ZUSAMMENHALT

Beweg dich! Damit Gemeinde und Gesellschaft lebendig bleiben

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Was macht Christen in unserer Gesellschaft aus? Für Bruder Paulus Terwitte steht fest, dass Engagement dazugehört.

Ich freue mich auf Bischof Heiner. Es gefällt mir, dass er fünf Tage unterwegs ist in seinem neuen Bistum. Als franziskanischer Bruder denke ich an den Sonnensänger aus Assisi. Statt Leben hinter Mauern wählte er die Lebensorte der Menschen als geistliche Heimat: „Die Welt ist unser Kloster“ – so sagen in einer frühen Schrift des 13. Jahrhunderts die Brüder, die es ihm nachtaten.

Seit über siebzig Jahren steht die franziskanische Sichtweise von Kirche und Glauben in den offiziellen Dokumenten der Kirche. Sie sei wanderndes Gottesvolk. Die Christen seien unterwegs als Glaubende, die mit den Trauenden trauern, den Ängstlichen ängstlich sind, den Fröhlichen fröhlich. Nur eben anders. Nicht besser. Eher: Erfüllter!

Was die Menschen von Bischof Wilmer erwarten

Erfüllter trauern, Abschied nehmen, fröhlich sein, Neues beginnen. Als Menschen, die sich erlöst wissen. Beheimatet bei Gott. Mit einem Standbein im Himmel. Und einem Spielbein auf Erden. Hellwach. Tatbereit.

Hier halte ich inne. Und lese und höre, was die Menschen alles von unserem neuen Bischof erwarten. Super, denke ich. Wenn das mal nicht wieder das alte Schema wird. Der da muss es machen. Und ich warte weiter ab.

Was mich in der Gesellschaft nervt

Der Autor
Bruder Paulus Terwitte (66) ist Kapuziner und stammt aus dem Münsterland. Er lebt in Münster und kümmert sich um die Wohltäter des Ordens. Für Verbände und Firmen ist er Berater und hält Vorträge zu Themen des Wandels und der Ethik.

Das geht mir in der Kirche auf die Nerven, und noch mehr in der Gesellschaft. Was die anderen alles falsch machen, die da oben, die in den Rathäusern, in den Parteispitzen, da lassen sich Einzelstimmen ohne Ende für einfangen. Aber aufstehen und mitmachen, in eine Partei eintreten, sich für den Vorstand eines Vereins melden, treu auf dem Sportplatz für Sicherheit sorgen, die Dorfkneipe am Leben erhalten: Nein, das müssen die anderen machen. Und wenn die es nicht machen, sind die daran schuld, dass ich meckere und auf stur schalte.

Der Staat sind wir. Du bist der Staat. Die Gesellschaft. Und ja, auch die Kirche. Deine Pfarrei. Wenn du nicht einlädst in dein Wohnzimmer, mit Nachbarn über die Bibel zu reden, wird die Gemeinde nie lebendig. Wenn du nicht den Sonntag als Trainingstag der Jünger Jesu in seinem Trainingslager am Altar siehst, wird das nix mit neuer Kirche und Erneuerung der Welt.

Du fängst an

Und auch: Wenn von parteilicher Seite Fremde verunglimpft werden, Krieg nicht Krieg, dumme Deutschtümelei nicht dumm genannt und Demokratiefeindlichkeit nicht so genannt wird im Pausengespräch oder am Stammtisch und du nicht einschreitest, wer denn dann?

Also: Schön, dass Bischof Heiner anfängt. Und unterwegs ist. Besser noch: Du fängst an. Und bewegst dich.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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