Gotteshaus wird im September 2019 profaniert

Bocholter Herz-Jesu-Kirche wird zum Hospiz

Im September 2019 wird die Herz-Jesu-Kirche in Bocholt als Gottesdienstort aufgegeben. Anstelle des Gotteshauses soll ein stationäres Hospiz entstehen, ein Haus, in dem Menschen in der letzten Phase ihres Lebens begleitet werden.

„Diese Entscheidung erfolgt nach langen Beratungen im Kirchenvorstand und nach Zustimmung der bischöflichen Gremien und der Bistumsleitung“, sagte Dechant Rafael van Straelen in einem Pressegespräch am Montag. Zuvor hatte der leitende Pfarrer der Pfarrei Liebfrauen die Gemeinde in den Sonntags-Gottesdiensten über die Entscheidung informiert.

Zwei Stiftungen übernehmen Trägerschaft

Die Hospiz-Stiftung Omega Bocholt und die Bischöfliche Stiftung Haus Hall, die sich schon seit vielen Jahren in der ambulanten und stationären Hospizarbeit in der Stadt engagieren, werden eine neue Trägergesellschaft gründen. Sie soll den Betrieb des Hospizes gewährleisten. „Das Hospiz wird acht bis zehn Plätze haben“, sagte Heinrich Grunden, Vorsitzender der Hospiz-Stiftung Omega.

Stellten die Entscheidung der Pfarrei vor (von links): Dechant Rafael van Straelen, Kirchenvorstandsmitglied Manfred Rademaker und Heinrich Grunden, Vorsitzender der Hospiz-Stiftung Omega in Bocholt.
Stellten die Entscheidung der Pfarrei vor (von links): Dechant Rafael van Straelen, Kirchenvorstandsmitglied Manfred Rademaker und Heinrich Grunden, Vorsitzender der Hospiz-Stiftung Omega in Bocholt. | Foto: Johannes Bernard

In den nächsten Wochen folgen Beratungen mit der Stadtverwaltung und mit Architekten, um planungsrechtliche Verfahren abzusprechen. Ungewiss ist noch, ob das Hospiz innerhalb des profanierten Kirchengebäudes entsteht oder ob ein kompletter Neubau notwendig ist.

Guter Standort für Hospiz

„Wir haben ein passendes Gelände gefunden“, sagte Grunden. In unmittelbarer Nähe zur Kirche stehen das Pfarrheim und eine Tageseinrichtung für Kinder. „Beides bleibt erhalten. Das ist gut so. Das Hospiz entsteht inmitten des Lebens und eines Wohnumfelds“, sagte Grunden. Für den Standort des Hospizes spreche auch die Nähe zum Agnes-Hospital mit der Palliativ-Station.

Nach Auskunft des stellvertretenden Kirchenvorstands-Vorsitzenden Manfred Rademaker wird die Pfarrei das Gelände mit dem Kirchengebäude an die Trägergesellschaft veräußern. „In dieser Frage herrscht große Einmütigkeit im Gremium und unter den Beteiligten“, sagte Rademaker.

Sterbebegleitung als christlicher Dienst

Dechant van Straelen zeigte sich erfreut, dass eine sinnvolle Nachnutzung des Gebäudes gegeben ist. „Es ist ein christlicher Dienst, sterbende Menschen zu begleiten. Ein stationäres Hospiz ist ein karitativer Dienst am Nächsten.“ Auch wenn in Herz Jesu demnächst keine Gottesdienste mehr gefeiert würden, bleibe doch eine christliche Nutzung im Sinn der Botschaft Jesu. 

Mit dem Ortsausschuss Herz Jesu und dem Pfarreirat werde in den nächsten Monaten überlegt, wie der Abschied von der Herz-Jesu-Kirche gestaltet werden kann. „Gerade für die Gemeindemitglieder, die sich der Herz-Jesu-Kirche besonders verbunden fühlen, ist die Profanierung sehr schmerzlich“, meinte van Straelen. Doch man müsse auch die Entwicklung des kirchlichen Lebens mitbedenken. Als das Gotteshaus Herz Jesu 1960 errichtet wurde, habe noch jeder zweite Katholik den Sonntagsgottesdienst besucht, heute sei es jeder zehnte.