Vierköpfige Familie lebt in kirchlicher Wohnung

Bistum bestätigt: Pfarrei in Telgte gewährt Kirchenasyl

Im Bistum Münster gibt es einen neuen Fall von Kirchenasyl. Seit dem Wochenende gewährt die Pfarrei St. Marien Telgte einer von Abschiebung bedrohten Flüchtlingsfamilie in einer Wohnung Unterkunft, bestätigte Bistumssprecher Stephan Kronenburg am Dienstag (18.09.2016) einen Bericht der „Westfälischen Nachrichten“.

Das Bistum sei informiert, es liege aber in der Entscheidung der Gemeinde, die vierköpfige marokkanisch-syrische Familie aufzunehmen, sagte Kronenburg der Katholischen Nachrichten-Agentur. Zudem kümmere sich das „Netzwerk Kirchenasyl Münster“ um das weitere Vorgehen. Dieses betreut nach Angaben von Sprecherin Julia Lis einen weiteren Fall von Kirchenasyl im Bistum.

Härtefall-Dossier in Arbeit

Laut Zeitung erstellt das Netzwerk derzeit ein Härtefall-Dossier. Grund für den Antrag seien gesundheitliche Probleme eines Familienmitglieds. Zudem bestehe bei der Rückführung nach Spanien, wo die Familie nach Europa eingereist war, die Gefahr, dass die Familie getrennt wird. Grund dafür sind die unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten der Eltern. Die Mutter stammt demnach aus Marokko, der Vater aus Syrien.

Auf Grundlage des Dossiers entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, ob es sich um einen Härtefall handelt. Falls nicht, müsse auch das Kirchenasyl aufgehoben werden, sagte Kronenburg.

Im August hatte die Auflösung eines Kirchenasyls durch die Behörden in Münster für bundesweites Aufsehen gesorgt. Der Betroffene, der im Kapuzinerkloster festgenommen und in Abschiebehaft genommen wurde, kehrte nach einer gerichtlichen Eilentscheidung in eine kommunale Flüchtlingsunterkunft in Nordkirchen zurück. Die Räumung des Kirchenasyls hatte massiven Protest unter anderen von Münsters Bischof Felix Genn ausgelöst.