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Premiere am 6. September

Blinder Vechtaer wirbt im Kinospot

Seit einem Jahr geplant und gedreht, jetzt ist es soweit: Der Werbesport der Kontakt- und Beratungsstelle Selbsthilfe vom Landes-Caritasverband läuft im Kino an. Der 29-jährige blinde Daniel Dudek aus Vechta gehört zu Mitspielern.

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Richtung Süden muss er gehen, wenn er sein Bürogebäude verlässt. Geradeaus bis zum Straßenschild. Dann links und 22 Schritte zählen. Daniel Dudek hat es geschafft. Seit fast einem Jahr hat der von Geburt an blinde Vechtaer einen festen Arbeitsplatz. Am 6. September ist er außerdem erstmals in der Schauburg in Vechta in einem Kinospot zu sehen. Dort wirbt er auf der Leinwand für die ‚Junge Selbsthilfe‘ vom Landes-Caritasverband Oldenburg.

„Ich will auf die andere Seite vom Tresen“, war ihm klar. Nicht als Behinderter beispielsweise in einer Werkstatt für Gehandicapte arbeiten. Sondern so wie jeder andere, ohne Bevorzugung, ohne Bezuschussung und ohne Sonderstatus. Also bewarb Dudek sich, unter anderem als Telefonist bei einem Osnabrücker Unternehmen, das Kaffeeautomaten verkauft und verleiht. An einem Mittwoch im August 2017 war es, kurz vor elf Uhr, als sein Handy klingelt. Zum Vorstellungsgespräch solle er kommen.

Jede Absage motivierte Dudek zum Weitermachen

Von dem Tag an prägte Dudek sich die Internetseite dieser Firma ein: „Jeden Tag, acht Stunden lang“, sagt er mit einem Schmunzeln. Und hörte am Ende des Treffens mit Chef und Personalleiterin, dass er offensichtlich mehr wisse, als so mancher der insgesamt 160 Mitarbeiter. Das Ergebnis: ein unbefristeter 30-Stunden-Vertrag als Telefonist in Osnabrück.

„Viele blinde Menschen sind arbeitslos“, weiß Daniel Dudek. Er wollte das nicht. Und hatte sich in Marburg und Münster beworben und die weiten Fahrten auf sich genommen. Ohne Erfolg. „Aber jede Absage hat mich neu motiviert“, erinnert er sich.

Dennoch ist er auch auf andere Menschen angewiesen. Von einem Vechtaer Bildungsträger wurde er unterstützt und auf die freie Stelle in Osnabrück hingewiesen. Schließlich sogar bis zum Vorstellungsgespräch begleitet, beschreibt Dudek den Mitarbeiter, der ihm ein Lebens-Coach war und immer noch ist.

Hilfe vom Landes-Caritasverband

Dankbar ist er auch Melanie Fischer von der Kontakt- und Beratungsstelle Selbsthilfe beim Landes-Caritasverband Oldenburg. Ob er nicht Interesse hätte, zu einem „Netzwerktreffen“ der Selbsthilfe zu kommen, habe sie ihn irgendwann gefragt. Für Dudek eine Horizonterweiterung. „Blindenvereine sind gut und wichtig“, sagt er, der dort selbst Mitglied ist. Aber man schmore damit auch im eigenen Saft. Und es gebe Vereine, in denen das jüngste Mitglied gerade mal 40 sei.

Vom Bundestreffen der ‚Jungen Selbsthilfe‘ in Nordwalde bei Münster ist er angetan. „Da wurde man so genommen, wie man ist“, sagt er. „Keine dummen Sprüche“, wie er sie bei früheren Arbeitgebern auch schon gehört habe.

Werbefilm für die ‚Junge Selbsthilfe‘

Seit einiger Zeit in eigener Wohnung in Osnabrück lebend, kam die Einladung zum 30-sekündigen Werbefilm für die ‚Junge Selbsthilfe‘ gerade recht. „Selbsthilfe ist für mich nicht nur Stuhlkreis“, sagt er. Da gehöre die Planwagenfahrt oder das Eis-Essen genauso dazu wie Aktionen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Klar, dass das auch für junge Menschen gilt. Klar, dass er gerne Werbung dafür macht.

Der Spot, der von einer Krankenkasse finanziell gefördert wird, ist vom 13. September an zwölf Monate lang in 30 Kinosälen in Cloppenburg, Damme, Delmenhorst, Löningen, Lohne, Nordenham und Vechta zu sehen.

Veranstaltungshinweis:
Die Teilnahme an der Premiere am Donnerstag, 6. September, ab 17 Uhr im Kino Vechta (Kolpingstraße 29) ist für Interessierte möglich. Anmeldung bis zum 5. September unter 0 44 41/8 70 70.

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