Missbrauchs-Studie – Betroffene, Experten und Mitarbeiter ziehen Konsequenzen

Bistum Limburg startet einjährigen Reform-Prozess

Das Bistum Limburg will in einem knapp einjährigen Prozess Konsequenzen aus der großen Missbrauchsstudie der katholischen Kirche in Deutschland ziehen. In dem außergewöhnlichen Projekt sollen Betroffene gehört, Missbrauch künftig verhindert und wirksame Konsequenzen gezogen werden, um Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt einzudämmen, teilte das Bistum mit. Rund 70 Fachleute, darunter auch Betroffene, sollen das Projekt in den kommenden Monaten voranbringen.

Bischof Georg Bätzing forderte den Angaben zufolge „Beratungen ohne Denkverbote“. Zusammen mit der Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, gab er am Samstag in Frankfurt den Startschuss für das Projekt unter dem Titel „Betroffene hören – Missbrauch verhindern. Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie“.

Externe Experten leiten Projekte

Georg BätzingGeorg Bätzing, seit 2016 Bischof von Limburg, fordert „Beratungen ohne Denkverbote“. | Archiv-Foto: Michael Bönte

In neun Teilprojekten, die grundsätzlich von Experten außerhalb des Bistums geleitet werden und je zur Hälfte mit Mitarbeitern und Externen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen besetzt sind, werden sich die Teilnehmer mit „systemischen Problemen“ auseinandersetzen, die Missbrauch bisher begünstigt haben.

Konkret geht es um die Überarbeitung der Aus- und Weiterbildung, Konzepte zur Personalführung, aber auch um die katholische Sexualmoral und eine Neubewertung von Homosexualität, um die Rolle der Frau in der Kirche, um Klerikalismus und Machtmissbrauch, Kommunikation sowie kirchenrechtliche Konsequenzen im Sinne einer Gewaltenunterscheidung. Ein eigenes Teilprojekt widmet sich laut Bistum der Aufarbeitung bisheriger Fälle sexualisierter Gewalt und nimmt umfassende Akteneinsicht.