Kommissar Kramer und der ermordete Stiftungsverwalter

Buchtipp: Rätselhafter Mord im Wallfahrtsort Altötting

Der Verwalter einer Kirchen-Stiftung muss jemandem im Weg gestanden haben. Warum sonst wurde er brutal erstochen? Und das ausgerechnet in der Fastenzeit.

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Der Mord an Rainer Schutt-Novotny platzt mitten hinein das Klischee ländlich-bayerischer Wallfahrtsort-Idylle. Wer trachtete dem Verwalter des so genannten Tilly-Benefiziums bloß so sehr nach dem Leben, dass er in der Lage war, ihm ausgerechnet an Aschermittwoch ein Messer in den Leib zu stoßen?

Etwa jemand aus der Familie seiner Frau, einer adligen Dame? Schließlich zählte der ehemalige Schnitzergeselle nie zu dem Stand, den man sich wünschte. Oder stammt der Täter gar aus dem Umfeld des Ordinariats, handelte womöglich in bischöflichem Auftrag? Nicht auszudenken!

Viele Spuren führen in die Irre

Anton Leiss-Huber
Fastenopfer
248 Seiten, 9,99 Euro
Ullstein-Verlag 2017
ISBN 978-3-548-28831-4

Autor Anton Leiss-Huber spielt mit den Möglichkeiten, legt Spuren auf Irr- und Nebenwege. Geschickt vermengt er dabei Ausgedachtes mit der Wirklichkeit. Man hätte es sich gleich denken können. Das Ausrufezeichen hinter der Vorbemerkung, jede Ähnlichkeit mit Tatsächlichem sei rein zufällig, wirkt eher wie ein ironischer Fingerzeig.

Denn das Tilly-Benefizium gab es wirklich. 6300 Gulden, die der Feldherr 1630 nach Altötting gestiftet hatte, verbunden mit der Verpflichtung, täglich eine Messe für ihn lesen zu lassen, und zwar auf ewig.

Anleihen bei der Wirklichkeit

Und - ähnlich wie der Bischof im Roman - ließ auch der echte Bischof das „materiell erloschene“ Benefizium vor einigen Jahren der Kapellstiftung „zulegen“, wie es im Stiftungsdeutsch heißt. Die Frage, die in manchen Kreisen aufkam, spielen auch in „Fastenopfer“ eine Rolle: Könnte es sein, dass er dabei ein Auge auf die Büros des Benefiziums hatte, um sich dort einen Ruhesitz einzurichten?

Eine Stärke des Romans sind seine Typen. Der ehemalige Stadtpfarrer, den seine Pfarrhaushälterin zum Frühstück sechs Spiegeleier in sich hineinstopfen lässt. Stichwort: „Low-Carb-Diät“. Die Frauenbund-Aktivistinnen, die eine Demo auf dem Wallfahrtsplatz organisieren. Der verkaterte Kommissar Max Kramer und seine Jugendliebe, die mittlerweile als Novizin im Kloster lebt.

Krimi mit Leberkäs und Brezn

„Fastenopfer“ ist kein düsterer Gruselkrimi, sondern eine bayerische Kriminalgeschichte zwischen Brezn, Enzian-Stamperl und Leberkäs-Semmel, die bis zur letzten Seite spannend bleibt.

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