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Kommentar von Annette Saal zur angekündigten Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus

Bitte mehr Sensibilität, liebe Brüder im Vatikan!

Viel ist von der dritten Enzyklika des Papstes nicht bekannt, aber ihr Titel sorgt schon jetzt für Furore. Zumindest in Deutschland, weil "Fratelli tutti" vermeintlich nur die Brüder anspreche. Auch wenn das so nicht stimmt: Auch Annette Saal, Print-Chefredakteurin von "Kirche+Leben", vermisst Sensibilität im Vatikan.

Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit angesichts der gravierenden Welt-Probleme, die in der für Oktober angekündigten Enzyklika „Fratelli tutti“ aufgegriffen werden. Dennoch: Musste es gerade dieser Titel sein? Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) und die Internetseite „Vatican News“ übersetzen ihn mit „Alle Brüder“. Wo bleiben da die Frauen, fragen sich viele.

Laut „Vatican News“ ist der Titel „eine Anlehnung an die Schriften des heiligen Franziskus von Assisi“. In seinen „Ermahnungen“ habe er geschrieben, „alle Brüder“ sollten auf Jesus als den guten Hirten schauen. Dieser habe das Kreuz auf sich genommen, „um seine Schafe zu retten“.

Nur eine Kleinigkeit? 

Der Begriff „fratelli“ lässt sich jedoch auch mit „Geschwis­ter“ übersetzen. Im Italienischen gibt es schlichtweg keine Möglichkeit, das Wort „Geschwister“ anders auszudrücken. Es sei denn, es würden die „Brüder und Schwestern“ genannt: „fratelli e sorelle“. Dann jedoch wäre der Titel weiter entfernt von seinem Bezugstext.

Ist es nur eine Kleinigkeit, an der Frauen in Deutschland vielleicht mehr Anstoß nehmen, weil sie hierzulande mehr Mitsprache einfordern als woanders? Fest steht jedenfalls: Der Titel ist nicht sensibel gewählt. Zudem führt er in eine Richtung, die sicher nicht beabsichtigt ist. Gerade Papst Franziskus bringt gegenüber Frauen immer wieder sehr deutlich seine Wertschätzung zum Ausdruck.

Ist denn niemandem etwas aufgefallen?

Doch bevor eine Enzyklika veröffentlicht wird, läuft sie durch mehrere Hände. Ist denn niemandem aufgefallen, dass sich durch diese Anrede Frauen vor den Kopf gestoßen fühlen könnten?

Es mag eine Bagatelle sein. Doch leider überdecken solche berechtigten Diskussionen über mangelnde Sensibilität in der Kirche oft brennend wichtige Anliegen. Denn die Aussagen der Enzyklika werden so elementar sein, dass sie jede und jeden betreffen. Corona wird die Welt verändern – und mehr denn je zu solidarischem Denken und Handeln herausfordern. Lesen Sie sie, liebe Schwes­tern – und liebe Brüder!

Und vielleicht lautet der Titel in der deutschen Übersetzung letztlich ja doch noch „Alle Geschwister“. Wer würde sich da nicht zum Lesen eingeladen fühlen?

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