St. Maria Magdalena wählt nach bewährtem Verfahren

Briefwahl zum Pfarreirat wäre in Geldern „zu teuer“

Zu den Neuerungen bei den Pfarreiratswahlen am 11. und 12. November gehört die Möglichkeit einer allgemeinen Briefwahl als Alternative zur bisherigen Urnenwahl. In so einem Fall erhalten alle wahlberechtigten Pfarrmitglieder persönlich die Unterlagen zugestellt. Das Bistum Münster hat den Gemeinden die Entscheidung über diese Alternative überlassen. Dort gilt es, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen.

„Wir haben uns dagegen entschieden“, gibt Pfarrer Arndt Thielen von St. Maria Magdalena in Geldern die Mehrheitsmeinung im Pfarreirat wieder. „Der finanzielle Aufwand wäre deutlich zu hoch gewesen. Darum bleibt es beim alten System, das sich bewährt hat.“ Das heißt, dass die Gemeindemitglieder persönlich ihre Stimme abgeben. Die Teilnahme per Briefwahl muss weiterhin jeder einzelne für sich beantragen, falls er seinen Wahlzettel nicht persönlich abgeben möchte oder kann.

Knapp 10.000 Euro Porto

Mit der nun vom Bistum angebotenen Alternative einer allgemeinen Briefwahl  würden alle potenziellen Wähler erreicht – auch Kirchenmitglieder, die nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen und nicht so intensiv am Leben der Pfarrei teilhaben, wirbt der Diözesanrat im Bistum Münster. So könne man allen Wahlberechtigten echtes Interesse an ihrer Stimme signalisieren und die Wahlbeteiligung steigern.

Soweit das Pro. Doch es gibt auch Gründe, die gegen dieses Verfahren sprechen. Eine allgemeine Briefwahl, sagt Günter Herrmann vom Vorstand des Geldener Pfarreirats, „wäre mit einem wahnsinnigen Aufwand verbunden“.  Allein das Porto für den Versand der Unterlagen hätte in der Gemeindekasse mit knapp 10.000 Euro zu Buch geschlagen. Bliebe als Alternative zur Post die persönliche Verteilung an die Haushalte, ähnlich wie es beim Pfarrbrief geschieht.

Großer Aufwand für ehrenamtliche Verteiler

„Alle haben einen Anspruch auf die Unterlagen; Fehler dürfen nicht passieren. Aber wir hatten Sorge, dass nicht alle Personen hätten bedient werden können“, erinnert sich Herrmann und meint damit vor allem Menschen, die in einsamer gelegenen Häusern leben. Die ehrenamtlichen Verteiler hätten sie nur mit großem Aufwand erreicht. Darum bleibt es im kommenden November in Geldern bei der herkömmlichen Urnenwahl.

St. Maria Magdalena ist mit 19.500 Mitgliedern die größte linksrheinische Pfarrgemeinde am Niederrhein. Rund 13.000 Jugendliche ab 14 Jahre, Männer und Frauen sind in knapp einem halben Jahr dort wahlberechtigt.

Stadtgebiet und sieben Ortschaften

Zur Gemeinde gehören neben dem Stadtgebiet sieben Ortschaften, in denen als Untergruppierung jeweils ein Ortsausschuss arbeitet. Seine Mitglieder werden nicht gewählt, sondern benannt. Dort sitzen Ortskundige, die in Aengenesch und Hartefeld, Kapellen und Lüllingen, Pont, Veert und Walbeck leben und die Menschen dort kennen. Vertreter und Vertreterinnen von Vereinigungen wie KFD, Kolping, KAB, Kindertagesstätte und Chor sitzen in dem Ausschuss, mindestens aber auch ein Mitglied des Pfarreirates.

Die letzten Pfarreiratswahlen im November 2013 hatten für Arndt Thielen das erfreuliche Ergebnis erbracht, dass aus jeder Ortschaft mindestens ein Vertreter in das Gremium gewählt wurde. „Damit hat dort  jede Ortschaft eine Stimme, um ihre Anliegen vorzubringen“, sagt der Seelsorger. Doch das ist keine Einbahnstraße. Umgekehrt erhalten die Ortsausschüsse aus erster Hand Informationen aus dem Pfarreirat. Herrmann: „Es ist eine Beziehung in beide Richtungen. Der Ortsausschuss kann sein Anliegen direkt in den Pfarreirat hineintragen und umgekehrt. Beide Pole sind wichtig.“

Großes Engagement

Bei der letzten Wahl sah sich Maria Magdalena in der erfreulichen Lage, dass sich mehr Kandidaten gefunden hatten als Ämter zu vergeben waren. Die Gemeindemitglieder konnten also wählen und auswählen. „Das Interesse am Ehrenamt wird hier großgeschrieben“, betont Arndt Thielen.

Wer ein Amt im Pfarreirat verfehlte, konnte  zwar dort nicht mitarbeiten. Doch die Ortsausschüsse standen und stehen auch künftig offen, um dort die eigenen Kompetenzen einzubringen. Außerdem bestehe die Möglichkeit nachzurücken, wenn ein Pfarreiratsmitglied ausscheidet. In Geldern war dies in der laufenden Legislaturperiode zweimal der Fall gewesen.