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Konzern entstand im Tecklenburger Land

C&A: Katholisch geprägt, aber mit einem braunen Flecken

Mit Rosenkranz und Handfeuerwaffe waren im 17. Jahrhundert die "Tödden" unterwegs, um Leinen zu verkaufen. Unter diesen Wanderhändlern waren Angehörige der Brenninkmeijers aus Mettingen. 1841 gründeten die tief gläubigen Brüder Clemens und August ein Unternehmen: C&A.

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Mit Rosenkranz und Handfeuerwaffe waren im 17. Jahrhundert die "Tödden" unterwegs, um Leinen zu verkaufen. Unter diesen Wanderhändlern waren Angehörige der Brenninkmeijers aus Mettingen im heutigen Kreisdekanat Steinfurt. Mit dem Rucksack auf dem Rücken zogen sie in die Niederlande. Im rund 250 Kilometer westlich entfernten Sneek gründeten 1841 die tief gläubigen Brüder Clemens und August ein Unternehmen, das die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen trägt: C&A.

Die Textilfirma hatte so großen Erfolg, dass sie 70 Jahre später in Berlin die erste deutsche Filiale eröffnete und 1922 nach Großbritannien expandierte. Die Geschichte von C&A von 1911 bis 1961 in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien hat der Regensburger Wirtschaftshistoriker Mark Spoerer erforscht. Das Ergebnis seiner Auftragsarbeit für den Unternehmerkreis der Familie Brenninkmeijer liegt nun als Buch vor. Was auffällt: Immer wieder taucht das Wort "katholisch" auf.

Bild: Töddenmuseum in Mettingen
Die Brenninkmeyers betrieben den Töddenhandel als Hausierer. Im Töddenmuseum in Mettingen wird die Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe erklärt. Foto: Christof Haverkamp

 

Nähe zu katholischen Organisationen

 

Heute zählt die Familie zu den reichsten in Europa. Die Brenninkmeijers – so lautet die niederländische Schreibweise – waren erfolgreicher als viele konkurrierende Einzelhandelsunternehmen, was laut Spoerer auch an gemeinsamen religiösen Wertvorstellungen lag. Die Familie und der praktizierte Glaube spielten für C&A eine bedeutsame Rolle. So spendeten die Textilhändler während der Weimarer Republik fast ausschließlich an katholische Organisationen, außerdem an Kommunen, in denen C&A Filialen betrieb.

Jüdische Bewerber hatten schon vor 1930 keinerlei Chance auf Einstellung. C&A verhielt sich jedoch weder antisemitisch noch rassistisch, sondern handelte aus rein religiösen Motiven. "So wurde etwa 1929 ein zum katholischen Glauben konvertierter gebürtiger Jude als Verkaufsleiter eingestellt", schreibt Wirtschaftshistoriker Spoerer. Zuvor hatte die Unternehmensleitung überprüft, dass der Konvertit seinen neuen Glauben auch praktizierte. In Holland verhielt es sich ähnlich wie in Deutschland. Evangelische Christen konnten übrigens schon bei C&A arbeiten, allerdings so gut wie nicht in leitenden Funktionen.

 

Gelebter Glaube als Bindemittel

 

Unter den Führungskräften war die Fluktuation gering. "Der gelebte Katholizismus war dabei ein wichtiges Bindemittel", stellt Spoerer fest. Die Personalakten für die leitenden Angestellten in Deutschland zeigen: Von 164 vor 1933 eingestellten Kaufleuten waren 161 katholisch und drei evangelisch. Bei den zwischen 1933 und 1945 eingestellten Managern betrug das Verhältnis 63 zu zwei.

Bild: In der Bauerschaft Wiehe bei Mettingen steht der Brenninckhof, der Stammsitz der Familie.
In der Bauerschaft Wiehe bei Mettingen steht der Brenninckhof, der Stammsitz der Familie. Foto: Christof Haverkamp

Wie die Familie ihren Glauben praktizierte, verdeutlicht Spoerer am Beispiel Arnold Brenninkmeijers (1900-1976): In London ließ er sich jeden Morgen mit einigen seiner acht Kinder – nicht alle passten ins Auto – vom Chauffeur zur Kirche bringen. Nach der Messfeier wurde er zur Arbeit gefahren. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm er die Filiale in Essen. "Dort betete die ganze Familie jeden Abend nach dem Essen kniend den Rosenkranz, wobei nach Kriegs-ausbruch für den Frieden gebetet wurde", ist im C&A-Buch zu lesen.

 

Ohne Rücksicht auf Juden

 

Nach 1933 waren die Brenninkmeijers als praktizierende Katholiken den braunen Machthabern suspekt. Doch profitierte das Unternehmen von der Verdrängung der Juden aus der deutschen Wirtschaft. "In den Quellen ist nicht zu erkennen, dass C&A in irgendeiner Weise Rücksicht auf die Notlage jüdischer Vorbesitzer nahm", konstatiert Historiker Spoerer. Vielmehr seien gerne günstige Gelegenheiten im Rahmen der "Arisierung" ergriffen worden. "Im Schriftverkehr mit Behörden bediente man sich des Öfteren antisemitischer Klischees, wenn es der Unterstreichung eigener Interessen dienlich schien: "Während der NS-Zeit traten zudem leitende Angestellte in Deutschland der NSDAP bei, "zum Teil aus Überzeugung, zum Teil aus Opportunismus".

 

"Quelle der Inspiration"

 

Und wie sieht es heute, in der sechsten Generation des Familienunternehmens mit der Rolle der Religion aus? Nach wie vor hat der Katholizismus für die Firmenleitung Gewicht. "Unser Glaube verbindet uns Eigentümer als Quelle der Inspiration", erklärte Maurice Brenninkmeijer, Oberhaupt des C&A-Clans, im Juli in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit".

Buchhinweis:
Mark Spoerer: C&A
480 Seiten, 34,95 Euro, Verlag C.H. Beck, ISBN 978-3-406-69824-8

Doch ausdrücklich wandte Brenninkmeijer sich gegen falsche Vorstellungen, was eine mögliche Einmischung in das das Privatleben angeht: "Es gibt Geschichten von früher, die ein Eigenleben führen", klärte er auf: "Zum Beispiel, wir seien eine erzkonservative, superkatholische Familie, die alles regeln und kontrollieren wolle und 1.500 Familienmitglieder im Stechschritt marschieren lasse." Maurice Brenninkmeijer dazu: "Das ist grotesk. Blödsinn."

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