Stellungnahme vor Tagung der EKD zum Thema

Bundes-Kommission: Evangelische Kirche soll Missbrauch aufarbeiten

Die staatliche Aufarbeitungskommission für sexuellen Kindesmissbrauch hat die evangelische Kirche aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen und eine unabhängige Aufarbeitung zu ermöglichen. Die Kommission äußerte sich aus Anlass der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vom 11. bis 14. November in Würzburg, die sich auch mit dem Missbrauch befassen will.

Kommissions-Vorsitzende Sabine Andresen erklärte, die Fälle von Missbrauch in einzelnen Institutionen ließen auf strukturelle Ursachen in der evangelischen Kirche schließen. Zudem hätten sich bisher insgesamt 31 Betroffene bei der Kommission gemeldet und von Missbrauch in der evangelischen Kirche berichtet, davon sieben in Freikirchen.

Entschädigung für Opfer gefordert

Etwa die Hälfte dieser Betroffenen habe sich noch nicht an die Kirche gewandt. Gründe hierfür seien Angst, Scham, Unsicherheit oder mangelnde Informationen über Anlaufstellen.

Weiter forderte die Kommission eine Entschädigung der Betroffenen sowie eine Unterstützung betroffener Gemeinden und Einrichtungen. Beim Umgang mit den Tätern brauche es eine Kooperation mit dem Staat.

EKD-Sprecher begrüßt Stellungnahme

Ein EKD-Sprecher begrüßte die Stellungnahme der Kommission. Der neue Beauftragtenrat der EKD werde sich mit der Empfehlungen befassen und sie mit eigenen Vorhaben abgleichen. Die EKD wolle weiter mit der Kommission zusammenarbeiten.

Die Aufarbeitungskommission hatte Anfang 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie soll Ausmaß und Folgen von Kindesmissbrauch in Deutschland untersuchen und ist beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung angesiedelt.