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Kirchenchor St. Margareta Lengerich freut sich über Erstimpfungen

Boostern statt Chorprobe - Impfaktion im Pfarrheim wird zum Erfolg

Boostern statt Chorprobe – Impfaktion im Pfarrheim wird zum Erfolg | Video: Marie-Theres Himstedt

  • Statt „Macht hoch die Tür“ hieß es „hinein mit der Spritze“: Im Pfarrzentrum Lengerich hatte der Kirchenchor zur Impfaktion eingeladen.
  • Die Chorproben sind bis auf Weiteres ausgesetzt.
  • Ein Kirchenchormitglied ist Arzt im Ruhestand und übernahm die Versorgung von über 40 Impfwilligen.
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Es riecht intensiv nach Desinfektionsmittel: „Immer hereinspaziert!“ Mit breitem Lächeln empfängt Claudia Jülich die ersten Impfwilligen im Pfarrzentrum St. Margareta in Lengerich. Die Namen auf der Anmeldeliste überprüfen, Krankenkassenkarte in das mobile Lesegerät stecken und den Besuchern einen Platz zuweisen – Claudia Jülich und Anja Stadie vom Kirchenchor haben alle Hände voll zu tun. 44 Teilnehmer bekommen hier gleich ihre Corona-Schutzimpfung, die meisten zum dritten Mal.

„Normalerweise hätten wir heute eine Chorprobe mit unserem Leiter Stefan Rauch gehabt und uns auf Weihnachten vorbereitet. ,Macht hoch die Tür‘ oder ,Zu Bethlehem geboren‘, oder einige englischsprachige Stücke zu singen, das hätte uns Freude gemacht“, schildert Hans Büter vom Chorvorstand St. Margareta Lengerich. Aufgrund der problematischen Entwicklung hatte der Vorstand beschlossen, die Chorproben auszusetzen. „Wir wollen der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts folgen, und größere Versammlungen und das Risiko einer möglichen Ansteckung vermeiden“, betont Büter, zumal es in Lengerich nach einem anderen Chorfest zu einem größeren Infektionsgeschehen gekommen war.

Impfpflicht statt Freiheitsliebe

Wo sonst der Kirchenchor singt, stehen nun Menschen in der Schlange, darunter Ingrid und Ralf Kraus, die sich zum dritten Mal impfen lassen möchten. Ihre Meinung ist klar: „Unsere Demokratie ist richtig und wichtig, aber wo die Freiheit derer, die solidarisch sind, beschränkt wird, oder die Freiheitsliebe auf Kosten Anderer geht, muss eine Impfpflicht kommen.“

Nebenan in der neu eingerichteten Pfarrbibliothek, impft hinter diskreten Vorhängen an zwei Plätzen Kirchenchormitglied Dr. Hans-Dieter Rogge. 30 Jahre war er als niedergelassener Hausarzt tätig, und ist eigentlich mit 74 Jahren im Ruhestand, doch in der Pandemie unterstützen er und seine Frau Agnes die Lengericher weiter beim Impfen und Testen: „Wir tun alles, dass wir geimpft werden“, sagt Agnes Rogge, die dort, wo sonst Kinderbücher über den Ausleihtresen gehen, die Spritzen mit Moderna-Impfstoff aufzieht.

Die Krankenschwester im Teil-Ruhestand möchte möglichst viele Vorbehalte vor der Impfung nehmen, allein auch durch praktische Hinweise: „Jeder Mensch hat eine Würde. Das Impfen an sich sollte nicht in Stress ausarten.“ TV-Bilder, die schnelle Impfaktionen zeigten, könnten gerade Ältere verunsichern. „Ein Herrenhemd hat nun mal 14 Knöpfe, diese Zeit muss man Älteren auch zugestehen“, sagt sie.

Ein „Halleluja“ und Erstimpfungen

Mit so viel Zugewandtheit geht es im Pfarrheim daher sehr entspannt und familiär zu, die Stimmung ist gut, viele kennen sich, weil sie über den Verteiler der ehrenamtlich Engagierten der Pfarrei von der Impfaktion des Kirchenchores erfahren haben.

Aber weil die Charge groß war, kommt auch kurzerhand ein Hotelier aus Brochterbeck mit seinem Mitarbeiterstab zum Impfen in die Kirchenbibliothek. Und weil er bereits dreimal geimpft ist, setzt er sich ans Klavier und gibt zu späterer Stunde das „Halleluja“ von Leonard Cohen zum Besten. Claudia Jülich ist nicht nur von der Musik begeistert: „Fünf Prozent der Teilnehmer haben ihre Erstimpfung erhalten“, sagt sie zum Ende hin.

Ein guter Erfolg für den der Kirchenchor Lengerich gerne boostert, statt singt.

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