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Nach Aussagen über Homosexuelle

Bremer Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt

  • Das Amtsgericht Bremen hat den evangelischen Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt.
  • Laut Gericht hat er zum Hass gegen Homosexuelle und Intergeschlechtliche angestachelt.
  • Latzels Anwalt will Rechtmittel gegen die Entscheidung einlegen.
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Das Amtsgericht Bremen hat den evangelischen Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, umgewandelt zu einer Geldstrafe von 8.100 Euro, verurteilt. Nach Auffassung der Richterin hat der 53-Jährige zum Hass gegen Homosexuelle und Intergeschlechtliche angestachelt.

Latzels Äußerungen seien Stimmungsmache und könnten als Lizenz zum Handeln gegen diese Menschen verstanden werden, so die Urteilsbegründung. Latzels Anwalt kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Wenn nötig, werde er bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

Was Latzel gesagt hat

Der Pastor der Bremer Martini-Gemeinde hatte bei einem auch auf Youtube veröffentlichten Eheseminar unter anderem gesagt: „Der ganze Gender-Dreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist zutiefst teuflisch und satanisch.“ Und: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“

Vor Gericht hatte er sich für die Worte entschuldigt und erklärt, sie seien missverstanden worden. Er lehne zwar die homosexuelle Lebensweise auf Grundlage der Bibel ab, habe aber nichts gegen Homosexuelle. Mit dem Wort „Verbrecher“ habe er „militante Aggressoren“ gemeint, die ihn und seine Gemeinde immer wieder attackierten.

Richterin mahnt zu mehr Respekt im Umgang

Der Kontext der Aussagen mildere diese nicht ab, urteilte das Gericht. Die Unterscheidung zwischen Homosexuellen und Homosexualität ließ es nicht gelten. „Homosexualität ohne Menschen ist nicht vorstellbar“, erklärte die Richterin.

Sie betonte, das Urteil auch vor dem Hintergrund des derzeitigen „Meinungsklimas“ getroffen zu haben, und appellierte: „Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass der Umgang miteinander wieder respektvoller wird.“ Die Geldstrafe setzt sich aus 90 Tagessätzen zu 90 Euro zusammen.

Wie die Bremische Kirche reagiert

Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) distanzierte sich nach dem Urteilsspruch erneut von Latzels Äußerungen. „Ich bin zutiefst betroffen, dass ein Pastor unserer Kirche wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist“, sagte BEK-Schriftführer Bernd Kuschnerus. Der Kirchenausschuss werde sich am 10. Dezember erneut mit dem Fall befassen.

Ein im Mai eröffnetes Disziplinarverfahren der BEK ist bis zum Abschluss des Strafverfahrens ausgesetzt. Latzel hatte sich verpflichtet, seine Amtsgeschäfte zunächst bis zum 6. Dezember ruhen zu lassen.

Pastor hat Unterstützer und Gegner

Der Pastor, der sich als bibeltreu bezeichnet, hatte in der Vergangenheit öfter für Aufsehen gesorgt. So hatte er 2015 Buddhisten, Katholiken und Muslime diffamiert. In einer Online-Petition erfährt der Theologe von mehr als 20.000 Unterstützern Rückendeckung, knapp 14.000 Unterzeichner fordern auf einem anderen Portal seine Absetzung.

Update zum Strafmaß
Latzels Geldstrafe von 90 Tagessätzen entspricht einer Freiheitsstrafe von drei Monaten. Einzelne Medien melden vier Monate; das war jedoch die Forderung der Staatsanwaltschaft, erläuterte die Sprecherin des Amtsgerichts Bremen auf Nachfrage von „Kirche-und-Leben.de“. (jjo., 26. Nov.)

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