Diskussion mit Generalvikar Norbert Köster über Bezahlung

Bistum Münster sucht ehrenamtliche Gemeindeleiter

Im Bistum Münster könnten in den nächsten Jahren freiwillig engagierte Frauen und Männer Leitungsaufgaben in kleineren Gemeinden und Gemeinschaften übernehmen. „Wir wollen Menschen qualifizieren, die sich in unterschiedlichen Bereichen der Seelsorge engagieren. Das schließt die Seelsorge an Kirch- und Glaubensorten von Pfarreien mit ein“, sagte General­vikar Norbert Köster bei einem Gesprächsabend im Gasthaus-Forum an der Gastkirche in Recklinghausen.

32 Frauen und Männer, zumeist sozial Engagierte an der Gastkirche, waren gekommen, um mehr darüber zu erfahren, was die Bistumsleitung unter dem Begriff „Kulturwandel im Bistum Münster“ versteht.

Broschüre über kirchlichen Wandel

Köster verwies auf eine gleichlautende Broschüre, in der deutlich künftige Veränderungen des kirchlichen Lebens angesprochen werden. „Ein Priester wird nach wie vor die Leitung und Verantwortung einer Pfarrei haben. Er soll aber freiwillig Engagierte für seelsorgliche Aufgaben beauftragen können.“ Dafür seien klare Aufgaben und Kompetenzprofile vorgesehen.

Die Möglichkeiten neuer Formen gemeinsamer Verantwortung in den Pfarreien und Gemeinden würden derzeit entwickelt. Eine Gruppe aus Priestern, Diakonen und Pastoralreferenten erarbeite Formen, wie Laien und Ehrenamtliche befähigt werden können, Leitungsaufgaben zu übernehmen. Eingebunden in die Beratungen sei auch der Diözesanrat.

Leitungsaufgaben für Ehrenamtliche

Köster verhehlte nicht, dass es Stimmen gebe, die Leitungsaufgaben für Ehrenamtliche kritisch sehen. „Es geht um das Amtsverständnis und das Priesterbild“, sagte Köster. Er sei aber optimistisch, dass die Kirche von Münster die Herausforderungen gemeinsam mit allen Gläubigen meistern könne.

Dass sich in der Kirche insgesamt etwas bewegen müsse und sie sich verändern müsse, machte Ludger Ernsting, Pfarrer an der Gastkirche, deutlich: „Wir warten schon lange auf Kirchenreformen. Mit dem so genannten Kulturwandel muss ein Kurswechsel einhergehen.“

Langes Warten auf Kirchen-Reformen

Im Gespräch machten einige Teilnehmer auf das Verständnis von Ehrenamt und Freiwilligkeit aufmerksam. „Was sollen Ehrenamtliche noch alles leisten?“, fragte eine Engagierte. Auch die Vergütung von  Tätigkeiten müsse angesprochen werden, meinte ein Teilnehmer: „Soll ein freiwillig Engagierter für die Leitung einer Gemeinde als Mini-Jobber mit 450 Euro im Monat vergütet werden, während der Hauptamtliche ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro erhält?“

Eine andere Teilnehmerin unterstützte die Wertschätzung des Ehrenamts, wollte aber die Rolle einer Lückenbüßerin nicht annehmen: „Wir brauchen mehr synodale Strukturen und weniger hierarchisches Denken.“ Ehrenamtliche seien nicht dafür da, die Arbeit von Hauptamtlichen zu übernehmen.

Engagierte sind keine Lückenbüßer

Wer sich wo und wann engagieren oder einbringen könne, sei ein Problem, dass im Miteinander geklärt werden müsse, meinte der Generalvikar. Auch über die finanzielle Vergütung von Tätigkeiten müsse gesprochen werden. Da nicht alles zentral von der Bistumsverwaltung gesteuert werden könne, würden die Pfarreien künftig besser finanziell ausgestattet.

Der Kulturwandel schließe den Mut zu Experimenten mit ein. Sechs Pfarreien im Bistum hätten die Chance, „Pilot-Projekte“ anzugehen.

Auf die Finanzen schauen

Was die Finanzlage anbelangt, machte Köster auf die sinkenden Kirchensteuereinnahmen in naher Zukunft aufmerksam. „Wir werden nicht mehr alle Gebäude und Institutionen halten können, doch kann das Bistum immer noch Schwerpunkte setzen. Konkret nannte Köster den Bau einer neuen Familienbildungsstätte in Duisburg-West.

Wichtiger aber sei ein neues Bild von Kirche und die Bereitschaft, in ihr mitzuwirken, sagte Köster und nannte als Beispiel eine Begebenheit aus der Kirche in Frankreich, die seit Jahrzehnten mit wenig Geld und Personal auskommen müsse: In einem kleinen Dorf hatte sich nach einem von Laien geleiteten Gottesdienst ein Physik-Professor gemeldet. Er wollte in die Kirche eintreten. Die kleine Gemeinde war überrascht und wusste nicht, wie man diesem Mann helfen könne. Der Priester wohnte weit weg.

Zufällig kam später der Arzt aus dem Nachbardorf zu einem Gottesdienst. Erfreut über den Besuch sprach die Gruppe den Arzt an, ob er nicht den Physik-Professor auf die Erwachsenen-Taufe vorbereiten könne. Der Arzt, zunächst völlig überrascht über die Frage, wurde später der Katechet, der er eigentlich nicht sein wollte.

Die Geschichte, so Köster, zeige, dass man allen Gläubigen etwas zutrauen dürfe und könne.