Hearing zur Leitung in Pfarreien und Gemeinden

Bistum Münster will Experimente bei Gemeindeleitung zulassen

Zur Leitung von Pfarreien und Gemeinden hat das Bistum Münster den Entwurf einer Handreichung erarbeitet. Über den Text diskutierten rund 40 Vertreter bei einem Hearing „Vielfalt von Leitung in Pfarrei und Gemeinden“ am Dienstagabend in Münster. Generalvikar Klaus Winterkamp betonte, der knapp 20seitige Text sei nicht „der letztgültige Entwurf“ und „keine Broschüre, die dogmatischen Charakter hat“. Vielmehr solle und müsse die Handreichung ständig ergänzt werden, vor allem durch Hinweise aus den Pfarreien und Kirchengemeinden.

Winterkamp bekräftigte erneut, dass es im Bistum Münster viele verschiedene Leitungsmodelle geben dürfe. „Wir scheren das Bistum nicht über einen Kamm.“ Manche Gemeinden seien traditionell und volkskirchlich orientiert, in anderen Regionen sei die Säkularisierung weit fortgeschritten. Diese unterschiedliche Situation im Bistum müsse berücksichtigt werden. Vielfältig könne zum Beispiel die Mitwirkung von Ortsausschuss, Pfarreirat oder Kirchenvorstand an der Leitung sein. Denkbar sei auch, die Verwaltung an einen Laien abzugeben, so dass der Pfarrer nicht mehr an den Sitzungen des Kirchenvorstands teilnehme. „Das Experimentierfeld liegt in der Pfarrei“, sagte der Generalvikar.

Generalvikar will Verwaltung und Berufsgruppen einbeziehen

Winterkamp will Anregungen zum Entwurf einarbeiten und ihn am 18. Oktober im Bischöflichen Rat einbringen, in einem Gremium, in dem neben Bischof Felix Genn und den Weihbischöfen auch die Hauptabteilungsleiter des Bischöflichen Generalvikariats sitzen. Der Generalvikar will bei der Weiterentwicklung der Leitungsmodelle die Verwaltung ausdrücklich mitnehmen. Im November möchte er dann die Fragen zur Gemeindeleitung in den Diözesanrat einbringen. In den kirchlichen Berufsgruppen, etwa bei den Pastoralreferenten, soll ebenfalls darüber gesprochen werden. Im Frühjahr 2020 ist laut Winterkamp eine abschließende Fassung geplant.

Das Hearing hatte eine Gruppe vorbereitet, zu der neben dem Generalvikar aus der Hauptabteilung Seelsorge-Personal Maria Bubenitschek und Karl Render gehörten. Beteiligt war auch die Hauptabteilung Seelsorge mit ihrem Leiter Frank Vormweg und Andreas Fritsch von der Stabsstelle Pastoralentwicklung sowie Markus Wonka, Leiter Abteilung Seelsorge im Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta. Sie griffen Erkenntnisse aus einem ersten Treffen im April auf. Eingeladen zu der Veranstaltung waren Haupt- und Ehrenamtliche aus Pfarreien, die mit Leitungsverantwortung zu tun haben. Mit dabei waren Pries­ter, Pastoralreferentinnen und Mitarbeiter in Pfarreiräten und Kirchenvorständen.

Experimente haben nach Pfarrerwechsel Bestand

In der Diskussion kam die Frage auf, wie verbindlich Experimente in einer Gemeinde sind und ob sie auch nach einem Personalwechsel Bestand haben. Dazu erklärte der Generalvikar, wenn ein neuer Pfarrer komme, werde es keine Änderungen geben. Angesprochen wurden auch die Vorgaben des Bischofs und die Möglichkeiten zum Experiment. Seelsorge-Amtsleiter Vormweg sagte, in dieser Hinsicht gebe es „ein Spannungsfeld“.

Zur Sprache kam unter anderem Canon 517,2 des Codex Iuris Canoni (CIC), also des Gesetzbuches der katholischen Kirche. Dieser Canon beschreibt die Möglichkeit der Gemeindeleitung ohne einen Priester, wenn der Diözesanbischof überzeugt ist, dass ein Priestermangel in seinem Bistum vorliegt. „Derzeit sieht Bischof Felix diesen Priestermangel (noch) nicht als gegeben an“, heißt es dazu im Entwurf.

Themenseite soll zur Vernetzung beitragen

Zu Beginn des Hearings hatte Julia Geppert von der Abteilung Medien und Öffentlichkeitsarbeit Möglichkeiten vorgestellt, auf einer Themenseite des Bistums im Internet über neue Leitungsmodelle ins Gespräch zu kommen. Damit will die Bistumsleitung Vernetzungsmöglichkeiten schaffen, um Leitungsmodelle bekannt zu machen.