links, kein Alt gegen Jung oder Christlich gegen Muslimisch", sagte er. "Wo Menschen, die versöhnen, überzeugen, werden sie Mehrheiten erhalten und die Pöbler und Populisten von den Sitzen verdrängen."
Kein Staat könne Versöhnung stiften, sondern brauche Menschen, die das tun, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Christen könnten aus ihrem Glauben heraus Brücken schlagen.
Wilmer: Christlicher Glaube kann ein Land verändern
Dieser Glaube suche Güte, Demut, Gelassenheit, Vergebung und Frieden. "Der aufrechte Gang für Christus kann ein Verächtlichmachen bis hin zu spürbaren Nachteilen zur Folge haben. Aber er kann auch die Kraft haben, ein Land zu verändern", sagte Wilmer.
Das sei auch dort möglich, wo Christen in der Minderheit sind. In der DDR 1989 hätten die Kirchen Raum gegeben, dass sich Freiheit ihren Weg bahnen konnte.
Wilmer beklagt schrille Ost-West-Debatten
Wilmer konstatierte, der Ton in Ost-West-Debatten werde "zunehmend schriller", verbunden mit wechselseitigen Schuldzuweisungen. Seines Erachtens weist das auf eine "Sehnsucht nach Identität" hin: "Zu viele Erfahrungen wurden in beiden Teilen der heutigen Republik anders gemacht, als dass ein Zusammenwachsen einfach so gelänge."
Der Gottesdienst in Dresden war zugleich ein Dank zum 25. Jahrestag der Bischofsweihe von Heinrich Timmerevers. Der Dresdner Bischof war am Mittwoch überraschend vorzeitig in den Ruhestand gegangen. Papst Leo XIV. nahm sein Rücktrittsgesuch zum 2. September an.
Laut Kirchenrecht bieten Bischöfe dem Papst erst zu ihrem 75. Geburtstag den Rücktritt an. Timmerevers begründete seinen Schritt mit altersbedingt nachlassender Spannkraft.
Timmerevers dankt und bittet um Entschuldigung
Der Bischof selbst sagte am Ende der Messe: "Ich war, bin und bleibe gerne hier im Bistum." Es sei "wunderbar" - nicht, weil "schon alles paradiesisch wäre, sondern weil auch hier Wunder gewirkt werden". Er erlebe immer wieder, mit wie viel Bereitschaft sich Menschen im Bistum dafür einsetzten, dass Kirche lebendig bleibe. Dafür danke er allen von ganzem Herzen.
Zugleich räumte Timmerevers ein, er sei auch Menschen etwas schuldig geblieben. Er verwies auf Opfer sexualisierter Gewalt und die Aufarbeitungsbemühungen: "Mein Tun und Lassen, mein Wort und Beispiel waren nicht immer in ausreichendem Maße dienlich." Er habe seine Grenzen und Unzulänglichkeiten erkannt und bitte um Entschuldigung.
Dresdner Administrator Kutschke: Dankbarkeit und Wehmut
Bis zum Amtsantritt eines neuen Bischofs leitet der bisherige Generalvikar des Bistums, Andreas Kutschke (52), das Bistum als Diözesan-Administrator. Kutschke sagte zur Verabschiedung, es gebe viel Dankbarkeit über gemeinsam gegangene Wege, gewachsene Beziehungen und gefällte Entscheidungen. Zugleich sei es ein Abschied: "Vielleicht auch mit Wehmut und Sorge, was kommt."
Timmerevers wurde am 2. September 2001 in Münster zum Bischof geweiht. Anschließend war er als Regionalbischof und Offizial für den niedersächsischen Teil des Bistums Münster zuständig. Am 27. August 2016 wurde er als 50. Bischof des Bistums Dresden-Meißen ins Amt eingeführt.