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Themenwoche „Büchereien“ (3): Büchereileiterin im Gespräch

Bücherei Friesoythe schafft Spagat zwischen Pfarr- und Stadtbücherei

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Sie ist seit 2004 die erste hauptamtliche Leiterin in der Pfarrbücherei in Friesoythe. Diplom-Bibliothekarin Birgit Meyer-Beylage versucht beidem gerecht zu werden: den Wünschen des Lesepublikums der 22.500-Einwohner-Stadt im nördlichen Kreis Cloppenburg und dem besonderen Anspruch, Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) der St.-Marien-Pfarrei zu sein.

Was die Leser in erster Linie suchen? Birgit Meyer-Beylage muss nicht lange überlegen. „Unterhaltung, Ablenkung und Entspannung.“ In Krimis zum Beispiel oder in den derzeit beliebten Familiengeschichten aus den Nachkriegsjahren. „Spannend und leicht wegzulesen.“

Deshalb will die Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB) im oldenburgischen Friesoythe immer auf dem neuesten Stand sein. Immer mit dem Blick dafür, was wohl bei den rund 600 aktiven Nutzerinnen und Nutzern in der St.-Marien-Gemeinde ankommt.

Ladenhüter müssen weichen

Denn: Erfolg entscheidet darüber mit, was die Leser in den Regalen finden. Ladenhüter müssen weichen. Gerade hat es gleich ein ganzes Medium getroffen. „DVDs haben wir gerade abgeschafft.“ Die Leiterin lächelt. „Früher musste man die haben.“ Jetzt teilen die silbernen Scheiben das Schicksal von Musik- und Videokassetten.

Seit 2004 ist es ihr Job, den stetigen Wandel zu erkennen und alles Notwendige dafür zu organisieren. Damals gab es in den kleineren Gemeindeteilen Friesoythes noch mehrere kleinere Pfarrbüchereien. Die letzte hat im vergangenen Jahr geschlossen. „Angebot und Nachfrage waren einfach zu gering.“ Und auch wenn der Gemeindeteil Markhausen immerhin 14 Kilometer entfernt ist – für die Nutzer sei die Konzentration kein Problem, sagt die Leiterin. „Sie kommen ja auch zum Einkaufen hierher.“

10.000 Medien stehen in den Regalen bereit

Birgit Meyer-Beylage leitet seit 2004 die KÖB Friesoythe. | Foto: Michael Rottmann
Birgit Meyer-Beylage leitet seit 2004 die KÖB Friesoythe. | Foto: Michael Rottmann

Und sie sorgen weiter dafür, dass die Nutzungszahlen stimmen. 10.000 Medien warten in den Regalen. Durchschnittlich 25.000 Mal im Jahr wurden sie vor Corona ausgeliehen. Macht rund 2,5 Ausleihen pro Medium.

Das zeigt, wie wichtig das Angebot ist, nicht nur für die Kirchengemeinde. Denn als einzige öffentliche Bücherei übernimmt die Bibliothek in der 22.500-Einwohner-Stadt in vielem die Funktion einer Stadtbücherei. „Deshalb trägt die Stadt auch die Hälfte aller anfallenden Kosten“, erklärt Birgit Meyer-Beylage. Auch die für die Neuanschaffung von jährlich rund 1.000 Medien.

Erste hauptamtliche Büchereileiterin in Friesoythe

Sie ist die erste hauptamtliche Büchereileiterin in Friesoythe. Ihr ehrenamtlicher Vorgänger hatte sich für diese Umstellung eingesetzt. „Weil er gemerkt hatte, dass Ehrenamtliche ab einer bestimmten Größe mit der Leitungs-Aufgabe schnell überfordert sein können.“

Neben der Leiterin und einem jungen Mann vom Bundes-Freiwilligendienst zählen weitere 30 Ehrenamtliche zum Team. „Total engagiert und motiviert. Sie helfen zum Beispiel bei der Ausleihe oder übernehmen Vorlesestunden für Kinder.“

Enger Kontakt zu den Kindertagesstätten

Auf Kinder und ihre Bedürfnisse legt die Büchereileiterin besonderen Wert. Wichtig dafür ist der enge Kontakt zum Beispiel zu den Kindergärten. Von den Erzieherinnen und Erziehern erfährt Birgit Meyer-Beylage, wo sie mit passenden Büchern helfen kann. „Zum Beispiel Bücher zu den Themen Tod und Trauer, die wir zum Beispiel für betroffene Familien vorrätig haben.“

An so etwas macht die Leiterin den Unterschied zu einer städtischen Bücherei fest. „Auch wir sind immer bemüht, Aktuelles dazuhaben. Aber wir haben einige Schwerpunkte: Bücher, die sich mit dem Wert eines Menschen auseinandersetzen, Angebote zur Lebenshilfe, etwa für Menschen in einer Krise. Sie sollen hier Bücher finden, die ihnen in einem christlichen Geist helfen.“

Auch kirchenkritische Bücher vorrätig

Bücher zum Thema Kirche und Glaube hat sie ebenfalls in den Regalen, durchaus auch kritische. Ob auch sie oft ausgeliehen werden? Birgit Meyer-Beylage wiegt skeptisch ihren Kopf hin und her und sagt: „Naja. Und dennoch haben wir diese Bücher vorrätig. Weil es wichtig ist.“

Bei manchen Büchern sei der Blick auf Ausleihzahlen eben nicht so entscheidend: Bücher, die sich mit aktuell wichtigen Themen auseinandersetzen. Bücher, in denen es etwa um Gefühle geht oder zum Beispiel um Toleranz gegenüber Fremden. „Auch für Menschen, die vielleicht nicht regelmäßig in die Kirche gehen, dafür aber die Bücherei nutzen und so mit den christlichen Werten in Kontakt kommen.“

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