Wie es nicht zu chemischen Reaktionen kommt

Bistümer warnen vor Verätzungen durch Aschekreuz

„Zu Asche, zu Staub“ - der Titelsong zur TV-Serie „Babylon Berlin“ ist zum Hit geworden. Mit Anklängen an biblische Texte wie „Es ist doch nur ein Traum / das bloße Haschen nach dem Wind“ sucht der hypnotische Hit das Lebensgefühl der 1920er Jahre zu treffen - die Melancholie und die Sehnsucht nach einem Ausweg aus der oft grauen Realität der Zwischenkriegszeit.

„Zu Asche, zu Staub“, so könnte auch das Motto des Aschermittwochs lauten. Nach der turbulenten Karnevalszeit beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Im Gottesdienst segnet der Priester Asche und streicht sie den Gläubigen in Form eines Kreuzes auf die Stirn. Dabei verweist er auf die Schöpfungsgeschichte aus dem Alten Testament: „Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und zu Staub zurückkehrst.“

Warnungen in kirchlichen Amtsblättern

Gut möglich, dass das Ritual in diesem Jahr in vielen Gemeinden in etwas veränderter Form praktiziert und das Aschekreuz ein wenig schlechter zu sehen sein wird. Denn in ihren Amtsblättern haben mehrere katholische Bistümer vor Gesundheitsgefahren gewarnt, die durch Vermischung von Asche und Wasser entstehen könnten.

Am Aschermittwoch 2018 hatten Gottesdienstteilnehmer einer Gemeinde im Erzbistum Freiburg nach dem Auftragen des Aschekreuzes zum Teil schwere Hautverätzungen auf der Stirn erlitten. Das Landeskriminalamt leitete labortechnische Untersuchungen ein. Das Erzbistum warnte anschließend vor „möglichen, teilweise erheblich gesundheitsgefährdenden Folgen durch den Kontakt einer Mischung aus Asche und Wasser mit menschlicher Haut“. Im Amtsblatt wurde den Pfarrern ausdrücklich der Gebrauch einer solchen Mischung untersagt.

Keine Gefahr bei wenig Weihwasser

Ist das das Aus für das Aschekreuz? Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Gottesdienst“ beruhigt. Zwar empfehle es sich, auf den Gebrauch einer größeren Menge Wasser zum Anrühren eines Asche-Teigs zu verzichten, weil das eine ätzende chemische Reaktion zur Folge haben könnte. Ein einfaches Besprengen der Asche mit Weihwasser berge aber nach allen Erkenntnissen keine gesundheitlichen Risiken. Und außerdem bleibe ja als Alternative die ursprüngliche Form der Austeilung - das Streuen reiner Asche auf den Kopf.

Keine Gefahr also für dieses Jahrtausende alte Ritual der Buße und Reue. Schon das Alte Testament berichtet von der Sitte, sich Asche auf Kopf und Gewänder zu streuen, um seiner Trauer Ausdruck zu verleihen: Als Amnon seine Schwester Tamar vergewaltigte, „warf Tamar Asche auf ihr Haupt und zerriss das Ärmelkleid, das sie anhatte, und legte ihre Hand auf das Haupt und ging laut schreiend davon“, heißt es im zweiten Buch Samuel. Und der Prophet Daniel berichtet: „Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche.“

Die Asche in der deutschen Sprache

Solche starken Bilder haben auch Eingang in deutschen Redensarten gefunden. Wer „in Sack und Asche geht“, bekennt sich zu seinen Fehlern und verspricht Besserung. Wer „Asche auf mein Haupt“ sagt, hat etwas falsch gemacht und signalisiert, dass er das bereut. Bei Beerdigungen heißt es „Asche zu Asche, Staub zu Staub“, während der Pfarrer ein Schäufelchen Erde ins frische Grab wirft.

Asche ist in christlicher Tradition also einerseits Zeichen für Vergänglichkeit und Buße, andererseits aber Symbol für einen neuen Anfang. Beide Elemente verbinden sich im Sprichwort, dass jemand „wie Phönix aus der Asche“ auferstehen kann. Die dahinter stehende Sage geht eigentlich auf die Antike zurück: Der griechische Historiker Herodot und der römische Gelehrte Plinius der Ältere berichten die Geschichte vom Vogel Phönix, der sich jeweils nach 1.000 Jahren von der Sonne verbrennen lässt und dann aus seiner eigenen Asche wiederersteht. Der mit dem Phönix verknüpfte Mythos der Wiedergeburt und Erneuerung wurde in der christlichen Tradition auf Jesus bezogen, der nach dem Kreuzestod wieder auferstand.