ZUKUNFT DER KIRCHE

Eichstätter Bischof Würtz: Das ist der Nachfolger von Gregor Maria Hanke

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Der neue Leiter der bayerischen Diözese stammt aus Baden. Was ihn prägt, wofür er steht und welche Herausforderungen auf ihn warten.

Bischofsernennungen in Bayern sind eine Blackbox. Der Papst ist in seiner Entscheidung völlig frei, auch wenn die bayerischen Bistümer regelmäßig Kandidatenlisten nach Rom weiterreichen. Den neuen Eichstätter Bischof Christian Würtz dürften die wenigsten auf dem Zettel gehabt haben. Auch Würtz selbst war dem Vernehmen nach völlig überrascht über den Karrieresprung.

Der 55-jährige gebürtige Karlsruher wird damit zum aktuell jüngsten aller katholischen Ortsbischöfe in Deutschland. Gerne wird man ihn in Freiburg, wo er seit 2019 Weihbischof war, nicht gehen lassen. Denn Würtz ist beliebt, gilt als aufgeschlossen und integrativ.

Drahtseilakt mit Theologinnen

Zuletzt gelang ihm beispielsweise ein Drahtseilakt: Einerseits verteidigte er das katholische Kirchenrecht, wonach nur Männer Priester werden können. Andererseits reagierte er mit großer Empathie auf den bundesweit beachteten Vorstoß von jungen Theologinnen, die sich im von Würtz geleiteten Freiburger Priesterseminar um Aufnahme beworben hatten. Der Weihbischof schuf in mehreren langen Gesprächen eine Vertrauensbasis. Aus dem Projekt entstand eine Ausstellung über Macht und Geschlechterungleichheit in der katholischen Kirche.

Zu Würtz’ Aufgaben in Freiburg gehörte neben der Priesterausbildung auch der Austausch mit Wissenschaft und Hochschule; und der Dialog mit der Landespolitik. So war er als Vertreter des Erzbistums bei der konstituierenden Sitzung des neuen baden-württemberigschen Landtags dabei.

Doppel-Doktor

Ungewöhnlich sein Studienweg: Vor Theologie absolvierte er Jura und zwei Jahre Rechtsreferendariat. In beiden Fächern hat er einen Doktortitel. Seine juristischen wie kirchenrechtlichen Kenntnisse dürften ihm in Eichstätt von Nutzen sein. Dort ist gerade die strafrechtliche Aufarbeitung eines millionenschweren Finanzskandals zu Ende gegangen; zivilrechtliche Prozess-Fortsetzungen um weiteren Schadenersatz stehen aus. Auch als Kirchenrichter war Würtz in Freiburg tätig.

Eine weitere Eichstätter Baustelle dürfte der Umgang mit den diözesanen Jugendstellen werden. Um deren Fortbestand hatte es in vergangenen Monaten immer wieder Unklarheiten gegeben – sehr zum Ärger von Laienvertretern.

Ambitionierter Klimaschutz

Eine Kontinuität ist mit der Personalie verbunden: Sowohl Würtz’ altes wie neues Bistum sind für ambitionierten Umwelt- und Klimaschutz bekannt. Freiburg hat einen millionenschweren Klimaschutzfonds aufgelegt, um bis in die 2030er-Jahre rechnerisch klimaneutral zu wirtschaften. Ein Projekt für Photovoltaik-Anlagen auf kirchlichen Gebäuden ist angelaufen. Kirchengemeinden engagieren sich für Artenvielfalt.

In Eichstätt gibt es ähnliche Bestrebungen. Diese schob der frühere Bischof Gregor Maria Hanke an. Als Abt hatte der Benediktiner sein Heimatkloster Plankstetten zu einem ökologischen Leuchtturm mit hoher Ausstrahlung weiterentwickelt. Schon vor 30 Jahren stellte die klostereigene Landwirtschaft auf bio um.

Gemessen an seinem Abstimmungsverhalten beim deutschen Reformprozess Synodaler Weg befürwortet der neue Eichstätter Bischof weitaus stärker als sein Vorgänger kirchliche Neuerungen: Frauen in sakralen Ämtern, Segensfeiern für homosexuelle Paare und die Laienpredigt.

Keine Berührungsängste bei Social Media

Würtz geht gern auf Leute zu. Und hat auch keine Berührungsängste mit Social Media. Die Zahl seiner Follower ging bisher allerdings noch nicht durch die Decke. Vielleicht auch, weil sich etwa sein Instagram-Auftritt vor allem auf das Kerngeschäft eines Weihbischofs beschränkt: Firmungen, Festgottesdienste.

Ab und an gibt es aber auch interessante Reisen; zuletzt etwa mit der Caritas-Kommission der katholischen Kirche nach Armenien. Oder zur Martin-Schongauer-Ausstellung in den Pariser Louvre, wo auch ein Bildteppich aus der badischen Heimat gezeigt wurde.

Der bisherige Übergangschef des Bistums Eichstätt, Alfred Rottler, bemühte zuletzt eine doppelte Fahrzeugmetapher für die Aufgaben des künftigen Bischofs: Für einen gelingenden Neuaufbruch müssten alle zusammen in ein Boot kommen. Und zudem brauche der Kirchenzug eine Lokomotive. Mit Blick auf das Bischofswappen von Würtz, das auch einen Fisch zeigt, dürfte dem neuen Bischof das Boot wohl näher liegen.

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