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Eine Wählervereinigung will dem 2022 verstorbenen Papst Benedikt XVI. in der Stadt am Rhein ein Denkmal setzen. Warum sich Widerstand regt.
Im Bonner Stadtteil Bad Godesberg soll eine Straße nach dem verstorbenen Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger benannt werden. Das kritisieren zwei Vereine von Betroffenen sexuellen Missbrauchs, berichtet der „General-Anzeiger“. „Ratzinger steht als Person für die Vertuschung des Missbrauchs“, erklärt Heiko Schnitzler für den Verein Betroffener am kirchlichen Bonner Aloisius-Kolleg. Als Bischof, als Kurienkardinal und als Papst habe er Verantwortung getragen.
„Vielleicht sollten wir lieber überlegen, Straßen nach Überlebenden von sexueller Gewalt durch Priester zu benennen als nach die Täter schützenden Klerikern“, sagt Michael Hackert für den „Eckigen Tisch“, eine bundesweite Initiative, die Interessen von Betroffenen sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend im Kontext der katholischen Kirche vertritt.
Die Kritiker führen laut Zeitung an, Ratzinger habe als Erzbischof von München und Freising 1980 die Versetzung eines Priesters aus dem Bistum Essen abgesegnet; und zwar „nachweislich in dem Wissen, dass dieser bereits Serientäter war“, so Hackert. Benedikt XVI. selbst hat das zu Lebzeiten stets zurückgewiesen. Nach seinem Tod an Silvester 2022 erhob ein mutmaßliches Opfer des Priesters in Bayern 2023 Klage in dem Fall.
Laufende Prüfung
Die Straßenbenennung nach Joseph Ratzinger hatte der „Bürger Bund Bonn“ angeregt. Der Antrag war zunächst wegen eines Prüfverfahrens der Stadtverwaltung vertagt worden.
Ratzinger lehrte von 1959 bis 1963 als Professor Theologie an der Universität Bonn. 1961 bis 1963 wohnte er mit seiner Schwester in der Wurzerstraße in Bad Godesberg. Daran erinnert dort heute eine Plakette.
Die Umbenennung einer bestehenden Straße ist laut Bericht nur mit Einbindung der Anwohnenden möglich, da die Maßnahme zu Adressänderungen führt und also mit Kosten und Umständen verbunden ist. Daher werde ein solcher Schritt eher restriktiv gehandhabt.