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Das Oktoberfest bleibt heute, Mittwoch, nach einer Bombendrohung bis mindestens 17 Uhr geschlossen. Wie „Wiesn-Pfarrer“ Schießler die Lage sieht.
Von der Schließung des Oktoberfests in München am 1. Oktober wegen Bombendrohung sollten sich die Menschen nach Ansicht von Rainer Maria Schießler nicht einschüchtern lassen. Der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagt der Pfarrer und frühere Wiesn-Kellner, es sei gut, dass die Behörden zu dieser Maßnahme gegriffen hätten, solange nicht geklärt sei, ob ein Zusammenhang bestehe mit der Explosion eines Wohnhauses im Norden der bayerischen Landeshauptstadt.
Erst solle man schauen, ob es Querverbindungen gebe, dann „mit einer Armee von Sprengstoffhunden“ auf dem Gelände nach einem möglichen Sprengsatz suchen, so der Pfarrer. Danach sollten Sicherheitskräfte am Eingang wirklich jedes „Tascherl“ sichten.
Oktoberfest: Erinnerung an 2017
Dazu komme, dass die Ereignisse vom Samstag, als das Festgelände am Spätnachmittag wegen Überfüllung geschlossen werden musste, den Verantwortlichen noch in den Gliedern stecke. Das sei ein Schuss vor den Bug gewesen, so der Pfarrer.
Schießler erzählt, er habe 2017 selbst die sogenannte „Terror-Wiesn“ erlebt. Damals seien wegen internationaler Konflikte zur Halbzeit des Festes die Sicherheitsvorkehrungen nochmals angezogen worden. „Weil man Befürchtungen hatte, dass was passieren könnte. Das Ergebnis war, dass viele dann daheim geblieben sind. Wir hatten bestes Wetter und leere Biergärten.“
Improvisierter Zeltgottesdienst 2017
Damals sei eine der Bedienungen zu ihm gekommen und habe gefragt, ob er keine Angst habe. Ihre Kinder hätten sie am Morgen am liebsten gar nicht zu ihrem Arbeitsplatz im Zelt gehen lassen. „Mir ist mulmig, was sollen wir tun?“, habe sie wissen wollen.
Es sei die Idee entstanden, einen improvisierten Zeltgottesdienst auf der Empore zu feiern, bei dem die Menschen gebetet und „Großer Gott, wir loben dich“ gesungen hätten. Zudem, so der Pfarrer, habe er Andachtsgegenstände wie Schutzengel gesegnet.
„Wir verstecken uns – oder leben“
Der Kollegin verriet der Priester, er habe – wie beim Motorradfahren – auf der Wiesn immer sein „kleines Büchserl mit Krankenöl“ dabei. „Wenn wirklich was passieren würde, wäre ich ausgerüstet, mit dem, was ein Priester braucht.“ Das heiße nicht, den Teufel an die Wand zu malen. Aber dass man wisse, es sei nicht alltäglich, was in einem Bierzelt abläuft, das 6.000 bis 7.000 Leute fasse.
Dennoch gelte: „Wir haben die Alternative: Wir verstecken uns, bleiben im Bett, ziehen die Decke drüber. Oder wir gehen hinaus und leben. Aber wenn wir leben, müssen wir alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen treffen.“ Ob damit alles verhindert werden könne, stehe in den Sternen. Hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht. Man sei aber in Gottes Hand.
Schießler nutzte zehn Jahre – mit einer dreijährigen Unterbrechung – seinen Urlaub, um auf dem größten Volksfest der Welt als Bedienung zu arbeiten. Seine Erlebnisse schrieb er 2022 im Buch „Wiesn-Glück“ nieder.
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