Sächsischer Geistlicher stand wegen rechtskonservativer Verbindung in der Kritik

Bischof Timmerevers bedauert Rücktritt von Landesbischof Rentzing

Mit großem Bedauern hat der katholische Bischof im Bistum Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, den Rücktritt seines evangelischen Amtskollegen Carsten Rentzing aufgenommen. Mit Rentzing verbinde er „Jahre enger, vertrauensvoller und ungetrübter Zusammenarbeit in der Ökumene“, erklärte Timmerevers am Dienstag. Vor der getroffenen Entscheidung habe er „hohen Respekt“.

Er habe seinen „evangelischen Amtsbruder als glaubhaften und geistlichen Menschen schätzen gelernt“, teilte Timmerevers weiter mit. Er erinnere sich „an viele gemeinsam gefeierte Gottesdienste und sehr persönliche Begegnungen“. Zu den Vorwürfen gegen Rentzing äußerte sich der Bischof nicht.

Anerkennung auch von Kritiker

Auch der Leipziger Pfarrer und Mitinitiator der Petition gegen Rentzing, Sebastian Keller, sagte am Dienstag dem Evangelischen Pressdienst (epd): „Es ist wichtig, dass wir uns die Hände reichen und gemeinsam nach vorn schauen.“ Ein Ausdruck dafür könnte ein gemeinsames Friedensgebet für die Einheit der Landeskirche sein - über theologische Differenzen hinweg. „Ich wünsche mir, dass wir jetzt in einer sachlichen und wertschätzenden Weise die nötigen Gespräche führen können“, sagte Keller.

Zudem zeigte er Anerkennung dafür, dass sich Rentzing von einer möglichen Instrumentalisierung distanziert hatte. „Versuche der politischen Instrumentalisierung meiner Person von links und vor allem rechts weise ich entschieden von mir“, erklärte Rentzing. Der Beschluss, sein Amt zur Verfügung zu stellen, sei „aus eigener freier Entscheidung“ geschehen. Er sei weder durch das Landeskirchenamt, noch durch die Kirchenleitung unter Druck gesetzt worden.

Warum Rentzing zurücktrat

Die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens hatte am Montag das Rücktrittsgesuch von Landesbischof Rentzing angenommen. Der konservative Theologe stand anhaltend in der Kritik. Zuletzt war bekanntgeworden, dass er als Student Texte für die rechtskonservative Zeitschrift „Fragmente“ verfasst hatte. Verschwiegen hatte er auch eine als Student eingegangene Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung, die bis heute besteht. In seiner Rücktrittserklärung hatte Rentzing geschrieben: „Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr.“

Rentzing scheidet nach Beschluss der Kirchenleitung zum 31. Oktober aus dem Bischofsamt. Ob er innerhalb der Kirche eine andere Aufgabe übernimmt, ist noch offen. Die Vakanzvertretung bis zur Neuwahl einer Bischöfin oder eines Bischofs am 1. März 2020 übernimmt der sächsische Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel. Bei der Übernahme von Terminen und Diensten soll er laut Landeskirchenamt von Theologenkollegen unterstützt werden.

UPDATE: Reaktion Sebastian Keller (22.10.2019, 15:20)