Generalvikariat widerspricht „Dorf-Papst“ Gerhard Henkel

Bistum: „Kirche zieht sich nicht aus Dörfern zurück“

„Kirche zieht sich nicht zurück aus den Dörfern“, betont Wilfried Renk von der Stabsstelle Gemeindefusionen und Führungsunterstützung im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Er widerspricht damit der gegenteiligen These, die der Humangeograf Gerhard Henkel im Interview mit „Kirche+Leben„ geäußert hatte. Im Bistum Münster gelte: „Keinem Dorf wird die Kirche genommen“, unterstrich Renk mit Verweis auf eine gleichlautende Aussage des früheren Generalvikars Norbert Kleyboldt.

Wilfried Rank, Stabsstelle Gemeindefusionen und Führungsunterstützung im Bischöflichen Generalvikariat Münster.Wilfried Rank, Stabsstelle Gemeindefusionen und Führungsunterstützung im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: KuL-Archiv

Überlegungen zur Strukturreform gebe es bereits seit 1999. Damals habe Bischof Reinhard Lettmann Pfarrer, andere Hauptamtliche und Gremien eingeladen, die Kooperation von Pfarreien zu verstärken. Zumal die Pfarreien vor einem Riesenkomplex von Herausforderungen stünden. „Daher ist es sinnvoll, wenn sie zusammenarbeiten“, sagte Renk. Das Wort Fusionen nimmt er nicht so gerne in den Mund. „Wir sprechen lieber von Zusammenführungen.“

Größter Faktor: Mangel an Seelsorgern

Vorgesehen seien Neugründungen von Pfarreien. Diese würden nicht geschlossen, jedoch aufgehoben, damit eine Neugründung in neuen Strukturen ermöglicht werde. Nicht typisch sei das Beispiel Haltern, wo aus immerhin neun ehemals selbstständigen Pfarreien eine einzige neue entstanden sei. Dies sei nicht die Regel. Meistens gehe es vielmehr um zwei bis fünf Pfarreien, die zu einer verschmolzen würden. Ein maßgeblicher Faktor dafür, dass der Bischof handeln müsse, sei dabei der Mangel an Priestern. Allerdings werde auch bei den hauptamtlichen Laien die Decke zunehmend dünner.

In mehr als 90 Prozent orientierten sich die Neugründungen an den existierenden Lebensräumen – zum Beispiel an den Verwaltungsgrenzen einer Kommune. Ziel sei es dabei, dass Christen in Netzwerken stärker kooperierten und Ehrenamtliche Aufgaben und Verantwortung übernähmen. Die Praxis in der katholischen Kirche Lateinamerikas könne dafür ein Vorbild sein.

Renk: Erst Seelsorge, dann Verwaltung

Renk nannte es eine „Todsünde“, wenn Gläubige in einem akuten Notfall nur den Anrufbeantworter, aber keinen Seelsorger direkt erreichen könnten. Doch solche Fehler passierten.

Die Kirchenentwicklung vor Ort wird nach seinen Worten nicht in den Zentralen entschieden. Beim Erstellen der lokalen Pastoralpläne gehe es zuerst um die Seelsorge; danach richte sich die Verwaltung. Renk räumte ein, dass Veränderung für die Betroffenen stets mit Unsicherheit verbunden sei. Doch die Aussage: „Wir werden uns von einer Menge Kirchen verabschieden müssen“ treffe für die Städte zu – nicht jedoch für die Dörfer im Bistum Münster. „Kirche ist wichtig in der Fläche“, unterstrich Renk. Ziel sei die Bildung einer lebendigen missionarischen Kirche vor Ort, die einladend, ansteckend und zuhörend wirke.