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Bedeutender Meilenstein in der Universitäts-Geschichte

Buchtipp: Streit um päpstliche Unfehlbarkeit in Münster

Im Dialogverlag Münster ist ein Band über die päpstliche Unfehlbarkeit und den Konflikt der Professoren an Münsters Universität erschienen.

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Das Erste Vatikanische Konzil (1869-70) forderte mit seinen dogmatischen Entscheidungen weite Kreise der deutschen Gelehrtenwelt zu Auseinandersetzungen heraus. Auch an der Akademie Münster entbrannten Debatten um das Konzil und seine Beschlüsse. Wie positionierten sich die Münsteraner Professoren in der Frage der päpstlichen Unfehlbarkeit? Welche Bedeutung spielte das Konzil für die Geschichte der Hochschule? Diesen Fragen wendet sich die Studie von Lars Schlarmann „Streit um die päpstliche Unfehlbarkeit – Wurzel der Universität Münster?“ zu.

Wie Schlarmann anhand vieler Quellen nachweist, wurden die Debatten nicht allein von Theologen angeführt und mitgetragen. Neben den Professoren der Theologischen Fakultät meldeten sich ebenso die Professoren der Philosophischen Fakultät zu Wort. Zoologen, Chemiker und Theologen waren ebenso wie Historiker, Sprachwissenschaftler und Philosophen davon überzeugt, die besseren Argumente pro oder contra päpstlicher Unfehlbarkeit vorbringen zu können.

Spaltung in Professorenschaft

Ein Grabenkampf um die Unfehlbarkeit schloss sich an, der in seiner Konsequenz die Spaltung der Professorenschaft zur Folge hatte. Selbst Versuche, beide Parteien einander näherzubringen, vermochten die verfahrene Lage nicht zu wenden. Das preußische Kultusministerium sah sich genötigt, in den Streit innerhalb des Professorenkollegiums schlichtend einzugreifen.

Lars Schlarmann:
„Streit um die päpstliche Unfehlbarkeit. Wurzel der Universität Münster?“
Junges Forum Geschichte, Band 7
184 Seiten, 14,80 €,
dialogverlag Münster,
ISBN 978-3-944974-28-6

Erst durch die Entkonfessionalisierung der Akademie, das heißt durch die Berufung nichtkatholischer Professoren, verblassten die Spaltungen innerhalb des Kollegiums und die Bedeutung der Konfession an der ehedem geschlossenen katholischen Akademie. Mit dem damit ermöglichten Ausbau der Akademie zur Universität 1902 und unter Preisgabe ihrer katholischen Identität wurden die inneren Spaltungen und Parteiungen, die das Erste Vatikanische Konzil und das Unfehlbarkeitsdogma ausgelöst hatten, überwunden.

Buch mit hoher Bedeutung

Als Wurzel der Erhebung zur Universität kann der Streit um das Erste Vatikanische Konzil in seiner Bedeutung für die Geschichte der Universität Münster deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Da bislang eine detaillierte Untersuchung der Auseinandersetzung um die päpstliche Unfehlbarkeit und um das Erste Vatikanische Konzil an der Akademie Münster fehlte, haben die Forschungsergebnisse von Lars Schlarmann eine hohe Bedeutung.

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